Diese Woche
Auszeit für El Bulli
Ferran Adrià will zwei Jahre lang an neuen Gerichten tüfteln
von Wolf Günthner
ROSES. Das weltbekannte Restaurant El Bulli von Starkoch Ferran Adriá an der spanischen Costa Brava wird von 2012 an für zwei Jahre schließen. Dies kündigte der Spanier jetzt auf der Kochmesse Madrid Fusión in Madrid an. Er wolle die Auszeit von seiner Molekularküche nutzen, um an neuen Kreationen zu arbeiten; deshalb wolle er auch einige Zeit in China verbringen. Adriàs Meinung zufolge wird die nächste Kochrevolution aus Asien kommen.
„Ich arbeite täglich 15 Stunden, an 333 Tagen im Jahr. Und das seit 25 Jahren“, begründete der 47-jährige Katalane seinen Entschluss. Es sei schwierig, 15 Stunden am Tag in der Küche zu arbeiten, sagte Adria. Doch einen Rückzug bedeute dies nicht, er habe schließlich noch „viele kreative Jahre“ vor sich und wolle der internationalen Kochkunst „noch einiges geben“. So werde er auch von 2014 an wieder im El Bulli die Gäste bewirten. Das sei er auch seinem großartigen Team von 45 Köchen schuldig – nach welchem Stil und welcher Art sei aber noch völlig offen.
Der 3-Sterne-Koch, den viele für den besten Küchenchef der Welt halten, hält auch eine Verringerung der Plätze in seinem Restaurant bei Roses für wahrscheinlich. Dabei hat das
1962 vom deutschen Arzt Hans Schilling und seiner Frau Marketta gegründete Strandlokal ohnehin nur knapp 50 Plätze und ist in diesem Jahr nur vom 15. Juni bis 20. Dezember vorwiegend abends geöffnet.
Der Witzigmann-Preisträger Adrià gilt als Erfinder der molekularen Kochkunst. Sein Arbeitsbereich gleicht eher einem Labor als einer handwerklichen Küche. In den Zeiten, in denen das El Bulli geschlossen hat, experimentiert der Spanier in seinem Küchenlabor „El Bulli Taller“ in Barcelona.
Nach Adriàs Angaben bekommt sein El Bulli mehr als eine Million Tischanfragen im Jahr. Doch nicht einmal 10.000 Gourmets bekommen einen Tisch beim Createur von Espuma, Mousse, Gefrorenem, Kunstnebel und Gerichten im Reagenzglas. Das Menü mit 32 Gängen kostet 230 Euro, ohne Getränke. Trotzdem schreibt Adrià immer noch rote Zahlen: 300.000 Euro Verlust seien es 2008 gewesen.
