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schillerlocken und Weltformel

Alles ist durchaus relativ

Von Ulrich Jungk, Chefredakteur

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2005/8 vom 26. Februar 2005

Man muss etwas Großes geleistet und es der Nachwelt hinterlassen haben – und man muss mausetot sein. Das sind die Grundvoraussetzungen dafür, dass man seinem Lande noch in besonders nachhaltiger Form einen Dienst erweist, wenn längst schon Gras über einen selbst gewachsen ist.

So darf der wackere Schwabe Friedrich Schiller in diesem Jahr mit seinem 200. Todestag für andere das tun, was ihm selbst zu Lebzeiten nicht vergönnt war: richtig Kasse zu machen. So schillert etwa Thüringen, was der tote Genius hergibt: Apolda, Erfurt, Rudolstadt, Meiningen, Jena – und natürlich Weimar. Schiller-Menüs und Schillerlocken, Übernachtung inklusive Frühstücksbuffet und mit der ThüringenCard freien Eintritt in die diversen Ausstellungen der dichterlichen Hinterlassenschaft.

Baden-Württemberg will dem nicht nachstehen, reklamiert das Leben und Wirken des großen Dichters nahezu hälftig für sich. Da passt es nur zu gut ins Bild, dass der Meister nicht sonderlich alt wurde. Marbach, Stuttgart, Ludwigsburg und Mannheim – er konnte alles außer Hochdeutsch. In Jena und Weimar fiel das nicht sonderlich ins Gewicht – und vor allem nicht so auf.

Wir könnten übrigens noch sehr viel mehr verblichene Geistesgrößen erfolgreich in die touristische Vermarktung unseres Landes einbinden, hätte man einige nicht zu Lebzeiten aus diesem Lande geekelt oder gar vertrieben. Irgendwie dumm gelaufen.

Und so fallen etwa die zu vermarktenden Lebensspuren jenes Genies für Deutschland relativ bescheiden aus, der der Welt so herzerfrischend die Zunge zeigte: Albert Einstein. Genau 50 Jahre nach seinem Tod und 100 Jahre nach Entdeckung jener Theorie, die nach seiner eigenen Überzeugung auf der ganzen Welt allenfalls eine Hand voll Personen wirklich verstanden hat, darf sich das schwäbische Ulm als Geburtsort rühmen und Berlin als zeitweilige Wirkungsstätte geehrt fühlen – aber teilen muss man das Universalgenie ohnedies mit der ganzen Welt. Denn die hat er mit seiner Wunderformel auf den Kopf gestellt – relativ eindeutig.

Als relativ gesichert gilt, dass die Talfahrt in der Hotellerie zum Stillstand gekommen ist. 2004 stiegen die Übernachtungszahlen um drei Prozent und die Zimmerauslastung um beachtliche 4,2 Prozent. Für das laufende Jahr rechnet der Hotelverband Deutschland bei leicht anziehenden Preisen mit einem Plus bei der Auslastung um drei Prozentpunkte. Klingt gut, bleibt in der Bewertung aber stark relativ. Denn nach den Seuchenjahren 2002/2003 kommt man von ganz unten wieder zu relativ normalen Zuständen. Die widrigen Begleitumstände wie Überkapazitäten und Verdrängungswettbewerb hingegen bleiben konstant – das ist sicher.

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