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Er sieht Handlungsbedarf: Sicherheitsexperte Peter Roell Foto: Archiv

Interview Peter Roell

„Anschlagsgefahr wird verdrängt“

Hotels sind nach Ansicht des Sicherheitsfachmanns Peter Roell „weiche Ziele“. Diese gelte es angesichts steigender Terrorismusgefahr besser zu schützen, rät der Ex-Offizier

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2007/21 vom 26. Mai 2007

Wenn Sie im Hotel übernachten, erkundigen Sie sich nach den Sicherheitsstandards des Hauses?

Roell: Ja, jedoch nicht bei der Ankunft im Hotel, sondern bereits vor Reiseantritt. Wenn man zum Beispiel weiß, welche Hotelketten weltweit sehr viel Geld in die Sicherheit ihrer Häuser und in die Ausbildung ihres Personals investiert haben, fällt einem die Auswahl leichter. Manchmal bevorzuge ich aus Sicherheitsgründen für Übernachtungen auch ein kleines Hotel.

Alarmismus oder wirkliche Bedrohung: Sind Hotels in Deutschland tatsächlich potenzielle Ziele für Terroristen?

Roell: Terroranschläge auf Hotels im Nahen und Mittleren Osten, in Asien und in Afrika belegen, dass sich Terroristen sogenannte weiche Ziele ausgesucht haben. Da Deutschland im Fokus des internationalen Terrorismus steht, der grundsätzlich überall und jederzeit zuschlagen kann, können auch Terroranschläge gegen Hotels in unserem Lande nicht ausgeschlossen werden.

Welche Art von Hotels ist denn besonders gefährdet?

Roell: Zahlreiche Anschläge richteten sich gegen internationale Hotelketten mit internationaler Klientel. Ziel der Terroristen war es dabei, große Medienwirkung zu erreichen und möglichst viele Menschen zu töten und schwer zu verletzen. Ideologische, religiöse, politische und wirtschaftliche Motive wurden dabei sichtbar. Diese Vorgehensweise erwarte ich auch künftig.

Wie sehen typische Sicherheitsdefizite in der Hotellerie und Gastronomie aus?

Roell: Verallgemeinerungen sind nicht angebracht. In Deutschland sehe ich den größten Schwachpunkt darin, dass man das Problem eines möglichen Anschlags auf ein Hotel weitgehend verdrängt. Schlimmer noch, Sicherheitsdefizite zwar erkennt, aber diese nicht abstellt. Typische Sicherheitsdefizite liegen im Bereich der materiellen, aber auch der personellen Sicherheit.

Welche Maßnahmen kann ein Hotelier ergreifen, um mehr Sicherheit zu gewähren, ohne seine Gäste über Gebühr zu belästigen?

Roell: Als erste Maßnahme könnte ein Hotelier folgende Fragen beantworten: Kann eine Bedrohung des Hotels durch einen Terroranschlag ausgeschlossen werden? Falls nein, welcher Handlungsbedarf ergibt sich? Ist das Hotel baulich gegen unbefugtes und gewaltsames Eindringen gesichert? Etwa durch Poller, Betonelemente und Schranken. Wichtig ist außerdem: Befinden sich Parkplätze außerhalb des Hotels? Wenn ja, ist der Abstand zu dem zu schützenden Hotel ausreichend?

Zum Thema Überwachung: Werden das Betreten und Verlassen von sensiblen Punkten in einem Hotel gesondert überwacht? Ebenfalls nicht zu vernachlässigen: Wurde die örtliche Feuerwehr bei der Brandschutzplanung hinzugezogen? Sensibel ist der Bereich Personal: Wird bei Einstellung neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sicherheitsaspekt ausreichend berücksichtigt? Etwa durch die Vorlage eines polizeilichen Führungszeugnisses. Und schließlich: Ist das Personal auch für Sicherheitsfragen sensibilisiert?

Was sollten Hoteliers außerdem beachten?

Roell: Wichtig sind auch diese Gesichtspunkte: Gibt es Pläne für abgestufte Sicherheitsmaßnahmen im Hotel, je nach aktueller Bedrohungslage? Bestehen Vereinbarungen zwischen Hotel und Sicherheitsunternehmen? Achten sollte man dabei auf die Vertragsgestaltung, die praktische Zusammenarbeit und die Zuständigkeiten im Krisenfall. Zusätzliche Aspekte sind: Wurden alle für das Hotel möglichen Risiken erfasst und bewertet, einschließlich der Risiken durch Terrorismus oder kriminellen Missbrauch? Gibt es ein Krisen- und Notfallhandbuch? Gibt es von Zeit zu Zeit Notfallübungen? Gibt es mit den zuständigen Behörden abgestimmte Krisen- und Notfallpläne? Ferner kann der Hotelier bei Behörden, aber auch bei privaten Sicherheitsunternehmen, deren Expertise in Anspruch nehmen.

All diese Schritte belasten in keiner Weise die Gäste über Gebühr, können aber dazu beitragen, mehr Sicherheit im Hotel zu gewährleisten.

Wie schätzen Sie die zukünftige Entwicklung ein? Werden Hotels mehr und mehr zu Festungen?

Roell: Hatten die Terroranschläge der Al-Qaida am 11. September 2001 in den USA noch einen hohen Symbolwert, suchen sich die Terroristen heute sogenannte weiche Ziele aus. Dieser Trend wird sich fortsetzen. Zu diesen Zielen gehören auch Hotels und die Tourismusindustrie. Hotels zu Festungen auszubauen macht wenig Sinn, denn wer möchte schon in einer Festung übernachten. Das Menschenmögliche zu tun, um die Risiken und Auswirkungen von Terroranschlägen zu minimieren, dazu besteht bereits jetzt Gelegenheit.

Noch eine aktuelle Frage: Halten Sie die Sicherheitsmaßnahmen, die rund um den G8-Gipfel in Heiligendamm betrieben werden, für gerechtfertigt?

Roell: Ja! Sie sind notwendig und angemessen. Man kann den Sicherheitskräften nur viel Erfolg bei ihrer schwierigen Aufgabe wünschen.

Die Fragen stellte Holger Zwink

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