INTERVIEW David Kong
„Wir möchten individuell bleiben“
Der Präsident von Best Western International über die Chancen der Mittelklasse-Hotellerie, verbesserte Qualitätsstandards und über die Zukunft der Hotelkette
Zeigt die Immobilienkrise in den USA bereits Auswirkungen auf den Geschäftsverlauf von Best Western?
Kong: Die Entwicklung auf den Finanzmärkten hat zu einer Verlangsamung der Wirtschaft in den USA geführt, die sich auch allmählich auf Europa auswirken wird. Die Preise von Immobilien sind gesunken. Wir können allerdings keine negativen Auswirkungen auf unseren Geschäftsverlauf spüren. Im Gegenteil: Die durchschnittliche Belegung in den USA ist zwar um 3 Prozent zurückgegangen, die Rate ist aber um 7 Prozent gestiegen, der RevPar stieg um mehr als 4 Prozent. Weltweit verzeichnen wir sogar einen Zuwachs bei der Rate um 7 Prozent und ein Belegungswachstum um 14 Prozent. Dass die Auswirkungen der Immobilienkrise bei uns kaum spürbar sind, liegt in der Struktur und dem Angebot unserer Gruppe begründet. Unsere Hotels liegen im Mittelklassemarkt, und dieser schneidet in Krisen immer am besten ab. So buchen aus Kostengründen viele Gäste, die sonst höhere Kategorien bevorzugen, bei uns.
Welche strategische Vision verfolgen Sie?
Kong: Zu Best Western gehören inzwischen etwa 4200 Hotels. Wir sind die größte Hotelkette in den USA und in Europa. Unser strategisches Ziel, das wir bereits seit einigen Jahren verfolgen, liegt weniger in einem weiteren quantitativen Wachstum als vielmehr in einer qualitativ höheren Markenpositionierung. So wollen wir in erster Linie unseren Qualitätslevel weiter steigern. Durch unsere noch strengeren Qualitätsvorgaben, die wir vor drei Jahren eingeleitet haben, mussten wir uns von insgesamt rund 500 Hotels trennen. Diese Standorte wurden in den USA in der Regel durch neu gebaute höherwertige Hotels wieder besetzt, die mit AAA zertifiziert sind.
Wie zufrieden sind Sie mit dem deutschen Markt?
Kong: Die deutsche Wirtschaft hat sich stabilisiert und entwickelt sich positiv. Wir haben hier eine sehr gesunde Zahl an Hotels und einen hervorragenden Service. Best Western Deutschland hat viele wunderbare Dinge entwickelt. Im Bereich Qualität und Service gab es in Deutschland in den vergangenen Jahren einen außerordentlichen Schub. Aber auch hierzulande mussten wir uns von einigen Betrieben trennen, die nicht mehr den Qualitätsanforderungen genügten.
Wo gibt es in Europa die meisten Best Western Hotels?
Kong: In Großbritannien mit etwa 300 Hotels, gefolgt von Frankreich und Deutschland. Insgesamt haben sich in Europa allein im vergangenen Jahr 83 individuelle Hotels – davon viele Neuprojekte – der Marke angeschlossen. Damit segeln in Europa mehr als 1300 Hotels unter Best-Western-Flagge.
Welche Unterschiede bestehen zwischen den Best-Western-Hotels der verschiedenen Länder?
Kong: Best-Western-Hotels haben immer einen sehr starken regionalen Bezug und lokalen Charme. Das Hotelangebot in Ausstattung und Service ist in erster Linie auf die jeweilige nationale Nachfrage und die damit verbundenen unterschiedlichen Bedürfnisse ausgerichtet – natürlich immer gemäß unseren weltweit einheitlichen Qualitätsanforderungen. Dadurch ergeben sich zum Teil große nationale Unterschiede: Beispielsweise sind in Asien viele Hotels neu und sehr groß. Das kleinste Hotel dort hat 200 Zimmer. In Thailand haben wir viele Ferien- und Wellnessresorts. Alle Hotels in Südkorea sind extrem modern und fortschrittlich, denn Südkorea ist ein Hightech-Land. In Japan gehören eher kleine Boutique-Hotels zu Best Western. Unsere Hotels in Europa haben fast alle eine Historie. Sie werden häufig von Familien geführt, in deren Eigentum sie sich befinden und die sehr stolz auf ihre Hotels sind.
