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INTERVIEW DER WOCHE

„Wir können mit den Konzernen mithalten“

Thomas Schlieper über kleine Kooperationen und den Wettbewerb

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2006/26 vom 1. Juli 2006

Die Freiburger Private City Hotels sind auf dem Freiburger Hotelmarkt so etwas wie die Platzhirsche. Wie haben Sie das geschafft?

Schlieper: Diese Marktposition haben wir durch eine konsequente Bündelung aller Kräfte erreicht. Alle neun Häuser sind betriebswirtschaftlich sehr gesunde Unternehmen. Die Freiburger Private City Hotels haben auch in der Vergangenheit in ihr Produkt investiert, um ihren Gästen einen hohen Standard zu bieten. Aber auch in den Bereich Marketing wurde investiert. Wir haben uns auf umfassende Mitarbeiterweiterbildung und Serviceorientierung konzentriert. Ein innovativer Vertrieb ist der Schlüsselfaktor der Zukunft. Das haben wir rechtzeitig erkannt.

Sie haben sich in Freiburg auch gegen Konzerne wie Steigenberger und Accor durchgesetzt. Können Sie preislich mit den Kettenhotels mithalten?

Schlieper: Innerhalb unseres Hotelverbunds liegen Auslastung und Zimmerpreise über dem Freiburger Durchschnitt. Wir können also durchaus mit den Daten der Konzerne mithalten. Auch das ist ein positives Ergebnis von zehn Jahren Zusammenarbeit. Unser Ziel war es immer, einen angemessenen Preis am Markt durchzusetzen. Wir wollen nicht mit Volumen zu jedem Preis die Hotels auslasten, sondern eine hohe Belegung bei optimaler Average Room Rate sichern.

Wie weit geht die Zusammenarbeit der Hotels innerhalb der Kooperation? Wo wird der Kollege zum Wettbewerber?

Schlieper: Jeder der neun Unternehmer ist bemüht, sein eigenes Haus zu füllen. Aber die Hoteliers haben bereits vor mehr als zehn Jahren verstanden, dass dies mit vereinten Kräften leichter zu erreichen ist.

Wie gestaltet sich dieses Miteinander?

Schlieper: 90 Prozent der Aktivitäten des Verbunds erstrecken sich auf Marketing und Vertrieb – also Homepage, Reservierungssysteme, Messen, Sales, Buchungen von Haus zu Haus. Aber auch die regelmäßigen Seminare zur Unternehmer- und Mitarbeiterfortbildung laufen gemeinsam – zum Teil auch der Einkauf.

Sie beschränken sich bei Ihren Mitgliedern auf einen sehr engen Kreis. Glauben Sie, dass kleine Kooperationen erfolgreicher agieren können als große?

Schlieper: Eine kleine Gruppe hat die Möglichkeit, Entscheidungen zeitnah zu treffen. Das bewirkt eine enorme Flexibilität am Markt. Eine Ausweitung in Freiburg ist daher nicht vorgesehen.

Ist ihr Konzept auch auf andere Städte übertragbar?

Schlieper: Das glaube ich schon. Damit eine Gruppe erfolgreich ist, müssen allerdings vier Voraussetzungen erfüllt sein: erstens Innovationsfreudigkeit, zweitens marketingorientierte Unternehmensführung – damit ist auch Bewusstsein verbunden, dass Marketing und Vertrieb auch Geld kosten, drittens Teamgeist und viertens Investitionsfreudigkeit.

Interview: Wolfgang Baumgärtner

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