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Leserforum

„Warum ist alles so unmenschlich geworden?“

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2004/32 vom 7. August 2004

Zur Lage auf dem Arbeitsmarkt und den Erfahrungen, die eine arbeitssuchende Fachkraft bei der Stellensuche im Gastgewerbe gemacht hat, erreichte die Redaktion nachstehender Leserbrief.

Es ist demütigend, wie mit einem umgegangen wird. Nach einer dreimonatigen Arbeitslosigkeit im vergangenen Jahr habe ich in einem Hotel eine Tätigkeit angenommen, die mich weder ausfüllte noch befriedigte, nur um nicht zu dem Heer von 4,5 Millionen Arbeitslosen zu gehören. Das Haus wird unter jeglicher Kritik von Nichtfachleuten geführt; die Gehaltszahlungen kamen unregelmäßig, und anstatt Tätigkeiten delegiert zu bekommen, saß ich oft stundenlang herum und musste mich langweilen. Nachdem ich Anfang Januar die Lohnzahlung schriftlich monierte, erhielt ich die Kündigung.

Da ich bis Anfang März weder meine ArbeitspapiereSämtliche Unterlagen und Dokumente, die der Arbeitnehmer im Rahmen des Arbeitsverhältnisses benötigt bzw.
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noch eine Bescheinigung für das Arbeitsamt erhielt, habe ich den Betrieb innerhalb eines Monats drei Mal aufgesucht, um meine mir zustehenden Unterlagen zu erhalten. Jedesmal wurde ich mit einer anderen Ausrede vertröstet, so dass die Arbeitsbescheinigung durch die Arbeitsagentur von Amts wegen angefordert werden musste. Nur über einen Rechtsanwalt konnte ich meine Unterlagen bekommen.

In dieser Zeit habe ich weiterhin Bewerbungen geschrieben, Vorstellungsgespräche geführt, meine Bewerbungsunterlagen in 75 Prozent der Fälle nicht zurückerhalten oder nach Wochen des Wartens lediglich erfahren, dass man sich nicht entscheiden kann, wegen der Wirtschaftslage.

Gelegentlich habe ich mir auch sagen lassen müssen, wer in der Hotellerie keine Arbeit findet, ist faul. Ich bin weder faul noch anspruchsvoll und habe auch keine übertriebenen Gehaltsforderungen und nehme so ziemlich jede Tätigkeit an, wenn sie einigermaßen passt.

Wie viel Demut muss noch sein? Oder ist es keine Demütigung, wenn man von einem Betrieb gebeten wird, erst einmal eine Woche kostenfrei auf Probe zu arbeiten, ich bekäme dafür Kost und Unterkunft frei, diese fixen KostenDer in Geldeinheiten bewertete Verbrauch von Produktionsfaktoren und Dienstleistungen, der zur Erstellung und zum Absatz der betrieblichen Leistung erforderlich ist.
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hätte ich ja zuhause dann nicht. Nach dieser Probewoche erhält man noch nicht einmal Dank, von einer Entscheidung ganz zu schweigen. Erst als ich 6 Wochen nach dieser Probearbeit schriftlich nachgefragt habe, erhielt ich eine Antwort, die eigentlich keine war, aber auch kein Dankeschön.

Wieso ist denn alles so unmenschlich geworden? Gott sei dank habe ich seit Anfang Mai eine Dreiviertel-Stelle, wo ich doch menschlich behandelt werde, aber das kann doch nicht alles sein, ich möchte gerne voll arbeiten. Vielleicht entnehmen Sie meinen Zeilen, dass ich einigermaßen verzweifelt, sehr traurig und zermürbt bin, denn ich verstehe es nicht, wieso ich so verletzt werde.

Irgendwann war ich „Vollblutgastronom“ und habe auf diese Branche nichts kommen lassen, habe Gastronomen in Schutz genommen, obwohl sie gar nicht schützenswert waren, das ist lange Zeit her, aber meinen Beruf liebe ich irgendwo immer noch. Wo ist nur die Menschlichkeit geblieben? Oder gibt es wirklich nur noch Egoisten? Der Herr verschone mich vor Hartz 4! Soll das was ich mir angespart habe, einfach geopfert werden müssen?

Rainer Schoenenberger,

Bad Bergzabern

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