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Interview der Woche

„Preise bremsen Neubaupläne“

Peter J. Leitgeb über die Hotellerie in Indien

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2008/23 vom 7. Juni 2008

Wie entwickelt sich der Tourismus in Indien?

Leitgeb: Die Zahlen zeigen stets nach oben. Gemessen an der Größe des Landes sind aber 5,5 Mio. Touristen pro Jahr nicht gerade viel. Die ausländischen Gäste in unseren Hotels stammen aus Großbritannien, den USA und den deutschsprachigen Ländern. Das sind Länder, die in Indien Geschäfte machen. Auch die Japaner investieren inzwischen in Indien. Ich bin der Meinung, dass der günstigste Zeitpunkt dafür überschritten ist. Indien ist exorbitant teuer geworden. In Bangkok bekommt man für 195 Dollar noch ein Hotelzimmer in einem sehr guten Hotel. Das gibt es in Indien nicht. Die The Claridges Hotels & Resorts erreichten im vergangenen Jahr eine Belegung von rund 80 Prozent bei einem durchschnittlichen ZimmerpreisRegulärer Preis pro Zimmer , auch Zimmerrate genannt.
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von knapp 400 Dollar.

Womit kann man sich das erklären?

Leitgeb: In Indien gibt es keine ausreichenden Kapazitäten. Das Bauen von Hotels in guten Lagen ist sehr teuer. Die Grundstückspreise machen in Indien 60 Prozent der Hotelinvestition aus. Und eine Handvoll Investoren besitzt alle guten Grundstücke.

Wie sieht die Mitarbeiter-Situation in Indien aus?

Leitgeb: Die Personalkostenderen Arbeitskraft in einem Unternehmen entstandene Aufwendungen.
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liegen in indischen Hotels noch deutlich unter 15 Prozent, das wird sich aber ändern. Mitarbeiter aus der Hotellerie werden bereits von der IT-Branche und von anderen Industriezweigen abgeworben. Auch die Gehaltsstruktur hat sich westlichen Gepflogenheiten angepasst. Die Inder sind inzwischen gut ausgebildet und ähnlich gut aufgestellt wie europäische Bewerber.

Was tun Sie, um diese Situation für Ihre Hotels zu entschärfen?

Leitgeb: Zunächst einmal versuche ich, die FluktuationWiederkehrende Veränderung von Gegebenheiten und Zuständen.
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zu verringern. Sie liegt bei uns bei 25 Prozent, in ganz Indien in der Branche bei 35 Prozent. Ich habe viele Motivationsprogramme eingeführt. Vom Mitarbeiter des Monats und des Jahres über Ausflüge und Auslobung eines Cornell-Aufenthalts bis zu Gratifikationen.

Hängt die eher schleppende Entwicklung der westlichen Ketten in Indien allein von den hohen Baukosten ab?

Leitgeb: Nein, es ist auch nicht so einfach für sie, Management-Verträge abzuschließen. Management-Verträge in Indien sind eine große Herausforderung für die internationalen Ketten.

Wie entwickelt sich das Budget-SegmentNach dem Prozess der Aufteilung des relevanten Markts in Marktsegmente erhält man einzelne Segmente, die eine möglichst homogene Abnehmergruppe zusammenfassen.
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in Indien?

Leitgeb: Es fehlt definitiv an Hotels im Budget-Segment. Aber die Inder bauen sie nicht gern. Sie definieren sich über Luxus und wollen nicht schief angesehen werden weil sie „nur“ ein Budgethotel besitzen.

An welchen Standorten hat Claridges noch Interesse?

Leitgeb: Ich halte Chennai und Pune für sehr interessant. Auch Hyderabad und Kalkutta kommen in Frage. Bereits unterschriftsbereit sind Hotels in Udaipur und auf den Malediven. Außerdem sind wir an Dubai und auf Mauritius interessiert. Über Bangalore gab es in jüngerer Zeit viel negative Berichterstattung. Der Markt dort hat sich zurückentwickelt, außerdem sind dort schon viele Hotels im Bau.

Wie ist es um die Kriminalität im Land bestellt?

Leitgeb: Kriminalität ist in Indien kein Thema.

Die Fragen stellte Susanne Stauß


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