Interview der Woche
„Das Personal muss tipptopp sein“
Eva-Miriam Gerstner über Design-Hotels
Wie definieren Sie Design-Hotels? Was macht ein Design-Hotel aus?
Gerstner: Der Begriff Design-Hotel ist überstrapaziert. Jeder, der minimalistisch eingerichtet ist, nennt sich so. Bei einem „echten“ Design-Hotel muss die „Hardware“, die Einrichtung, wirklich zukunftsweisend sein. Optik und Haptik müssen stimmen. Die „Software“, also das Drumherum wie Stil des Personals, Tischdeko, Essenspräsentation, Pflegeprodukte und mehr dürfen dahinter nicht zurück bleiben.
Wie grenzen Sie sich von den Mitbewerbern ab?
Gerstner: Zum einen ist unser Design, unsere Innenausstattung, zukunftsweisend und unser Team setzt bei der „Software“ immer wieder Trends. Zum anderen legen wir sehr viel Wert auf die Qualitätssicherung. Das Personal und alle Dienstleistungen müssen immer tipptopp sein. Und schließlich bieten wir ein sehr gutes Preis- und Leistungs-Verhältnis. Bei uns wohnt man individueller und oft günstiger als in einem 5-Sterne-Haus bei gleichem Komfort. Und das Q! ist inzwischen international als herausragendes Design-Hotel akzeptiert.
Kann man überhaupt noch Design-Hotels eröffnen oder wird Design generell zum Bestandteil jedes Hotels?
Gerstner: Generell bekommt Design in der Hotellerie eine immer größere Bedeutung. Um ein neues erfolgreiches Designhotel zu machen, muss man es schaffen, einen zeitlosen Klassiker zu schaffen, wo dennoch permanent die gesellschaftlichen Strömungen einfließen. Design hat mit Visionen zu tun und die Kreativen müssen diese Visionen so umsetzen, dass sie im Hotel funktionieren. Dann muss man natürlich aufpassen, dass es nicht gammelt und das Haus kann lange erfolgreich laufen.
Die Bettenkapazität in Berlin steigt weiter an. Wo liegt die Zukunft des Hotels Q!?
Gerstner: Ich sehe den Erfolg des Q! völlig losgelöst von der Entwicklung der Bettenkapazitäten. Unser Produkt ist so speziell, das wir davon unabhängig sind. Dennoch würde ich in Berlin keine fünf weiteren Häuser aufmachen.
Inwieweit spüren Sie den Preisdruck auf dem Berliner Markt? Können Sie sich von dem niedrigen Preisniveau nach oben absetzen?
Gerstner: Wir schwimmen als kleines und individuelles Hotel im oberen Preissegment mit, unterliegen aber natürlich dem Preisdruck der Kettenhotellerie. Mit dem derzeitigen Durchschnittszimmerpreis von 200 Euro sind wir aber ganz zufrieden, auch wenn international, aber auch schon in Düsseldorf und München, ganz andere Preise aufgerufen werden. Eine Angleichung an das internationale Niveau täte in Berlin allen gut.
Was für ein Hotel würden Sie jetzt machen? Planen Sie etwas Neues?
Gerstner: Es sind Projekte in Spanien, Österreich und Südtirol im Gespräch, die wir, wenn sie sich realisieren lassen, wie das Q! wieder mit dem Architektenteam-Team Graft machen würden. Dabei muss man natürlich bei allen neuen Projekten vergessen, was man bereits beim Q! gemacht hat und bei Null anfangen. Es darf keine Q!-Kopie werden. Es muss was ganz Neues dabei herauskommen, das die aktuelle Entwicklung aufnimmt. Die Fragen stellte Uwe Lehmann

