Interview Hendrik Schatz
„Whiskylust kann man wecken“
Borco ist eines der großen Spirituosenunternehmen. Brand Manager Hendrik Schatz über Whiskytrends und neue Zielgruppen
Welche Trends gibt es am Whiskymarkt?
Schatz: Gefragt sind rauchige Single Malts, etwa Laphroig oder Ardmore Highland Single Malt, ein leicht getorfter Whisky, der auch den Geschmack von Einsteigern trifft und Anfang November von uns auf dem deutschen Markt eingeführt wurde.
Rechnen Sie mit steigender Nachfrage bei den Single Malts?
Schatz: Auf jeden Fall, insbesondere bei den Spezialitäten. Zum Beispiel den sogenannten Finishes, also Whiskys, die im Madeira-, Sherry- oder Portweinfass vollendet wurden. Immer mehr Nachfrage gibt es auch bei Irish Malts.
Warum gehört Irish Whiskey zu den Gewinnern am Markt?
Schatz: Ein Grund ist sicherlich die große Whiskytradition, die sich allerdings nicht in der Präsenz wiederspiegelte. In jüngster Zeit ist der Markt aber in Bewegung gekommen, auch durch Marken wie Kilbeggan, Connemara und The Tyrconnell. Generell ist Irish Whiskey geschmacklich leichter zugänglich als viele Scotch Malts, was gerade Jüngeren gefällt.
Sind Single Malts wohlhabenden Genießern vorbehalten?
Schatz: Nein, es gibt gute Malt Whiskys in den unterschiedlichsten Preisklassen. Da ist für jeden etwas dabei.
Wird Whisky von den Destillerien und Spirituosenkonzernen hinsichtlich bestimmter Zielgruppen konzipiert?
Schatz: Ich denke schon. Gerade Ardmore ist ein sehr gutes Beispiel dafür, dass man das Potenzial rauchiger Sorten erkannt hat.
Eine junge Frau bestellt in der Disco Whisky-Cola. Ein Fauxpas, oder?
Schatz: Überhaupt nicht. Ich weiß, dass sogar manche Masterblender ab und an Whisky-Cola trinken. Die Trinkgewohnheiten sind halt verschieden. Manche schätzen Whisky mit Eis, andere mit Wasser oder eben mit Cola. Allerdings würde ich nicht gerade einen guten Malt zum Mischen nehmen, das wäre schade.
Hat Whisky in der Gastronomie und Hotellerie den Stellenwert, den er verdient?
Schatz: Bislang noch nicht. Es gibt nicht sehr viele Bars, die eine wirklich gute Auswahl haben. Ich denke, dass sich auch viele Barkeeper schwer damit tun, die Gäste bei Whisky kompetent zu beraten. Wir würden uns wünschen, dass öfter Spezialitäten auf der Karte zu finden sind. Dadurch kann sich eine Bar auch von Mitbewerbern abheben.
Wie kann man als Gastronom mit Whisky mehr Umsatz machen?
Schatz: Die Barkarte spielt eine zentrale Rolle. Whiskys sollten erklärt werden. Optimal ist es, wenn der Service den Gästen Marken empfehlen und Lust machen kann auf Whisky. Gastronomen und Hoteliers, die Platz und Kapazität haben, können auch Events rund um den Whisky veranstalten, etwa ein Highland-Dinner oder Verkostungen mit Rahmenprogramm.
Unterstützen Sie die Gastronomie?
Schatz: Ja, wir bieten beispielsweise Tastings an, mit denen das Barpersonal Whiskywissen aufbauen oder verbessern kann.
Wo sollte Whisky künftig noch öfter vertreten sein: Auf dem Digestifwagen oder an der Bar?
Schatz: Da mache ich keinen Unterschied, beides ist gleich wichtig. Ich denke aber, dass es in vielen Bars Nachholbedarf gibt.
Wie wichtig ist eine Fachmesse wie die Interwhisky?
Schatz: Hier präsentieren sich alle bedeutenden Unternehmen. Die Interwhisky trägt auch dazu bei, dass sich immer mehr Verbraucher und Gäste für den Whisky interessieren. Speziell für Markteinführungen ist diese Messe eine gute Plattform.
Was plant Borco beim Whisky?
Schatz: Wir wollen kurz- und mittelfristig mehr Verkostungen anbieten – und mehr Schulungen.
Welches ist ihr persönlicher Lieblingswhisky?
Schatz: Schwierige Frage. Das variiert je nach Tag und Jahreszeit. Unser Ardmore begeistert mich aber wirklich. Er trinkt sich leicht und ist dennoch komplex.
Die Fragen stellte Christoph Aichele