Gelten für alle Länder einheitliche Qualitätsanforderungen?
Kong: Generell ja, denn Gäste wollen sich bei einer Marke weltweit auf eine einheitliche Qualität verlassen können. Deshalb werden alle unsereHotels weltweit jährlich auf diese Qualitätsstandards geprüft. So werden immer neue Standards eingeführt, wie beispielsweise gerade geschehen kostenfreie High-Speed-Internetzugänge oder auch Flatscreen-Fernseher. Dabei sprechen wir allerdings erst einmal von den Basis-Anforderungen, die jedes Best-Western-Hotel erfüllen muss. Jedes Land, aber auch jedes einzelne Hotel kann diese Basics natürlich übertreffen. In Deutschland gibt es so beispielsweise neben den globalen Standards zusätzliche Anforderungen wie im Frühstücksangebot oder Servicebereich.
In welchem Land sind die Anforderungen am höchsten, wer will der beste Best-Western-Hotelier sein?
Kong: Insgesamt hat die Region DACH (Deutschland, Österreich, Schweiz) sehr hohe Anforderungen. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern machen bei Best Western aber auch einen besonderen Reiz aus. Wir lernen viel voneinander.
Wie ist das Verhältnis von Feriengästen zu Businessgästen in Ihren Hotels?
Kong: Auch hier gibt es Unterschiede. In den USA ist das Verhältnis etwa50 zu 50 Prozent. In Deutschland30 zu 70 Prozent. In Schweden gibt es fast nur Geschäftsreisende. In Deutschland hat sich das Reise- und Buchungsverhalten in letzter Zeit stark verändert. Deswegen expandieren wir im Individual- und Feriensegment hier zurzeit besonders stark.
In welcher Region expandieren Sie zurzeit am schnellsten?
Kong: In Asien. Dort haben wirinnerhalb kurzer Zeit 130 Hotels gewonnen, 2010 sollen es 200 sein.Unsere Hotels in Asien haben alle vier bis fünf Sterne. Es sind alles neueHotels, das Land und die Baukosten sind teuer. Deshalb müssen höhere Raten erzielt werden. Wir sehen uns grundsätzlich überall nach finanzkräftigen Investoren um. In Indien investiert einer unserer Partner derzeit1,3 Mrd. Dollar in den Bau neuer Best-Western-Hotels. Dass sich uns neue Hotels anschließen, heißt aber nicht, dass wir eine 5-Sterne-Kette sein wollen. Wir möchten weiterhin unseren individuellen Charme bewahren.
Was ist die jüngste Innovation aus Phoenix ?
Kong: Wir haben in den USA ein Design-Projekt gestartet. Wir bieten Hoteliers die Möglichkeit, bei Neubau oder Umbau sieben verschiedene Hotelprototypen – vom ultramodernen Stadthotel bis zum Ferienresort – zu nutzen. Unsere Designabteilung, die aus mehr als 20 Designern besteht, hat dazu verschiedene Prototypen für neue Best-Western-Hotels entwickelt. Die Prototypen für Neubauprojekte unterscheiden sich im Standard und in der Ausstattung, sind aber alle State-of-the-Art. Bei einem Hotelneubau entstehen pro Zimmer zwischen 80.000 und 90.000 Dollar an Kosten. Bei Umbau oder Renovierung können Hoteliers und Investoren aus einem etwa 7000 Dollar teuren Innenausstattungspaket ihre individuelle Innenausstattung auswählen.
Wird dieses System auch in anderen Ländern angeboten?
Kong: Nein, bisher noch nicht. Die einzelnen Länder haben auf unser Projekt positiv reagiert und prüfen derzeit, ob ein solches Angebot auch für die Hoteliers in ihren Ländern sinnvoll und gewünscht ist.
Die Fragen stellten Hendrik Markgraf
und Susanne Stauß

