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Zufrieden mit der Arbeit: Jana und Wolfgang Kraft vor ihrem Gasthof Zur Linde in Großenlüder-Bimbach Foto: Silke Liebig-Braunholz

Landgasthöfe – Was uns bewegt (50)

„Wir lieben die speziellen Dinge“

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2010/8 vom 20. Februar 2010
von  

GROSSENLÜDER-BIMBACH. Als die Krafts den Landgasthof Zur Linde vor acht Jahren übernahmen, wollten sie zunächst keine Schnitzel anbieten. Mittlerweile lacht Wolfgang Kraft darüber, dass er einst in Schönheit sterben wollte. Die Schnitzel sind längst wieder auf der Speisekarte zu finden. Daneben hat das Wirtepaar aber auch spezielle Angebote kreiert.

„Wir waren Fremde und hatten Mitbewerber in der 10.000-Einwohner-Gemeinde“, sagt der Gastwirt. Der Anfang war kein Zuckerschlecken – die Krafts mussten sich von den anderen abheben. Die gehobene gutbürgerliche Küche war schwer zu etablieren. Heute liegt der Durchschnittsbon bei 18 Euro und das Geschäft wirft Gewinne ab.

Viel Liebe zum Detail

Dazu trägt wohl auch Jana Krafts Geschicklichkeit bei. „Ich staune oft, was meine Frau aus Kleinigkeiten zaubern kann“, sagt der Gastwirt. Die Tische stets adrett eingedeckt, das Inventar gut gepflegt, die Atmosphäre immer gemütlich – die Linde ist längst zum gern besuchten Ortsmittelpunkt in Bimbach avanciert. Gasthaus war es schon immer, aber stand auch mal leer, bevor die Krafts es von der Gemeinde pachteten. Das Potenzial mit zwei Restaurants und insgesamt 75 Sitzplätzen, einem Gastraum mit weiteren 20 Plätzen, zwei Kegelbahnen, 13 Fremdenzimmern und einem Biergarten für rund 180 Personen lockte das Ehepaar in den Ort. Größere Investitionen waren nicht nötig, da das Haus eingerichtet war. In den folgenden Jahren hielten sich die Krafts mit Anschaffungen zurück. Für beide war es das erste gemeinsame Projekt.

Sie stammt aus Tschechien und ist gelernte Restaurantfachfrau, er kam aus dem Rheinland und ist gelernter Koch. Im Oktober des letzten Jahres ist Wolfgang Kraft 50 Jahre alt geworden. In diesem Jahr will er mit seiner Frau seit langem wieder einmal in den Urlaub fahren. Zehn Tage im März sollen die drei Mitarbeiter und neun Aushilfen des Gasthauses „den Laden schmeißen“. Wolfgang Kraft freut sich darauf und ist froh, dass diese Dinge nun wieder möglich werden. „Wir haben viele Jahre nur gearbeitet. Aber nur so konnten wir auch den Umsatz kontinuierlich steigern“, sagt er. Für Kinder war nie Zeit. Das Gasthaus ist ihr Lebensmittelpunkt gewesen und wird es weiterhin bleiben.

Die beiden haben noch viele Pläne, wollen ihre Gäste immer wieder überraschen und die Biergartensaison noch mehr beleben. Hier will Wolfgang Kraft in diesem Sommer einen größeren Grill anschaffen, um dann auch im Garten Spezialitäten wie das Hüftsteak vom Angus-Rind mit Pfeffer-Calvados-Sauce und Bratkartoffeln anbieten zu können. Das Oktoberfest, das sie im vergangenen Jahr erstmals veranstaltet haben, soll nun jedes Jahr stattfinden. „Man muss sich immer wieder Nischen suchen“, sagt der Wirt.

Neue Gästegruppen

Dennoch erstaunt es ihn, dass sich immer mehr junge Gäste in dem Gasthof in Bimbach einfinden. „Am Samstag kommt es vor, dass wir im Gastraum ab 22 Uhr die Musik richtig laut machen“, erzählt der Wirt. Eigentlich ist er eher zurückhaltend. Den Gästekontakt pflegt seine Frau. Doch zu Vorgesprächen mit Gästen, die ihre Familienfeiern planen, nimmt er gern am großen Stammtisch Platz. Dort hängen zahlreiche Fotos aus dem Ort. „Hier lebt die Geschichte von Bimbach“, sagt er.

Vielleicht ist es mittlerweile auch die Geschichte von Jana und Wolfgang Kraft geworden. Die beiden gehen gerne auf die Wünsche ihrer Gäste ein. In diesem Jahr soll es verstärkt Wild und Fisch geben, weil dies nachgefragt wird. Auch das Außer-Haus-Geschäft boomt. „Die jungen Leute aus dem Ort holen sich dienstags ein halbes Hähnchen mit Sweet-Chili-Dip und Brot für 4,80 Euro und essen dann daheim“, sagt Jana Kraft. Die speziellen Angebote werden auf einer Tafel direkt vor der Gasthaustür beworben. Die Gäste reservieren einen Tisch, nachdem sie das Angebot beim Vorbeifahren gesehen haben. Silke Liebig-Braunholz

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