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Anfang vom Ende einer Ära
Rauchverbot ist Realität: Unterwegs in Stuttgarts Bars, Kneipen und Restaurants / Gastronomen befürchten Umsatzverluste
STUTTGART. In dem Moment, als das Feuerzeug schnippt, stürmen drei Mitarbeiter los. „Hier darf nicht mehr geraucht werden“, verkünden sie im Chor. Der Gast, der sich nach dem Essen im Fellini eine Zigarette angezündet hat, entschuldigt sich: „Alte Gewohnheit.“ Ohne zu murren setzt er sich auf die Terrasse des italienischen Restaurants in der Hohen Straße, um dort zu rauchen.
Hätte ein Ordnungshüter der Stadt Stuttgart dieses Szenario beobachtet, müsste der Gast spätestens im Oktober 40 Euro Strafe abdrücken. In den ersten drei Monaten wolle man wenig kontrollieren und der Gastronomie eine Übergangszeit zugestehen, heißt es im Ordnungsamt. Das Personal vom Fellini hat sich allerdings richtig verhalten. Denn das Gesetz schreibt vor, dass Raucher bei Verstoß darauf hingewiesen werden müssen. Sollte der Wirt das Qualmen dulden, muss er zwar keine Strafe zahlen, verliert aber die Konzession.
Ein Kneipenwirt aus dem Stuttgarter Westen, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, rebelliert. Die Aschenbecher stehen noch auf dem Tresen und seine Gäste qualmen weiter. Wenn er auf das Rauchverbot angesprochen wird, regt sich der gebürtige Bosnier so auf, dass er plötzlich viele Deutschfehler macht. Er könne keinen Nebenraum stellen, und 90 Prozent seiner Stammgäste seien Raucher, lautet die Erklärung. Angst vor Kontrollen? Der 55-jährige Nichtraucher schnaubt verächtlich, bevor er antwortet: „Sonst muss ich gleich zusperren.“ Der leidenschaftliche Gastronom weiß, dass er seine Konzession als Wirt aufs Spiel setzt. Er weigert sich trotzdem, das Gesetz zu akzeptieren, weil es seine Existenz gefährdet.
Vor Umsatzeinbußen fürchten sich auch Betreiber von größeren gastronomischen Betrieben. Im Mata Hari ist die Stimmung bereits einen Tag nach Inkrafttreten des Rauchverbots gedrückt. Vor und hinter dem geräumigen Retro-Style-Café nahe dem Hans-im-Glück-Brunnen sitzen Gäste dicht gedrängt auf den Terrassen und rauchen.
Früher tote Hose
Um 21 Uhr ist der Bereich um die Bar komplett leer. Hier saßen sonst Gäste, die Cocktails tranken“, erzählt eine Mitarbeiterin wehmütig. Dann habe es nie lang gedauert, bis andere in Grüppchen darum herumstanden und sogar tanzten. Die Bedienung fügt trübselig hinzu: „Die Stimmung ist weg, gestern hatten wir 50 Prozent weniger Umsatz und um 23 Uhr war es leer.“ Ihrer Meinung nach gehören Zigaretten und Feiern zusammen. Was helfe die gute Location nahe beim Hans-im-Glück-Brunnen, wenn das Rauchverbot das Konzept der Bar manipuliere? Sie hofft, das sich die Gäste bis zum Herbst an das Rauchverbot gewöhnen und spätestens dann wieder dort Party machen. Die Inhaberin Selma Mittendorf hat Existenzängste: „Wenn ich zwei Monate lang weniger Umsatz mache, muss ich schließen.“
Im Herbst wollen einige Stuttgarter Gastronomen ein Resümee ziehen. Sie denken aber jetzt schon über Veränderungen nach. Glenn Bisaki, Geschäftsführer vom Fellini will „so schnell wie möglich“ klären, ob er sich einen Umbau leisten kann und ob er die Baugenehmigung dafür bekommt.
Ebenso Thomas Brunner, Inhaber vom Brunnerz am Rotebühlplatz. Das Restaurant mit Loungeecke kann augenblicklich auch keinen Extra-Raum für Raucher anbieten. Die Aussicht, dass er schon nach anderthalb Jahren umbauen muss, lässt Brunner eher kalt als die Frage, was er vom neuen Gesetz hält. „Warum gibt es ein Verbot fürs Rauchen, aber keines für Zigaretten?“ Und auf „den Verband“ ist er „sauer“. Man habe die Lage beim DEHOGA falsch eingeschätzt. Man hätte sich für ein komplettes Rauchverbot stark machen müssen. Und überhaupt: „Jedes Bundesland kocht jetzt sein eigenes Süppchen, toll!“
„Gar nichts unternehmen“, obwohl er schon Umsatz verloren hat, will Hassan Gül. Der Betreiber einer Dönerbude in der Nähe vom Rathaus freut sich, dass bei ihm „nicht mehr der Dunst steht“. Ein Stammgast schaltet sich ein: „Zum Fußballgucken gehe ich jetzt woanders hin. Zum Spiel gehört die Zigarette.“ Gül, der nie geraucht hat, entgegnet ungerührt: „Hauptsache kein Rauch mehr.“ Leise fügt er hinzu: Die Leute würden sich daran gewöhnen, wie in Italien.
Daran glauben eingefleischte Raucher weniger. „Wir suchen uns ein anderes Lokal“, sagen zwei Freundinnen ungerührt, die vor einer Weinstube im Herzen Stuttgarts sitzen und qualmen. Sie wollen in der kalten Zeit nur dorthin gehen, wo es einen Raucherraum gibt. Ein Ratsch ohne Zigaretten sei undenkbar. Wie viele andere, die an diesem Abend Stuttgarts Außengastronomie bevölkern, würden sie ihr Lieblingslokal wechseln. Peinlich ist ihnen auch nicht, dass die Bedienung, die ihnen den Wein mit einem Lächeln serviert, diese Worte hört.
Oliver Metzger, der seit fünf Jahren eine Schwulen-Lesben-Bar in der Innenstadt führt, rechnet fest damit, das Raucher-Gäste wegbleiben. Deshalb möchte er aus der Bar einen geschlossenen Club machen, wenn der Umsatz einbricht. „Für Mitglieder, die dann dort rauchen können.“ Einen regelmäßigen, gastronomischen Service darf er dann laut Gesetz jedoch nicht mehr anbieten. Alexandra Lindinger


Werner Schwab, Heilbronn
12.08.2007 um 17:04
Betreff: Kommentar zum Artikel
Wenn man das Thema verfolgt und die Kommentare des "PRO und KONTRA" aufmerksam liest, wird deutlich: es geht nicht um "Nichtraucherschutz", sondern es herrscht "Krieg"."Fundamentalistische Nichtraucher" wünschen den Rauchern, dass sie doch endlich verrecken sollen Haßtriaden in jeder Form sind zu lesen, bis zum "R" auf der Stirn.
Grauenhaft, das kommt mir irgendwie bekannt vor
Ich werde sofort anfangen zu rauchen