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Interview der Woche

„Hocharbeiten wird schwerer“

Axel Gruner über Akademisierung in der Branche

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2008/26 vom 28. Juni 2008

Geht bald ohne einen Bachelor- oder Master-AbschlussBezeichnung für die letzte Stufe im Verkaufsprozess.
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in Führungspositionen in der Hotellerie gar nichts mehr?

Gruner: Ich gehe mit ziemlicher Sicherheit davon aus, dass sich in naher Zukunft das Ausbildungsprofil für Führungskräfte stark verändern wird. Wo heute noch ein Hotelfachmann mit Ausbildereignungsprüfung gefragt ist, wird in fünf bis maximal zehn Jahren ein Bachelor- oder Master-Absolvent sitzen. Das gilt natürlich in erster Linie für jene Bereiche, in denen strategische und langfristige Entscheidungen getroffen werden.

Wird aus dem klassischen Hotelbetriebswirt ein Hotelier zweiter Klasse?

Gruner: Der Abschluss Hotelbetriebswirt wird eher eine Abwertung erfahren und ein bis zwei Hierarchiestufen niedriger angesiedelt sein. Die Hotelfachschulabsolventen haben sicher weiter ihre Existenzberechtigung – vor allen Dingen, wenn sie mit ihrer Persönlichkeit überzeugen können. Man wird sie aber in Zukunft eher im operativen Bereich beschäftigen. Wenn ich mir die Ausbildungsinhalte an einer Hotelfachschule anschaue, stelle ich fest, dass dort sicher nicht fürs Topmanagement ausgebildet wird. Die Lehrer verfügen über keinen vertiefenden akademischen Background und vielen fehlt die Führungserfahrung in einem Unternehmen.

Das Problem liegt also in einem Mangel an qualifizierten Lehrkräften?

Gruner: Die Ausbildungsinhalte müssten dringend überarbeitet werden. Schon jetzt verlieren etablierte Hotelfachschulen erheblich an Renommee. Was dort zum Teil als Abschlussarbeit akzeptiert wird, würde bei uns nicht einmal als Seminararbeit durchgehen. Man hat dort wichtige Entwicklungen verschlafen und sich auch nicht an anderen Märkten orientiert, wie etwa den USA. Der Hotelmarkt verändert sich stetig, und wir müssen mit ihm wachsen. In Lausanne stehen die Personaler längst nicht mehr Schlange, um Mitarbeiter zu rekrutieren.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Unternehmenserfolg und Akademikerrate?

Gruner: Das ist eine Frage, die ich mit meiner Studie beantworten möchte. Man kann vielleicht schon sagen, dass Unternehmen, die viele Akademiker beschäftigen, innovativer sind. An der Cornell University geht man jedenfalls davon aus, dass in den USA schon 2010 der überwiegende Teil der Führungskräfte in der Hotellerie über einen Master verfügen wird. Ich bin überzeugt, dass das auch in Deutschland in einigen Jahren der Fall sein wird. Bei Accor Deutschland hat man sich bereits zum Ziel gesetzt, dass bis zum Jahr 2012 mindestens 40 Hoteldirektoren über einen Bachelor und mindestens 10 über einen Masterabschluss verfügen sollen.

Schon immer war man in der Hotellerie stolz darauf, seinen Beruf „von der Pike auf“ erlernt zu haben. Hat die klassische Ochsentour als Karriereweg ausgedient?

Gruner: Wenn ein Hotelier über eine überzeugende Persönlichkeit verfügt und einen guten Controller hat, dann wird er auch weiterhin Erfolg haben – aber er wird es schwerer haben, sich hochzuarbeiten. Außerdem wird er zukünftig vermehrt mit akademisch ausgebildeten Führungskräften im Wettbewerb um gut dotierte Positionen stehen.

Die Fragen stellte Nathalie Kopsa


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