Anzeige

Arthur E. Darboven ist Geschäftsführender Gesellschafter der J. J. Darboven GmbH & Co. KG mit Sitz in Hamburg.

© Darboven

Interview der Woche

„Feine Säure gibt mir eine Gänsehaut“

Arthur E. Darboven über die Zukunft des Kaffees

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2006/51 vom 23. Dezember 2006

Kaffee wohin man schaut. Ist das noch Trend oder schon Tradition?

Darboven: Dazu gilt der Satz „Zukunft braucht auch Herkunft“, im Sinne von, dass wir seit eh und je eine eigene Kaffeekultur haben. Wir trinken als Deutsche gerne viel Kaffee. Verschönert wurde diese Tradition durch den Hype und Trend der Coffee-Shops. Ich meine, dass der Trend gerade beginnt, sich als Tradition zu etablieren und sich neu profiliert hat. Kaffee nicht etwas Antiquiertes geblieben, sondern ist wieder absolut in und hat sich dem neuen Konsumverhalten angepasst: Zusätzlich zum Thema Kaffee genießen im Café gibt es auch Kaffee für Leute unterwegs und Kaffee für innovative Genießer.

Ist Deutschland ein einig Kaffeeland? Oder gibt es da regionale Schwerpunkte und Präferenzen?

Darboven: Wir haben in Deutschland bedingt durch Herkunft und Kultur unterschiedliche Geschmackserwartungen, daher muss es hier unterschiedliche Kaffeeangebote geben. Während der Norden eher mildere und leicht säurebetonten Kaffee trinkt, erwartet der Süddeutsche einen fülligen und säurefreien Geschmack. Das ist auch geographisch bedingt, Süddeutschland liegt nahe an Österreich und Italien, wo die Kaffees schon fast bitter schmecken. Anders ist auch der Osten, da dominiert noch der Geschmack, den der Kaffee aus Vietnam geprägt hat, und dieser ist absolut säurefrei und besonders streng auf der Zunge. Beim Konsum ziehen die Süddeutschen einen gepressten Kaffee vor, also Espresso, Café Creme, Cappuccino, während man im Norden eher Brühkaffee und Latte Macchiato trinkt. Das Kaffeegetränk das am wenigsten in der deutschen Gastronomie verkauft wird, ist der reine Espresso.

Hat der ganz normale Filterkaffee bei der gepressten Vielfalt überhaupt noch eine Chance?

Darboven: Brühkaffee wird bleiben und hat große Chancen. Die Güte eines Kaffees spürt man nur im gebrühten Zustand, da man da alle Kaffeestoffe extrahiert hat. Dies kommt durch die lange Kontaktzeit zwischen Wasser und Kaffeemehl. Wenn man eine Kanne brüht, braucht man etwa 4 Minuten für diesen Vorgang. Bei einem Espresso ist die Kontaktzeit nur etwa 15 Sekunden, und da extrahiert man nur oberflächlich die Kaffeestoffe. Der Kosument, der Kaffee schmecken und genießen will, wird wieder zum Brühkaffee finden.

Ihr Plädoyer für Filterkaffee kommt einer Liebeserklärung gleich. Oder spricht da auch der Tee-Experte, der dem Genussrohstoff einfach etwas Zeit zur Entfaltung lassen will?

Darboven: Ich schätze Tee sehr, aber muss gestehen, dass ich noch kein Experte bin. Mein Plädoyer für Brühkaffee kommt daher, dass ich gerne die positiven geschmacklichen Inhalte von Kaffee spüre, so was gibt mir einen besonderen Kick! Eine feine ausgeprägte Säure gibt mir eine Gänsehaut, während eine samtige Fülle dem Essen einer Tafel Schokolade auf der Zunge ähnelt.

Was und wieviel trinkt der Röster Darboven täglich?

Darboven: Am liebsten trinke ich natürlich Brühkaffee. Es kommen acht bis zehn Tassen täglich zusammen. Dazu kommen noch die Kaffees der täglichen Verkostung bei der Qualitätskontrolle, dass sind 40 bis 50 Tassen. Wie Sie sehen, kann ich ohne Kaffee nicht leben.

Die Fragen stellte Ulrich Jungk


KommentierenDrucken
Auch interessant

Worauf es ankommt

Ganzheitliche Konzeptionen, die im Einklang mit der Natur, dem Charakter des Hauses und der Küche stehen. mehr...

Weitere Artikel aus Archiv vom :

Diesen Artikel bei Google+, Xing, Twitter oder Facebook weiterempfehlen:

Bisher keine Leser-Kommentare zum Artikel

Anzeige