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Müssen aufhören: (von links) Hotelier Siegfried Wichmann, Ehefrau Hedwig und Sohn Stephan.

© Helge Buttkereit

schliessung

Baden-Württemberg Nach 17 Jahren ist Schluss

Siegfried Wichmann ist gezwungen, sein Hotel in Stuttgart zum Jahresende zu schließen. Der neue Eigentümer vermietet lieber an die Caritas. 24 langjährige Mitarbeiter werden deshalb entlassen.

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2015/42 vom 17. Oktober 2015
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Stuttgart. Im Dezember nimmt eine Erfolgsgeschichte eine jähes Ende. Das 4-Sterne-Hotel Feuerbach im Biberturm muss schließen. Seit 17 Jahren führt Siegfried Wichmann es mit seiner Frau Hedwig und seit einigen Jahren auch mit seinem Sohn Stephan. Ab Mitte Dezember werden die geräumigen Zimmer mit den kleinen Kochgelegenheiten nicht mehr vermietet, die gerade bei ausländischen Mitarbeitern der umliegenden Firmen sehr beliebt sind. Die Caritas Stuttgart übernimmt den Biberturm, der von der VBL an die Immobilienfirma Gewa real Estate verkauft wurde.

Hotelier Siegfried Wichmann, selbst Christ, sagt zur AHGZ: „Das zieht einem den Boden unter den Füßen weg.“ Dass ausgerechnet die Caritas für das Ende eines Hotels sorgt, kann er nicht verstehen. Nun muss Wichmann 24 Fachkräfte entlassen, unter ihnen Hotelbetriebswirte, Hotelfachleute, Buffetkräfte sowie Mitarbeiter des Housekeepings, die teilweise seit 17 Jahren im Biberturm arbeiten.

Entscheidung des Eigentümers

Die Caritas will künftig in dem Haus Menschen unterbringen, die auf dem freien Wohnungsmarkt wenig Chancen haben, vor allem ehemals Wohnungslose und Flüchtlinge. Wichmann kann nicht verstehen, dass die Caritas mehr Miete bezahlen kann als er mit seinem mittelständischen Hotelbetrieb, zu dem noch zwei weitere Hotels in Stuttgart-Stammheim und Stuttgart-Zuffenhausen sowie ein Restaurant gehören. Der Caritasverband fühlt sich laut seinem Sprecher Friedemann Müns-Österle zwischen den Fronten von Eigentümer und Vormieter nicht wohl. „Wir weisen aber darauf hin, dass es die Entscheidung der Gewa war, die Geschäftsbeziehung mit dem Vormieter zu beenden“, so der Sprecher. Wichmann erfuhr erst im September, dass die Caritas das Haus übernimmt, gekündigt wurde ihm Mitte Juli.

Ähnlicher Fall in der Region

Mark Warbanoff von der Gewa weist darauf hin, dass „das Mietende sehr lange bekannt war und die Nichtvermietung an den bisherigen Hotelbetreiber nicht mit Caritas in Verbindung zu bringen ist, sondern im ursprünglichen Mietverhältnis mit dem Voreigentümer begründet ist“. Dem widerspricht Noch-Pächter Wichmann. Zum einen sei ihm bereits 2012 von Vorbesitzer VBL in einem Gespräch ein Vorkaufsrecht angekündigt worden. Zudem enthielt der Vertrag eine Klausel über eine automatische Verlängerung.

Die VBL wiederum teilt auf AHGZ-Nachfrage mit, dass sie dem Pächter weder ein Vorkaufsrecht eingeräumt noch dieses in Aussicht gestellt habe. „Wir haben ihn über den anstehenden Verkauf der Immobilie lediglich informiert, um ihm Gelegenheit zu geben, ein Angebot abzugeben, was er nicht getan hat“, sagt VBL-Sprecherin Andrea Reschka.

Wichmann entgegnet, dass die Frist zunächst 14 Tage, dann einen Monat betragen habe. „In vier Wochen kann ich keine Bewertung vornehmen lassen und mit Banken verhandeln“, so Wichmann. Wie es jetzt weitergeht, weiß er nicht. Er sucht nach einem neuen Objekt in der Umgebung. Schließlich sei er, anders als die Caritas, wegen seiner Gäste auf den Standort angewiesen.

Auch in Herbrechtingen im Kreis Heidenheim wird aus dem langjährigen Brenz Hotel eine Flüchtlingsunterkunft und auch das Steakhaus muss schließen. Die Betreiber Simone und Antonio Rueda haben mittlerweile einen neuen Standort für ihre Gastronomie gefunden, der allerdings mit einem Umzug verbunden ist. Das Hotel wollen sie nach der Schließung Mitte November komplett räumen.

Die Liegenschaft, in der sich das Haus befindet, wurde vor gut einem Jahr von Ömer Bulut und seiner Immobiliengesellschaft aus Esslingen gekauft. Schon kurz darauf gab es Diskussionen um die Nutzung von zunächst Teilen des Gebäudes als Flüchtlingsheim. Bulut sagt, dass er der Familie Rueda als Pächter einen Mietvertrag mit ortsüblichen Konditionen angeboten habe, während sie derzeit nur 900 Euro brutto für insgesamt 768 Quadratmeter verteilt auf zwei Gasträume und 22 Hotelzimmer bezahlten.

„Die Ruedas leben seit Jahren auf KostenDer in Geldeinheiten bewertete Verbrauch von Produktionsfaktoren und Dienstleistungen, der zur Erstellung und zum Absatz der betrieblichen Leistung erforderlich ist.
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des Vermieters“, sagt er.

Simone Rueda, die meint, dass die Höhe des bisherigen Pachtvertrags niemanden etwas angeht, entgegnet: „Ich halte meinen Vertrag ein, zahle meine Miete und meine Pacht“, sagt sie. Sie habe sich in 15 Jahren nichts zuschulden kommen lassen. Helge Buttkereit


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