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INTERVIEW DER WOCHE

„Es dauert eine Weile, bis Vorurteile verschwinden“

Karl Born über das Image der deutschen Mittelstandshotellerie im Ausland

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2006/24 vom 17. Juni 2006

Sie waren lange Zeit Vorstandsmitglied bei der TUI. Wie schätzen Sie den Ruf der deutschen Privat- und Mittelstandshotellerie bei den ausländischen Gästen ein?

Born: Nun, Deutschland hat immer noch mit dem Ruf zu kämpfen, dass die Servicebereitschaft nicht so ausgeprägt ist. Zwar hat sich einiges gebessert. Aber es dauert eben eine Weile, bis Vorurteile verschwinden. Das liegt zum einen daran, dass bestimmte Informationen etwa in Reiseführern abgedruckt sind, die dann rund fünf Jahre vertrieben und damit reproduziert werden. Zum anderen reichen ja Kleinigkeiten aus, um ein schlechtes Image immer wieder aufzufrischen.

Haben Gäste denn Grund zu meckern?

Born: Das kann schon passieren. Schließlich ist das Angebot von
Mittelständlern und Privathoteliers
in Deutschland alles andere als einheitlich. Es gibt in diesem Bereich viele exzellent geführte Häuser. Manchmal möchte man vor den Zuständen aber lieber einfach nur die Augen
verschließen. Das merken auch die Gäste.

Was wünscht sich der Gast von einem kleinen Hotel?

Born: Wer ein kleineres Haus wählt, will vor allen Dingen Individualität. Standard bekommt man in den großen Ketten. Das bedeutet etwa persönliche Ansprache statt Telefonzentrale. Auch die Einrichtung des Hauses sollte modern und stimmig sein. Die Küche ist ebenfalls wichtig. Es gibt viele Spitzenhotels, die diese Bedingungen voll erfüllen. Gerade den Familienbetrieben, in denen die Familie sich zum Teil mit immensem Zeitaufwand um das Wohl der Gäste kümmert, steht hier ein großes Lob zu.

Es klappt aber nicht überall...?

Born: Das stimmt. Manche Hotels bieten eher das Gegenteil an: kleine Zimmerchen, eine dunkle Eingangshalle, Aushilfspersonal, das sich wenig Mühe mit den Gästen gibt. Der Muff der Siebziger- und Achtzigerjahre hängt noch in allen Ritzen. Oft hat das finanzielle Gründe. Dennoch gefährden sie damit natürlich den Ruf der Branche.

Haben Gäste aus verschiedenen Ländern auch unterschiedliche Ansprüche?

Born: Auf jeden Fall. Die Amerikaner gehen etwa gerne in ihre großen Ketten, weil sie dort einen einheitlichen Leistungsstandard und gute Betreuung geboten bekommen. Im Ausland sind Amerikaner immer etwas ängstlich. Inter-Conti, Hilton und Co. stehen bei diesen Reisenden hoch im Kurs. Kleinere Häuser haben es bei ihnen nicht so leicht. Gäste aus anderen Ländern sind da aufgeschlossener.

Worauf müssen mittelständische Hoteliers besonders achten?

Born: Neben den bereits genannten Punkten ist es auch wichtig, einen ordentlichen Internetauftritt zu haben. Schließlich wollen sich Gäste aus dem Ausland vor der Reise über Zimmer und Lage des Hotels informieren. Es geht dabei gar nicht so sehr um die Möglichkeit der Online-Buchung, sondern vielmehr um eine ordentliche Präsentation.

Was können Hoteliers dafür tun, das Image zu verbessern?

Born: Es hilft nur eines: besser werden! Und das muss natürlich auch kolportiert werden. Die Deutsche Zentrale für Tourismus ist da bereits sehr engagiert. Unsere größte Chance ist aber die Fußball-WM. Jetzt müssen wir zeigen, dass zu Gast bei Freunden eben keine hohle Phrase ist. Davon kann die Privat- und Mittelstandshotellerie langfristig nur profitieren.

Die Fragen stellte Katja Apelt

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