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Kesselmeister: Steffen Reichel und Roland Buxbaum brauen Pilsner, Hefeweizen, Märzen und Maibock

© Daniela Haußmann

Erfolgreiche Gastronomie: Die Kleineren (56)

„Ein Stück schwäbische Lebensart“

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2008/25 vom 21. Juni 2008

Nürtingen. Unter Kastanienbäumen, abseits der städtischen Betriebsamkeit, haben sich Steffen Reichel und Roland Buxbaum am Rande der Nürtinger Kernstadt einen Jugendtraum erfüllt. Wo einst Brühbottiche, Konfiskadräume und Stallungen das Bild bestimmten, zeugen heute nur noch Reste alter Fließbänder, historische Waaganlagen und Fleischerhaken – an denen Gäste Mäntel und Jacken ablegen – von der industriellen Vergangenheit des zirka 1880 in Betrieb gegangenen Schlachthofs.

Mit dem Wirteduo brach eine neue Ära für das denkmalgeschützte Gebäude an. 1996 wurde die Lebensmittelproduktion dort eingestellt, dem folgte eine Ausschreibung)Informationen und Fragen, die von Veranstaltungsmanagern und Einkäufern an Hotels im Rahmen einer Anfrage verschickt werden.
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der Stadt zur Umnutzung des 7500 Quadratmeter großen Areals, das zu einem Kultur- und Medienzentrum wurde, in dem sich unter anderem Künstlerateliers, Grafikdesigner und Eventmanager ansiedelten. Sie bilden mit Schulen und einem Wohngebiet das Umfeld des Schlachthofbräu.

Ein Standort an dem sich für Steffen Reichel vielfältige Vorteile auftun. „Kostenlose Parkplätze für Pkw's und Omnibusse gibt es gleich hinterm Haus“, erzählt der Braumeister. „Auf Grund der Randlage zum Zentrum können die Gäste der Hektik entfliehen. Obenrein ist das Schlachthofbräu die einzige Gasthausbrauerei im näheren Umkreis. Alle vier Wochen wird im Sudhaus nach hauseigener Rezeptur Bier gebraut. Pilsner, Hefeweizen, Märzen und Maibock stillen den Durst der Gäste auf lokale Erzeugnisse.

„Die Gerste fürs Malz kommt von der Schwäbischen Alb. Unser Bier hat damit einen individuellen, mit der Region verwachsenen Charakter. Das macht auch die Persönlichkeit unseres Betriebes aus“, betont Reichel. „Leute, die zu uns kommen, finden ein Stück schwäbische Lebensart und Bodenständigkeit.“ Seit acht Jahren geht dieses gastronomische Konzept auf.

Gäste spenden Blut

Auch in der Küche. Von Frühjahr bis Sommer gibt es Forellen vom heimischen Fischer. In der Weihnachtszeit finden sich Gänse von lokalen Betrieben auf der Speisekarte. Zweimal im Jahr wechselt die große Karte, alle zwei Wochen die Aktionskarte, die mit allerhand Spezialitäten und saisonalen Gerichten aufwartet. Bei traditionellen Gerichten wie Spargelcremesuppe, Lammbraten vom Hofgut Tachenhausen mit Spätzle und Salat oder mit Lauch und Speck gefülltem Kalbsbraten können die Gäste zwischen Sudpfanne und Läuterbottich das historische Ambiente im Ziegelsteingebäude genießen.

Darüber hinaus warten Roland Buxbaum und Steffen Reichel mit vielfältigen Aktionen auf. Unter dem Motto „Leben retten im Schlachthof“ rufen die Gastronomen immer wieder zum Blutspenden in der Gasthausbrauerei auf. Bei einem bunten Programm, das von Comedy bis hin zu musikalischen Live-Sessions reicht, kommen Stammgäste wie neu gewonnene Kunden auf ihre KostenDer in Geldeinheiten bewertete Verbrauch von Produktionsfaktoren und Dienstleistungen, der zur Erstellung und zum Absatz der betrieblichen Leistung erforderlich ist.
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. Das Publikum ist breit gefächert. Geschäftsleute, Familien und Bierliebhaber sitzen an den Holztischen. Zum Zusatzgeschäft zählt neben dem Verkauf des Gerstensaftes in Siphonflaschen und Fässern auch das CateringLieferung, Versorgung oder Bereitstellung von Speisen und Getränken durch einen Caterer.
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, bei dem Unternehmen wie Hochzeitsgesellschaften oder Geburtstagsfeiern und Gartenfeste kulinarisch bedient werden. Gästebindung ist den beiden Männern vom Schlachthofbräu wichtig. Alle Kunden werden von den Wirten persönlich begrüßt. Ein Plausch mit jenen Gästen, die häufiger den Weg in die Nürtinger Mühlstraße finden, bleibt nicht aus.

Obwohl sich Steffen Reichel und Roland Buxbaum in den ersten Jahren mit einer Winteraktion, bei der sie eine Eisbahn vor dem Schlachthof installierten, finanziell übernahmen, haben sich die beiden nicht entmutigen lassen. „Die Aktion war spektakulär, aber wegen der Energiekosten ein finanzielles Desaster, bei dem wir 60.000 Euro Miese machten“, lacht Buxbaum rückblickend. Er ist eigentlich gelernter Heizungstechniker. „Tauschen wollte ich nie. Schon als Jugendliche wollten wir zusammen eine Brauerei aufmachen. Das haben wir geschafft, und es macht unheimlich viel Spaß.“

Daniela Haußmann


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