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INTERVIEW DER WOCHE

„Die Betten sind aus massivem Eis“

Arnold Klingeis über ein ungewöhnliches Hotelprojekt in den Karpaten

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2006/4 vom 28. Januar 2006

Wie kommt ein Absolvent der Heidelberger Hotelfachschule dazu, in den rumänischen Karpaten ein Eishotel zu bauen?

Klingeis: Ich bin gebürtiger Rumäne und im Alter von elf Jahren nach Deutschland ausgewandert. Hier habe ich Koch gelernt und mich später in Heidelberg zum Betriebswirt ausbilden lassen. Vor kurzem bin ich in meine Heimat zurückgekehrt. Dort, am Balea See, betreiben meine Eltern ein 3-Sterne-Hotel.

Deshalb muss man doch nicht gleich ein Eishotel bauen?

Klingeis: Das Projekt ist eine gezielte Marketingaktion. Mit dem Eishotel wollen wir Werbung für die gesamte Region rund um das Balea Tal machen.

Welche Zielgruppen wollen Sie ansprechen?

Klingeis: Zu uns sollen Menschen kommen, die offen für etwas Neues sind. Wir bieten nicht das übliche Standardprogramm, sondern etwas Außergewöhnliches.

Wie groß werden Hotel und Restaurant sein?

Klingeis: Das Eishotel bietet acht Doppelzimmer für 16 Personen. Im Restaurant stehen vier Tische für ebenfalls 16 Personen.

Wie lange wird an einem Eishotel dieser Größe gebaut? Worauf muss man achten?

Klingeis: Die Bauzeit beträgt je nach Wetterbedingungen zwischen 6 und 8 Wochen. Wichtig ist, dauerhaft Temperaturen im Minusbereich zu haben. Während der Bauphase können es nachts durchaus bis minus 20 Grad Celsius sein.

Welche Temperaturen herrschen im Innern des Hotels, und wie schützen sich die Gäste gegen die Kälte?

Klingeis: Im Eishotel herrschen Temperaturen zwischen minus 2 und plus 2 Grad Celsius. Die Temperatur hängt davon ab, wie viele Personen sich im Hotel befinden und wie viele Kerzen brennen. Die Betten sind aus massivem Eis, das mit Brettern bedeckt wird. Auf die Bretter kommt eine Matte, darüber Lamm- und Schaffelle. Zum Schluss folgt die Bettwäsche mit zwei Decken pro Person.

Wie viele Mitarbeiter benötigen Sie für Eishotel und Restaurant?

Klingeis: Am Bau des Eishotels sind bis zu 20 Personen beteiligt. Für den Hotelbetrieb benötigen wir ein Zimmermädchen, einen Barmann, zwei Bedienungen, eine Empfangsdame und einen Koch. Wir profitieren auch vom Personal des nahen Hotels Caban Balea Lac, das auch für das Catering zuständig ist.

Wie hoch sind die Investitionen und wie teuer ist eine Übernachtung?

Klingeis: Das Projekt kostet zwischen 6000 und 8000 Euro. Für die Übernachtung verlangen wir umgerechnet 19 Euro pro Person.

Die Tage des Eishotels sind im späten Frühjahr gezählt. Trägt sich der Aufwand finanziell?

Klingeis: Das Projekt wird von Sponsoren unterstützt. Ich bin davon überzeugt, dass wir mit den laufenden Einnahmen unser Budget nicht überschreiten werden.

Welche Vertriebskanäle nutzen Sie?

Klingeis: In erster Linie werden wir uns auf den Direktvertrieb konzentrieren. Das Eishotel liegt 70 km von Sibiu entfernt. Die Kreisstadt ist täglich von München, Stuttgart und Frankfurt aus mit Carpathair oder Tarom erreichbar.

Die Fragen stellte Rüdiger Rüster

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