Gastkolumne
Auf ins Ausland!
Von Gerhard Mitrovits
Gerade wenn rein deutsche Gesellschaften von internationalen Companies übernommen werden, fällt auf, wie gering das Gleichgewicht zwischen ausschließlich in Deutschland trainierten GMs und solchen mit internationaler Erfahrung ist. Oft liegt der Grund in einer kurzsichtigen Kosteneinsparung der Besitzer, die für einen international aufgestellten Manager mehr zahlen mssten.
Dass ein solcher Kollege sich in Asien oder den USA besonders gut auskennt und jedem international unerfahrenen GM jedes Geschäft wegschnappt, ist klar. Doch noch deutlicher zeigt sich die sprachliche Überlegenheit. Nämlich dann, wenn Firmen das erste Mal global agieren wollen und die Rede im Gastland deutsch-lish geschrieben wird – also Wort für Wort ins Englische übersetzt. Länder wie die USA glauben nicht, dass dieser GM ein Meeting abwickeln kann. Da spielt die Qualität des Hotels eine untergeordnete Rolle.
Wenn im Marketing von RFPs (Vertical Marketing) gesprochen wird, oder PCOs im MICE market, versteht man das noch. Aber der arabische VIP will seine Badezimmerfacilities umgebaut, seine Gebetsrichtung und authentical food haben. Sonst bringt er alles mit – was Umsatzverluste bedeutet. Japanische Kunden erwarten einen japanischen Sales Manager, weil der untrainierte Hotelier ihre Sitten und Gebräuche nicht kennt.
Noch wichtiger aber sind Verhandlungskriterien und Führungsstil. Wenn man in Deutschland einen Nachlass verlangt, ist der Verkäufer erzürnt, der GM beleidigt. Wenn man dagegen in China, Indien oder Middle East keinen verlangt, zahlt man womöglich 40 bis 100 Prozent zu viel. Führt man in Asien Mitarbeiter mit weicher Hand, scheitert man.
Also auf ins Ausland. Wer es nicht macht, findet bald keinen Job mehr im global umkämpften Markt der Hospitality Industry. Ich denke zudem, dass man in dieser sich schnell verändernden Welt alle zehn Jahre einen Schritt in einen anderen Markt wagen sollte. Die Familie dankt es, denn die Erfahrung mit anderen Menschen lässt die Kinder echte Weltbürger ohne Voreingenommenheit werden. Und das Gehalt für europäische Expertise stimmt meistens auch.

