Landgasthöfe – Was uns bewegt (17)
„Im Gasthaus muss Leben sein“
HOFGEISMAR-HÜMME. Wenn die Stammgäste mittags im Landgasthof Busch einkehren, ist der Chef zufrieden. Jeder wird persönlich begrüßt und nach dem Wohlbefinden befragt. „Gäste müssen in ihrer Einmaligkeit wahrgenommen werden“, sagt
Wilhelm Busch (57). Der tägliche Trubel in seinem Gasthaus motiviert den
Hotelfachmann. Ohne seine Gäste könnte der Wirt mit dem literarischen
Namensvetter keine Wirtschaft betreiben: „In einem Gasthaus muss immer Leben sein“, betont Busch. Im kleinen nordhessischen Hümme spielt sich
das Leben deshalb vielfach im Landgasthof ab.
Gut Ding will Weile
Schon zum Frühstück erwartet der lebensfrohe Wirt die Einkehrenden. Für 8 Euro serviert die Küche seit etwa drei Jahren eine große Brot- und Brötchenauswahl, Konfitüre, Rühr- und Spiegeleier, Quark, Jogurth, Müsli, Gemüse, Salat, Säfte, Kaffee, Tee, Kakao, Vollmilch, hausgebackenen Kuchen und am Sonntag Lachs. „Als die Zeiten ruhiger wurden, haben wir neue Angebote kreiert“, sagt Wilhelm Busch.
Denn ruhige Zeiten bringen ihn auf gute Ideen. Unumwunden gibt er zu, dass sein Umsatz seit rund fünf Jahren stagniert. Auf die sogenannten Thekensitzer kann er nicht mehr bauen. Auch die Knobler sind weniger geworden. Doch dafür kommen andere. Schließlich spricht der Landgasthof ein breites Publikum an. „Unsere beste Entscheidung war es, den Saal zu bauen“, sagt Wilhelm Busch rückblickend. Hiermit ist er flexibel, kann Familien- und Vereinsfeiern anbieten. Die laufen bei ihm auch heute noch gut, weil er vielen Gästen entgegenkommt. „Es ist ein Geben und Nehmen. Gerade bei den Vereinen“, findet er.
Doch die Zahlen sprechen für sich. Etwa 40 Prozent des Umsatzes bringen die Familien, rund 20 Prozent die Vereine, 25 Prozent das A-la-Carte-Geschäft und 15 Prozent die Getränke an der Theke. Im Schnitt zahlt der Gast
15 Euro. Die Preise sind seit jeher moderat. Für 3,60 Euro kann sich der Gast ein halbes Hähnchen einpacken lassen. Das Stammessen für die Senioren ist für viele ein Grund, täglich ins Wirtshaus zu kommen. Wilhelm Busch bietet ihnen ein Menü mit Salat und Nachspeise für nur 6 Euro. Samstags gibt es Eintopf – die Gäste lieben die Hausmannskost.
Der Arbeit Last und Preis
Edelgard Busch ist die gute Seele in der Küche und kocht interregional. Auf
ihren Schultern liege deshalb mehr Last, weiß der Gastwirt. Das Paar lebt eine 99-Stunden-Woche. Drei Mitarbeiter, ein Auszubildender und bis zu 15 Aushilfen unterstützen die beiden. Doch ohne ihre ständige Präsenz
würde dem Gasthaus mit separatem Clubraum etwas fehlen. „Wenn die Gäste herein kommen und mich nicht sofort sehen, fragen sie wo ich bin“,
erzählt Wilhelm Busch. Montags beispielsweise fährt er einkaufen. Dann ist Ruhetag. Der Wirt liebt es, sich Zeit zu nehmen für die Auswahl der Produkte. Frische Saisonware ist ihm und seiner Frau wichtig. Irgendwann gibt er den traditionellen Gasthof vielleicht an seinen Sohn Ehrhard ab. Der
25-Jährige hat im Medienpark München Koch gelernt und will jetzt nach Paris gehen. 2010 kehrt er nach
Hümme zurück und entscheidet, ob
er bleibt. Die Tochter der Buschs lebt
in München und ist im Controlling
tätig. Momentan erwartet sie allerdings das erste Enkelkind. Zur Freude von Wilhelm und Edelgard Busch.

