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Gastronomie Die Kleineren (11)

„Das Konzept ist gut und stimmig“

Als Volker Hauptvogel seinen „Storch“ 1989 eröffnete, war es das erste elsässische Lokal Berlins. Dank seines sympathischen Gastgebers und einer schmackhaften Küche wurde das Restaurant eine feste Bank im gastronomischen Geschehen der Hauptstadt

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2006/51 vom 23. Dezember 2006
 Uwe Lehmann

BERLIN. Über dem Gang zur Küche prankt der gefiederte Namensgeber auf einem Emailleschild. Im Gastraum hängen Schilder mit elsässischer Bierwerbung. Das lang gestreckte Lokal strahlt eine anheimelnde Atmosphäre aus. Es ist ausgestattet mit hübschen Details, langen Wandbänken, dunklen Holzpaneelen und knarrenden Bodendielen. Ein Gasthaus der gehobenen Art war es, was Volker Hauptvogel wollte. „Gleichzeitig wollte ich einen öffentlichen Ort etablieren, der allen offen steht, jung und alt“, erzählt der 50-Jährige, der zuvor Mitbesitzer der damaligen Szenebar Pinguin war, in der auch Rockgrößen wie David Bowie und Iggy Pop regelmäßig verkehrten.

Ein Wechsel, der zumindest geographisch ein Katzensprung war. Storch und Pinguin sind quasi Nachbarn, beide liegen im Innenstadtbezirk Schöneberg. Etwa 90 Plätze vorne, dazu 25 in einem Nebenraum sowie im Sommer noch der Vorgarten mit 60 Plätzen sind Hauptvogels Refugium. Die Atmosphäre ist lebendig-kommunikativ. Schnell sitzt man mit anderen am großen Tisch. Das muss man als Gast mögen, ebenso wie den deutlich vernehmbaren Geräuschpegel.

Hochwertige Produkte

Von Anfang an auf der Karte: die elsässische Spezialität Tarte Flambée (Flammkuchen) in drei Variationen, damals ein Novum in Berlin. Auch das übrige Küchenkonzept ist bis heute unverändert: eine kleine, feine Auswahl herzhafter Gerichte, darunter Klassiker wie das Sauerkraut Louis de Funès mit Schäufele, das schon eine Ewigkeit auf der kleinen, täglich neu geschriebenen Karte steht.

Ansonsten gibt es immer Abwechslung, jetzt im Winter etwa mit Gänsekeule, Ochsenbäckchen, Hasenrückenfilet und gebratenener Blutwurst. Dazu werden vorzugsweise Weine aus dem Elsass. gereicht. Die meisten Produkte bezieht Hauptvogel aus Frankreich und Brandenburg, seit Jahren setzt er auf Öko-Zutaten. Mit den meisten seiner Lieferanten kooperiert er schon viele Jahre. Fritz Preuss etwa, sein Bierlieferant, sei jemand, der äußerst flexibel sei. Kulinarische Qualität, so Hauptvogel, sei einer der Gründe für den Erfolg des Restaurants.

Ein anderer: Die Rolle des Gastgebers, die Hauptvogel zweifelsohne beherrscht. Heute unverzichtbar, Ende der 80er-Jahre in Gaststätten nicht immer selbstverständlich. Volker Hauptvogel begrüßt und verabschiedet die Gäste persönlich, zwischendurch geht er an die Tische, kennt viele seiner Gäste oder vermittelt ihnen das Gefühl, man sei bestens miteinander bekannt. Und das hat Konsequenzen: Der Storch steht längst in jedem Reiseführer, war Drehort für Film und Fernsehen – unter anderem für den „Tatort“ – und gehört zu den wenigen Hauptstadt-Adressen mit dezentem Promi-Faktor.

Hauptvogels persönliche Kontakte zur Film- und Musikszene sind legendär. Vor seiner Zeit als Gastronom war er Sänger der Berliner Underground-Band MDK. Das Publikum indessen hat sich über die Jahre gewandelt. Heute sind es weit mehr internationale Gäste als in den Anfangsjahren. „Der Storch partizipiert am Tourismus-Boom und den Low-Cost-Carriern“, stellt Volker Hauptvogel fest. „Wir haben eine tolle Kooperation mit den ortsansässigen Hotels.“

Am Konzept des Storchs will der Wirt, der sich am liebsten mit einem Glas Bier in der Hand fotografieren lässt und nebenbei an einem Filmprojekt über die jüngere Geschichte Berlins mitarbeitet, überhaupt nichts ändern. Der Grund ist denkbar einfach. „Das gastronomische Konzept ist gut und stimmig“, so der Mann, dessen Storch zurecht ein Platzhirsch in Berlin ist.Uwe Lehmann


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Arthur E. Darboven ist Geschäftsführender Gesellschafter der J. J. Darboven GmbH & Co. KG mit Sitz in Hamburg. <tbs Name=" width="125" border="0" align="left" class="orientation-portrait aspect-10" />
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