Der Öko-Reise gehört die Zukunft
STUTTGART. Landestypische Kost mit regionalen Produkten, aktive, spannende, ökologisch unbedenkliche Touren, die die die Umwelt schonen: Immer mehr Deutsche setzen auf sanftes, umweltverträgliches Reisen und bewusstes Genießen. Besonders im eigenen Land werden solche Ferien verstärkt angeboten und genutzt, aber auch im Ausland werden solche Offerten häufiger.
Solche Angebote können sein: Erlebnisferien im Nationalpark Wattenmeer mit vogelkundlicher Schiffsreise, Watt- und Deichwanderungen und dabei das Ökosystem Nordsee erleben. Abenteuerurlaub im Honigtal auf Korfu mit Esel Paul, fangfrischem Fisch, Sandburgen, Baumhaus sowie Meditativ- und Kreativprogramme. Oder Projektreisen mit dem WWF nach Rügen und Vorpommern.
Der Nürnberger Veranstalter ReNatour organisiert jährlich rund 80 Reisen sowohl in touristisch stark frequentierte Regionen wie die Kanaren, Mallorca oder Korfu als auch in strukturschwache ländliche Gebiete wie das Mairatal im Piemont oder die westlichen Vogesen-Ausläufer in Frankreich. „In allen Gegenden bemühen wir uns um Nachhaltigkeit, indem wir die Zusammenarbeit mit lokalen Partnern bevorzugen und umwelt- und sozialverträgliche Urlaubsaktivitäten anbieten“, sagt Inhaber Roland Streicher. Dies schließe Aktivitäten wie Helikopterflüge oder Offroad-Touren kategorisch aus.
Intensiv Natur erleben
Roland Streicher konzentriert sich mit seinen Reisen auf verträglichen und sanften Tourismus und ist Mitbegründer und Ehrenvorsitzender der Organisation „forum anders reisen“ (far). Ein Wirtschaftsverband kleiner und mittelständischer Reiseveranstalter mit Sitz in Freiburg. Für alle Angebote der Mitglieder gilt: Landestypische familien- und inhabergeführte Unterkünfte sowie regionale Produkte und Erzeugnisse aus kontrolliert biologischem Anbau für die Kost werden bevorzugt. Auch die Anreise erfolgt möglichst umweltverträglich per Auto, Bahn und Schiff. Das bedeutet: keine Flüge unter 700 Kilometer, bei einer Flugdistanz von 700 bis 2000 Kilometer muss der Aufenthalt mindestens eine Woche betragen und ab 2000 Kilometer mindestens 14 Tage. Bei Flugreisen bitten die Veranstalter die Gäste freiwillig das Klimaschutzprojekt „atmosfair“ zu unterstützen.
„Kleine Reisegruppen, viele Begegnungen mit den Menschen vor Ort und intensive Naturerlebnisse sind typische Merkmale unserer Reisen“, erläutert far-Geschäftsführer Johannes Reißland. Die Reisen ließen den Teilnehmern viel Zeit, Besonderes, Neues und Ungewohntes zu entdecken.
Immer mehr deutsche Urlauber legen Wert auf nachhaltig ausgestaltete Reisen. Sie ändern ihre Urlaubspräferenzen angesichts des Klimawandels. Schon heute zählen 5 Prozent der Deutschen zu den Kunden von Reiseveranstaltern, die umweltverträgliche Reisen im Programm haben, verdeutlicht eine Studie der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) im Auftrag des WWF Deutschland. 8 Prozent der Befragten gaben an, dass sie explizit Reisen buchen, die bestimmte Umweltstandards berücksichtigen. Dass zusätzlich mehr als 20 Prozent der Deutschen künftig beim Buchen darauf achten wollen, lässt ein weiteres Wachstum dieses Marktes für die Zukunft erwarten.
Als ReNatour 1994 an den Start ging, zählte Roland Streicher zu den Pionieren des „sanften Reisens“. Die Nachfrage ist in den 15 Jahren stetig gewachsen. In 2007 registrierte Streicher rund 4000 Gäste, und im Jahr 2008 wuchs die Fangemeinde um 5 Prozent. Zwar hätten sich die Kunden 2009 beim Buchen länger Zeit gelassen, aber bis Ende Oktober verzeichnete er ein Plus von 7 Prozent und eine durchschnittliche Aufenthaltsdauer von zehn Tagen. Der Schwerpunkt liegt dabei zu 75 Prozent auf Individualreisen. 25 Prozent der 30-bis 65-jährigen Gäste buchen jedes Jahr wieder, dabei fast immer ein neues Ziel. Der Markt wächst. „Es kommen etwa zehn Unternehmen pro Jahr im forum anders reisen dazu“, schätzt Roland Streicher.
Nachfrage steigt
Einige Spezialanbieter scheiden aber auch aus. So wie der junge Veranstalter Demeter Reisen. Für Gründer Stefan Gubitz entwickelten sich die Erfolgszahlen der seit 2007 angebotenen Bio-Ferien offensichtlich nicht schnell genug. Nach nur knapp zwei Jahren beschloss die Muttergesellschaft Gebeco das Aus für das außergewöhnliche Konzept. „Bio ist ein Herzensthema“, ist Stefan Gubitz als einziger Kommentar zu entlocken. „Reisen, die der Nachhaltigkeit verpflichtet sind, gehört die Zukunft.“ Der Markt bestätigt seine Prognose: Die rund 160 Veranstalter schneiden laut far trotz schlechter ökonomischer Gesamtlage wirtschaftlich besser ab als klassische Anbieter.
Mittlerweile bieten Infoportale und immer mehr Veranstalter ethisch vertretbare Urlaubskonzepte an: von lohasguide.de, eco-travel.de, bund-reisen.de, sanftes-reisen.org, viabono.de hin zu stattreisen.de.
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