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Dietmar Müller-Elmau: Ein Unternehmer, der eigene und neue Wege geht und für sein Metier brennt Foto: Norbert Künnemeyer

„Ein Hotelier wider Willen“

Dietmar Müller-Elmau ist Hotelier des Jahres. Er hat mit Traditionen gebrochen, sein gesamtes Vermögen investiert und Schloss Elmau zu einem Haus der Extraklasse gemacht

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2012/6 vom 4. Februar 2012
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Die Bar mit dem schwarzen Flügel ist einer seiner Lieblingsorte, und in seiner Bar will der Hausherr auch lesen können. Deshalb hat er sie mit speziellen Leselampen ausgestattet. Das ist seine Methode: Dietmar Müller-Elmau geht von sich selbst aus, von sich als Gast. Und verändert, perfektioniert ständig.

Für Dietmar Müller-Elmau ist die ganze Welt ein Hotel, in dem wir zu Gast sind. Er selbst, 1954 auf Schloss Elmau in Zimmer 54 geboren, hat einen Großteil seines Lebens mehr oder weniger in Hotels verbracht, nicht nur in ganz jungen Jahren, sondern nach einem Master-Studium in Cornell auch als Assistent der Geschäftsführung im Hotel Sonnenalp in Ofterschwang, dann vier Jahre als Assistent des Direktors von Schloss Elmau, seines Onkels, bevor er aus der familiären Enge flüchtete und die Softwarefirma Fidelio gründete, nur noch in Hotels lebte, bis er 1997 auf Bitten des Vaters nur widerwillig den maroden heimatlichen Betrieb als Pächter und alleiniger Geschäftsführer übernahm, dort einen erbitterten Kampf um die Neuausrichtung des Hotels führte, am liebsten nach Amerika geflohen wäre, doch 2005 durch den Schlossbrand, in dem die Chance für einen radikalen Neubeginn steckte, dazu gebracht wurde, dazubleiben und die Mehrheit der Eigentümergesellschaft zu erwerben.

Ein „Hotelier wider Willen“, wie er sich mit einem kurzen hellen Auflachen nennt. Aber was für einer!

Alles in diesem Hotel der Extraklasse hat der Hausherr bis ins Kleinste durchdacht und dann mit seinem Architekten Christoph Sattler ganz nach seinen Vorstellungen gestaltet. Das macht ihn und dieses urbane Hotel, am Fuß des Wettersteinmassivs gelegen, unverwechselbar. Und hat Dietmar Müller-Elmau zum „Hotelier des Jahres“ werden lassen: ein Leuchtturm in der Resorthotellerie, der mit seinem Familienspa und dem anspruchsvollen Programm für den Nachwuchs Maßstäbe für Kinderfreundlichkeit in der Luxushotellerie gesetzt hat, auch mit seinem Konzept verschiedener Hotelwelten unter einem Dach.

Der Mut und Risiko nicht gescheut hat, indem er einen Bruch mit der alten, esoterisch und bildungsbürgerlich angehauchten Welt von Elmau riskierte, der sein selbst erarbeitetes Vermögen investierte. Dessen Engagement das Hotel als Ort der Kultur erhalten und konkurrenzlos gemacht hat. Ein Unternehmer, der neue Wege geht, der alles gibt und für sein Metier brennt.

Das sind Tugenden, an denen sich jeder Hotelier orientieren kann. Ein Haus wie Schloss Elmau wertet eine Region, einen Ort, die ganze Hotellerie dort – und nicht nur dort – auf. Es zieht alle mit, hebt das Preisniveau – der Schlossherr beweist auch in dieser Hinsicht Mut – , kurbelt den Tourismus an, strahlt auf kleinere Hotels ab, die in bester Gesellschaft sind und davon profitieren, denn „Differenzierung schafft Nachfrage“, weiß der gelernte Betriebswirt. Und regt sich darüber auf, wie wenig Wertschätzung dem Hotelgewerbe immer noch entgegenschlägt.

Der Wiederaufbau nach dem Brand kostete 45 Millionen Euro, wovon die Versicherung die Hälfte übernahm. Der Rest speist sich aus Eigenkapital und Darlehen.In 20 Jahren hat sich die Investition amortisiert, glaubt Mehrheitseigentümer Müller-Elmau. Sein Optimismus ist nicht unbegründet. Denn das Haus hat in diesem Jahr, bei einer Auslastung von 77 Prozent, das Umsatzziel von 2016 erreicht: knapp 20 Millionen Euro. Den Umsatz pro Zimmer gibt der Hotelchef mit 155.000 Euro an und vergleicht sich da mit dem Bayerischen Hof in München, das zweitumsatzstärkste Einzelhotel in Deutschland.

In Elmau ist die Welt zu Hause. Die Vielfalt. Keine – wie noch in alter Zeit – verschworene Gemeinschaft, die das Gleiche will, sondern Eigensinn, Individualität, ein heterogenes Publikum unter einem Dach, in einem „Mehrprodukthotel“, wie es Müller-Elmau ausdrückt, der als studierter Philosoph und Betriebswirt nicht nur die Sprache der Geistesmenschen spricht.

Im Grunde ist das Schloss wie ein Roman. Es erzählt von einer Hoteliersfamilie und ihrem Nachkommen, der dem Vergangenen etwas Eigenes entgegensetzt und tatendurstig in die Zukunft blickt: Zwei weitere Hotels unweit des Schlosses will er noch bauen. Und auf Berlin hat er auch schon ein Auge geworfen. Der Mann hat Visionen.

Hendrik Markgraf




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