BARS Trendy, klassisch und thematisch
„Eine Bar muss unverwechselbar sein!“
Schillernde Cocktails, eine erotisch knisternde Spannung, Society-Treff. Bars brauchen ein unverwechselbares Image – inszeniert über Ambiente, Licht, Musik, Barkeeper in Aktion und eine auf den Punkt zusammengestellte F&B-Auswahl. Weiter aktuell: Themenbars.
„Eine Bar machen nicht 1000 Flaschen aus. Bars müssen unverwechselbar sein!“ Charles Schumann kennt sich aus. Seit 25 Jahren betreibt er Schumann’s Bar in München. Selbst nach dem Umzug an den Odeonsplatz funktioniert sein Konzept weiter. Dabei sieht er sich durchaus keiner bestimmten „Szene“ verpflichtet, sondern jedem Gast, der durch die Tür tritt. Drei Faktoren tragen zum Erfolg bei: Ambiente, Angebot, Programm.
Mitarbeiter sind Gastgeber
Und es kommt aufs Personal an. Charles Schumann: „Barkeeper spielen eine sehr große Rolle. Sie sind die Gesichter eines Hauses und Ansprechpartner für die Gäste.“ Gerade deshalb sollte man das Geschäft nicht nur auf eine Person fixieren. Auch der Frankfurter Gastro-Consulter Pierre Nierhaus warnt davor, einen einzelnen Mitarbeiter als Star aufzubauen: „Das macht abhängig.“ Seine Erfahrung: „Die Mitarbeiter in der Bar müssen gute Gastgeber sein und gute Entertainer. Und sie müssen gute Drinks machen, also ihr Handwerk beherrschen.
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Gäste suchen in einer Bar noch mehr als im Restaurant intime Atmos-phäre. Und: Geselligkeit, Entertainment, einen Mix aus Eleganz und Glamour, sprich Ablenkung vom Alltag. Das bedarf einer ausgeklügelten Inszenierung im Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Selbst eine Hotelbar lebt nicht allein von Hausgästen. Sie muss für externe Besucher attraktiv sein und Stammgäste gewinnen. Ein Beispiel: Seit dem 2006 abgeschlossenen Umbau des Hotels The Westin in Leipzig lockt nicht nur die spektakuläre Bar des Restaurants Falco Gäste in die 27. Etage des Hauses. Gleich neben dem Haupteingang ziehen die ganztägig geöffnete, offen in die Lobby integrierte Bar Shinto sowie die Blue Bar auf der Galerie externe Gäste ins Haus. General Manager Andreas Hachmeister: „Wir haben damit das gastronomische Gesamtkonzept erweitert und zusätzlichen Raum für kleinere, aber qualitativ hochwertige F&B-Angebote geschaffen.“ Selbst in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wie den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts verstanden es Hoteliers immer wieder, mit ihrer Bar das Haus zu beleben und die Gessellaseiner Stadt anzuziehen. Bars wie die im New Yorker Hotel Algonquin waren berühmt, weil nicht nur gut situierte Hotelgäste am Tresen saßen, sondern auch die Boheme der Stadt: Künstler, Kritiker, Schauspieler. Das gilt heute wie damals.
Für jüngere Gäste gehören Barbesuche zum modernen Lifestyle. Die Locations müssen nicht groß sein. Nierhaus verweist auf die Paris Bar in der Frankfurter Oppenheimer Landstraße: „Sie misst rund 30 Quadratmeter, ist aber superschön.“ Hier ist auch kein großes Equipment nötig. Hauptsache, Atmosphäre und Ambiente stimmen und die Gäste fühlen sich wohl. Vorsicht bei reinen Szenebars mit hohem Flirtfaktor! Genauso schnell wie sie am Markt auftauchen, sind sie oft wieder weg, weil die Leute weiterziehen. Als typischen Standort dafür sieht Nierhaus Düsseldorf: „Dort eröffnen jedes Jahr zwei bis drei In-Lokale.“ Besser ist es, ein Konzept langfristig anzulegen. Soll eine Bar Charakter haben, muss man entscheiden: Klassischer Pianobetrieb, übergreifendes Thema oder cool designte Trendbar?
Derzeit sind Themenbars aktuell. Aber wer glaubt, es reicht, Fotokopien von Humphrey Bogart und Ingrid Bergmann an die Wand zu pinnen, einen Flügel aufzustellen und das Ganze dann Rick’s Bar zu nennen, wird kaum Erfolg haben. Wo ein Thema drauf steht, muss auch eins drin sein. Musik, Interieur, Drinks und Snacks müssen zusammenpassen. Erfolgreiche Hot Spots zeigen den Weg: Im Berliner Hotel InterContinental etablierte sich die Marlene Bar als Hommage an den Film „Blauer Engel“. Von der Angebotskarte über die Musik und bis zum Ambiente mit originalen Ausstellungsstücken von Marlene Dietrich sind die einzelnen „Bar-Komponenten“ aufeinander abgestimmt.
Zusatzgeschäft Snacks
Über Sport haben sich die Champion Sports Bars der Marriott Hotels erfolgreich etabliert. Mit diesen Bars erschließen sich die Hotels eine regionale Klientel, die sonst kaum ins Haus kommen würde. Zum Beispiel bei regelmäßigen Übertragungen von Top-Events im Fußball oder der Formel 1, die sich die Fans lieber in Gemeinschaft als solo zu Hause vor dem Fernseher ansehen. Fingerfood, amerikanische Speisen und Bier spielen hier eine größere Rolle als das klassische Bar-Programm. Ein weiteres Thema ist Wein. Dessen Konsum hat in den vergangenen Jahren deutlich gewonnen. Ein ausgewogenes Angebot zu ehrlichen Preisen kann durchaus das Profil einer Bar schärfen und neue Zielgruppen aufmerken lassen. Weinbars stehen neben den klassischen Bars mittlerweile durchaus für edlen Zeitgeist. Wenn der kleine Hunger kommt: Niemand erwartet in einer Bar eine große Speisekarte, aber irgendwann hat fast jeder Gast auch Appetit. Hotelbars können in der Regel auf ihre Küche bauen, in Einzelbars muss man sich etwas einfallen lassen: Eine Variante ist qualitativ anspruchsvolles Conveniencefood, das vom Barpersonal servierfertig zubereitet werden kann. Mozzarella-Sticks, Tramezzini, Sandwiches und Süppchen eignen sich selbst als Mitternachtssnack. Bei den Getränken sollte die Standard-Range des klassischen Sortiments an Cocktails und Spirituosen auf jeden Fall um Trendgetränke wie Tequila, Wodka oder Biermixes ergänzt werden.
Stichwort Happy Hour: Sie will wohl überlegt sein, damit nicht nur Schnäppchenjäger und Partyhopper angezogen werden. Wenn Timing und Inhalt der Aktionen stimmen, bieten sich Happy Hours als Spielwiese für die Einführung neuer Drinks und Speisen an. Qualität ist oberstes Gebot. Und: Offensive Werbung ist wichtig, damit die Gäste wissen, wann die „glückliche Stunde“ läuft.
Petra Mewes


