Viel Wirbel ums Frühstücksei
BORKUM Die Geschichte vom Borkumer Weich-Ei klingt nach Sommerloch: Da verlangt ein Hotelgast ausdrücklich ein maximal drei Minuten lang gekochtes, weiches Ei und bekommt es nur gegen eine von ihm unterschriebene Einwilligungserklärung nebst Info-Blatt. Ort des Geschehens: das Vier-Sterne-Superior-Hotel Vier Jahreszeiten auf der ostfriesischen Insel Borkum.
„Gefundenes Fressen“ für die Presse, die sogleich eine „typisch ostfriesische Skurrilität“ hinter dem Geschehen vermutete und dem Haus damit zu einiger Popularität verhalf. René Füllner, stellvertretender Direktor des Hotels, ärgert sich darüber, dass die hauseigenen Gepflogenheiten eher in die Rubrik „Komisches vom Lande“ eingeordnet werden. „Wir haben eine strenge Hühnerei-Verordnung, die uns verpflichtet, reine und saubere Ware anzubieten“, sagt Füllner. „Bei einem Drei-Minuten-Ei kann niemand garantieren, dass das, was auf den Tisch kommt, salmonellenfrei ist. Wir wollen, dass unsere Gäste gesund bleiben“, fügt Füllner an. Nun wäre das Hotel Vier Jahreszeiten nicht ein Vier-Sterne-Superior-Hotel, wenn der Gast sein Weich-Ei nicht bekommen hätte und auch künftig bekommen wird – ausdrücklich verboten ist das schließlich nicht. „Nach Absprache mit unserem Küchenchef haben wir uns aber rechtlich abgesichert, um uns vor eventuellen Schadensersatzansprüchen zu schützen.“ Im konkreten Fall, der für den sommerlichen Pressewirbel sorgte, hat Füllner seinem Gast die Situation freundlich erläutert und um Verständnis für die Regelung des Hauses gebeten. „Aber dieser Gast war dann doch recht pikiert“, berichtet Füllner. Dabei praktiziert das Hotel dieses Verfahren nach Angaben Füllners bereits seit längerem, ohne dass sich jemals ein Gast darüber beschwert habe.
Die konsequente Haltung im Hotel Vier Jahreszeiten wird übrigens nicht überall belächelt, vor allem nicht dort, wo Sachkunde vorherrscht. Die Vorsitzende des DEHOGA-Inselverbandes Borkum, Renate Neumann, zeigt Verständnis: „So komisch das zunächst klingt, von der Hand zu weisen ist es nicht.“
Auch Renate Mitulla, Geschäftsführerin des DEHOGA-Landesverbandes Niedersachsen, bekundet spontane Solidarität: „Ich finde das in Ordnung, im Grunde hat René Füllner nämlich recht.“ Sie verweist auf Hygienerichtlinien, in denen es heißt: „Erst durch mindestens 5-minütiges Kochen oder Garen von Hühnereiern werden die krankheitserregenden Bakterien sicher abgetötet.“
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