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Heimatverbunden: Marianne Gotschlich Foto: Hanna Meid

Gastronomie Die Kleineren (12)

„Ich liebe die regionale Küche“

Die Gastgeberrolle ist Marianne Gotschlich auf den Leib geschrieben. In den „Ratsstuben“ schätzen die Gäste aber nicht nur den freundlichen Service, sondern auch die Gaumenfreuden. Qualität und Frische machen das Lokal zum gefragten Allrounder

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2007/1 vom 6. Januar 2007
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LEINFELDEN-ECHTERDINGEN. „Tschüssle und ade!“ So freundlich werden Mittags-Stammgäste in den Ratsstuben auf schwäbisch verabschiedet. Marianne Gotschlich, Inhaberin des gehobenen Speiserestaurants und dreifache Mutter, hat die Gastgeberrolle quasi im Blut. Ihr Vater war Metzgermeister und bewirtschaftete das bekannte Hotel-Restaurant Fissler Post im Stuttgarter Stadtteil Plieningen. „Alle sechs Geschwister sind in die Gastronomie gegangen“, berichtet Gotschlich. Ihre Schwester Margarete arbeitet sogar ganz in der Nähe. Die gelernte Restaurantfachfrau ist an fünf Tagen in der Woche die gute Seele der Ratsstuben.

60 Personen haben hier an liebevoll eingedeckten Tischen unterschiedlicher Größe Platz. Teppiche auf den rotbraunen Fliesen dämpfen die Schritte. Hier ein antikes Möbelstück, dort eine geschnitzte Figur, daneben eine alte Uhr, die dezent die Stunde schlägt: Ambiente, das merken die Gäste schnell, ist bei Marianne Gotschlich kein bloßes Schlagwort. Das Lokal ist gediegen, aber nicht altmodisch.

Zudem entfaltet sich die Kreativität einer örtlichen Küche, die sogar im gastronomisch verwöhnten Großraum Stuttgart ein Musterbeispiel ist. „Ich liebe die regionale Küche, weil man mit den Jahreszeiten gehen muss und Frische Pflicht ist“, sagt die gelernte Restaurant- und Hotelfachfrau und Köchin. „Qualität der Produkte, Erzeugernähe und Liebe zur Heimat sind für mich Grundbedingungen, um das ganze Jahr über eine ehrliche und gute Küche anzubieten.“

Ware direkt vom Erzeuger

Folgerichtig hat sich Marianne Gotschlich bereits vor fünf Jahren aus Überzeugung der baden-württembergischen Gastro-Initiative „Schmeck den Süden“ angeschlossen. „Als wir die Ratsstuben 1992 übernommen haben, war es noch äußerst schwierig, Fleisch vom Bauern in der Nähe zu bekommen“, erzählt die Gastronomin. „Inzwischen haben wir Kontakte zu vielen Erzeugern, die unsere Bedürfnisse – vom Mehl über das Gemüse bis hin zum Obstbrand – zufriedenstellen.“

In den Ratsstuben wird grundsätzlich alles frisch zubereitet, auch das Tagesessen mit Suppe oder Nachspeise für 6,90 Euro. Ein ausgesprochen günstiger Preis, zumal Nudeln, Klöße und Spätzle wirklich handgemacht sind. Am Herd ist seit sechs Jahren ebenfalls eine Frau federführend: Elisabeth Rauch. Sie ist auch verantwortlich für gefragte Spezialitäten wie Forellenfilets aus dem Körschtal mit Salbeiblättern, gebraten in Zitronen-Olivenöl.

Der Herr des Hauses ist Seiteneinsteiger und kümmert sich im Betrieb um Einkauf und Organisation. Wenn seine Frau mal nicht da ist, übernimmt Jürgen Gotschlich gern die Aufgaben des Mâitre de Plaisir. Denn auch ihm ist es ein Anliegen, dass jeder Gast individuell betreut wird.

Vielleicht ist es gerade diese unaufdringliche Präsenz, die außer dem Bekenntnis zur regionalen Küche die Ratsstuben in Echterdingen über Jahre hin beliebt gemacht haben. Mittags gibt es Tagesessen für die Berufstätigen aus der Umgebung, Geschäftsleute treffen sich zum Business-Lunch, am Abend kommen der Gemeinderat oder der Gesangsverein auf einen guten Schluck und ein deftiges Vesper vorbei. Für das Wochenende reservieren viele Ältere und Familien. „Dann übrigens ist die Gaststube, wegen der Kinder, absolut rauchfrei“, berichtet Gotschlich.

Nicht nur kulinarisch setzt die Chefin Akzente, sondern auch als Veranstalterin und im Catering-Geschäft: Jeden Monat gibt es eine geschlossene Gesellschaft mit Menü und Rahmenprogramm aus Musik, Kabarett und Zauberei. In Saal und Ratszimmer finden regelmäßig große Familienfeiern statt. Immer wieder betreut die Chefin auch auswärtige Aufträge in den unterschiedlichsten Locations. Das Wissen dafür hat sie sich in vielen Jahren – auch während ihrer Zeit in der nahen „Sonne“ – erworben.

Weitere wirtschaftliche Möglichkeiten für das Lokal in der Echterdinger Fußgängerzone sieht Gotschlich schon für die nahe Zukunft. „Schon jetzt profitieren die Ratsstuben von der Nähe zum Stuttgarter Flughafen. Derzeit arbeite ich an einem Marketingkonzept, um an der Neuen Messe Stuttgart zu partizipieren“, berichtet die rührige Wirtin. Hanna Meid

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