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Gastronomie Die Kleineren (8)

„Ich bin noch gern Koch und Wirt“

Im idyllischen Remstal bei Stuttgart ist die Welt noch in Ordnung. Deshalb hat der Gasthof Adler mit seiner bodenständigen regionalen Küche auch nicht über Umsatzschwankungen zu klagen. Gäste schätzen die hausgemachten Maultaschen

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2006/48 vom 2. Dezember 2006
 Dietmar Pleil

WEINSTADT-BAACH. Authentische Küche in schönster Landschaft – auf diese Formel könnte man den GasthofBeherbergungsbetrieb, der einem Schank- oder Speisebetrieb angeschlossen ist.
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Adler in Weinstadt-Baach im Remstal bei Stuttgart bringen. Als „Bilderbuchidylle am Ende der Welt“ wurde die Lage von Michael Kiesels bodenständiger schwäbischer Wirtschaft auch schon beschrieben.

Kiesels regionaltypischer Gasthof lädt aber nicht nur Scharen von Ausflüglern, Wanderern und Radtouristen zur Einkehr ein – mit über 60 Prozent ist der Anteil der Stammgäste das Fundament für ein grundsolides Wirtschaften.

Im Schnitt sind die Gäste aus dem Großraum Stuttgart über 50 Jahre alt und finanziell so gestellt, dass sie sich die Einkehr im Adler auch mehrmals im Monat leisten können. Konjunkturelle Schwankungen fallen deshalb kaum ins Gewicht. Michael Kiesel: „Die Umsatzschwankungen überstiegen im letzten Jahrzehnt keine 10.000 Euro im Jahr. In diesem Jahr bescherten mir einige Zeitungsberichte eine Sonderkonjunktur.“ Mit Ausnahme des Daches waren in den vergangenen Jahren auch keine größeren Investitionen notwendig.

Vor mehr als 100 Jahren richtete eine Großtante Kiesels den Gasthof Adler als Vesperwirtschaft ein. Kiesels Vater erwarb das Anwesen in den 30er-Jahren. Michael Kiesel (55), Küchenmeister und Wirt, führt den Gasthof seit 1981, also seit einem Vierteljahrhundert.

Aus früheren Ställen wurden gemütliche Stuben mit Fliesenböden und Holz an den Wänden. 90 Gäste haben im Lokal Platz, im Sommer schätzen vor allem an den Wochenenden Familien mit Kindern die schöne Terrasse.

Das Erfolgsrezept des Wirts: „Gleichbleibende Qualität meiner Frischeküche und ein guter, sehr persönlicher Service, deren Organisation meine Schwester besorgt.“ Die klassischen schwäbischen Gerichte (Gaisburger Marsch, Kutteln, Ochsenfleisch) stehen immer auf der Karte, sonst dominiert die Jahreszeit.

Rostbraten für 19 Euro biete er in mehreren Varianten und verwende dazu nur einheimisches Rind und „kein überlagertes Fleisch aus Argentinien“. Forelle und Saibling (18 Euro) liefere ein benachbarter Züchter in Top-Qualität, frisches Wild oft ein Jäger.

Maultaschen fertigt er selbst, bis zu 300 Stück pro Woche. Die nehmen die Gäste oft mit nach Hause. Besonders schätzen sie auch das üppige Weinangebot der besten Winzer des Remstals und der Region. Auf gewandeltes Gästeverhalten hat Kiesel mit seinen Öffnungszeiten reagiert: Warme Küche gibt es von Mittwoch bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr, am Freitag und Samstag bis 24 Uhr. Kiesel: „Das hat die frühere Hektik des Stoßbetriebes in Küche und Service entspannt und kommt PersonalIn der Hotellerie und Gastronomie haben diese durch den Kontakt zu den Gästen einen wesentlichen Einfluss auf die vom Gast wahrgenommene Dienstleistungsqualität.
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und vielen Gästen entgegen. Mancher Gast frühstückt am Sonntag erst um zehn und will kein Mittagessen um zwölf, sondern um 15 Uhr. Und am Sonntagabend sind die Leute gern daheim.“ Im Winter läuft der Betrieb auch ohne Sonnenterrasse auf Hochtouren. Michael Kiesels traditionelles Weinmenü Ende November mit Weinen von Hans Haidle war ausgebucht. Des Meisters Credo: „Ich bin immer noch gern Koch und Wirt.“ Dietmar Pleil


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