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Ein Herz für Kunst: Reblaus-Wirt Helmut Meier Foto: Uwe Lehmann

Gastronomie Die Kleineren (3)

„Stetige Arbeit“

Seit 26 Jahren betreibt der gebürtige Badener Helmut Meier in Berlin-Reinickendorf seine Weinstube Reblaus. Für die Gäste, vornehmlich Stammkundschaft, ist das Lokal ein Glücksfall. Die Preise sind günstig, die kulinarische Qualität erlesen

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2006/43 vom 28. Oktober 2006
von Uwe Lehmann

BERLIN. Im Kamin liegen ein paar Holzscheite. Helmut Meier hat es sich an einem der kleinen Tische bequem gemacht und schraubt die Kappe seines Füllfederhalters ab. Es ist Mittag, Zeit für den 58-Jährigen, die Speisekarte zu schreiben.

Gebratenes Kabeljaufilet auf warmem Kartoffelsalat, Brandenburgische Bauernente aus dem Ofen oder rosa gebratenes Rehrückenfilet an Cassis-Rotweinsauce soll es heute Abend geben – die regional-saisonalen Gerichte bringt Meier in der Weinstube Reblaus seit Jahren in konstant hoher Qualität auf den Tisch. Seit 26 Jahren betreibt der aus dem Badischen stammende Koch das Lokal im Berliner Norden. Dabei setzt er auf einen Mix aus gediegenem und modernem Ambiente. Zeitgenössische Kunst in Form von großen Ölbildern ziert die backsteinernen Wänden.

Die wohlige Atmosphäre zieht die Nordberliner mindestens genauso stark an wie die feine Küche. „Eigentlich wollte ich nur eine Weinstube aufmachen, wie ich sie aus meiner Heimat kenne – mit gutem Wein, Zwiebelkuchen und Pasteten“, erinnert sich Helmut Meier. Doch die Gäste verlangten nach mehr. Ab Ende der 80er-Jahre wandelte sich die Weinstube immer mehr zum Restaurant. Das Sortiment an Rebensäften umfasst heute rund 50 Positionen deutscher, italienischer, französischer und spanischer Tropfen, 16 davon offen.

Die Auswahl ist damit zwar nicht riesig, aber sehr kompetent zusammengestellt. So ist die „Reblaus“ wohl ein Glücksfall für die mit guten gastronomischen Adressen unterversorgte Gegend. „Bis vor einigen Jahren gab es wenigstens noch das Rockendorf’s und das Pott & Pann“, sagt der Gastronom. Inzwischen sei er allein auf weiter Flur mit seiner neuen deutschen Küche, Mitbewerber seien fast nur noch italienische Restaurants.

30 Sitzplätze bietet Meier seinen Gästen, im Sommer zusätzliche 28 Plätze draußen. Für seine Gäste, rund 80 Prozent sind Stammpublikum, steht Meier Dienstag bis Samstag persönlich am Herd. Geöffnet ist nur abends. Um die dreißig Gerichte von Vorspeisen bis zum Dessert bietet er an, täglich tauscht er ein paar Speisen aus. Dabei ist die Auswahl für eine doch eher kleine Schlemmerstube erstaunlich umfangreich und vielfältig, ohne das darunter die Qualität leiden würde. Seit Beginn der Fleischskandale rückt in der „Reblaus“ Fisch verstärkt in den Fokus.

Ungewöhnlich und erstaunlich ist das Preis-Leistungs-Verhältnis bei Meier. Keine Vorspeise ist teurer als 10 Euro, kein Hauptgericht kostet mehr als 16 Euro. Das ist bei der Qualität, die Meier bietet, kaum nachvollziehbar. 2 bis 3 Euro mehr würde er schon gern nehmen, das sei derzeit aber nicht durchsetzbar. „Befände sich die Weinstube in den Szenebezirken Mitte oder Prenzlauer Berg, würden höhere Preise funktionieren“, beschreibt er den Standortnachteil. Zusätzliche Einnahmen verschafft ihm gelegentliches privates Catering für bis zu 60 Personen. In der Küche stehen Meier drei Mitarbeiter zur Seite. Ehefrau Renate agiert mit zwei Kellnern im Gastraum und sorgt Abend für Abend für eine besonders freundliche und herzliche Atmosphäre. „Seit zehn Jahren bilden wir auch aus“, sagt Meier, der gerade drei Berufsneulinge in der Lehre hat. Dass die „Reblaus“ inzwischen zu den rennomiertesten Adressen im Norden der Hauptstadt gehört, hat vor allem zwei Gründe. Meier nennt sie: „Der persönliche Umgang mit den Gästen und die stetige Arbeit.“Uwe Lehmann

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