INTERVIEW DER WOCHE
„Es dauert eine Weile, bis Vorurteile verschwinden“
Karl Born über das Image der deutschen Mittelstandshotellerie im Ausland
Sie waren lange Zeit Vorstandsmitglied bei der TUI. Wie schätzen Sie den Ruf der deutschen Privat- und Mittelstandshotellerie bei den ausländischen Gästen ein?
Born: Nun, Deutschland hat immer noch mit dem Ruf zu kämpfen, dass die Servicebereitschaft nicht so ausgeprägt ist. Zwar hat sich einiges gebessert. Aber es dauert eben eine Weile, bis Vorurteile verschwinden. Das liegt zum einen daran, dass bestimmte Informationen etwa in Reiseführern abgedruckt sind, die dann rund fünf Jahre vertrieben und damit reproduziert werden. Zum anderen reichen ja Kleinigkeiten aus, um ein schlechtes Image immer wieder aufzufrischen.
Born: Das kann schon passieren. Schließlich ist das Angebot von
Mittelständlern und Privathoteliers
in Deutschland alles andere als einheitlich. Es gibt in diesem Bereich viele exzellent geführte Häuser. Manchmal möchte man vor den Zuständen aber lieber einfach nur die Augen
verschließen. Das merken auch die Gäste.
Born: Wer ein kleineres Haus wählt, will vor allen Dingen Individualität. Standard bekommt man in den großen Ketten. Das bedeutet etwa persönliche Ansprache statt Telefonzentrale. Auch die Einrichtung des Hauses sollte modern und stimmig sein. Die Küche ist ebenfalls wichtig. Es gibt viele Spitzenhotels, die diese Bedingungen voll erfüllen. Gerade den Familienbetrieben, in denen die Familie sich zum Teil mit immensem Zeitaufwand um das Wohl der Gäste kümmert, steht hier ein großes Lob zu.
Born:
Born: Auf jeden Fall. Die Amerikaner gehen etwa gerne in ihre großen Ketten, weil sie dort einen einheitlichen Leistungsstandard und gute Betreuung geboten bekommen. Im Ausland sind Amerikaner immer etwas ängstlich. Inter-Conti, Hilton und Co. stehen bei diesen Reisenden hoch im Kurs. Kleinere Häuser haben es bei ihnen nicht so leicht. Gäste aus anderen Ländern sind da aufgeschlossener.
Born: Neben den bereits genannten Punkten ist es auch wichtig, einen ordentlichen Internetauftritt zu haben. Schließlich wollen sich Gäste aus dem Ausland vor der Reise über Zimmer und Lage des Hotels informieren. Es geht dabei gar nicht so sehr um die Möglichkeit der Online-Buchung, sondern vielmehr um eine ordentliche Präsentation.
Born: Es hilft nur eines: besser werden! Und das muss natürlich auch kolportiert werden. Die Deutsche Zentrale für Tourismus ist da bereits sehr engagiert. Unsere größte Chance ist aber die Fußball-WM. Jetzt müssen wir zeigen, dass zu Gast bei Freunden eben keine hohle Phrase ist. Davon kann die Privat- und Mittelstandshotellerie langfristig nur profitieren.


