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Finanzierung

Gastronomie

Banken lassen die Branche hängen

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2010/10 vom 6. März 2010
von Susanne Stauß

STUTTGART. Die Zahl der Betriebsauflösungen im Gastgewerbe nimmt weiter zu. Der Bundesanzeiger zeigt einen Fall nach dem anderen an. Längst nicht alle haben wirtschaftlichen Misserfolg zur Ursache, sie wurden vielmehr Opfer der , unter der das Gastgewerbe in Krisenjahren mehr denn je zu leiden hat.

Beispiel Monika Heinsch (51), bis Ende des Jahres Inhaberin der Gaststätte Keltengrill in Glauburg. Zum 1. Januar 2010 hat sie ihren Betrieb nach einer mehrmonatigen Odyssee um eine Kreditbewilligung geschlossen. Heinsch ist sicher: Das beantragte Existenzgründungsdarlehen in Höhe von 30.000 Euro, das für Renovierungsmaßnahmen, Marketing und neue Küchengeräte eingeplant war, hätte ihrem Betrieb zu einer dauerhaft wirtschaftlich gesunden Entwicklung verholfen. Stattdessen sind die gelernte Einzelhandelskauffrau und ihr Ehemann jetzt arbeitslos.

Im Vorfeld des Kreditantrags ließ sich Heinsch von einem erfahrenen Consulting-Unternehmen beraten, wandte sich an die RKW Hessen, stellte Kalkulation und Budget sowie ein schlüssiges Konzept auf und reichte ihre Unterlagen schließlich bei der Sparkasse Oberhessen-Nidda ein. Von dort wurden sie nie an die KfW-Bank weitergeleitet, obwohl dies Heinsch telefonisch zugesagt worden war. Schließlich bat sie ihren RKW-Berater um Hilfe. Ihm teilte die Sparkasse dann mit, dass sie die Unternehmung nicht unterstütze. „Unser Geschäft ist 2009 eingebrochen“, gibt Heinsch unumwunden zu. Doch der Kreditantrag war in Zeiten gestellt worden, als die Zahlen noch gut waren. Mit dem neuen Konzept, so Heinsch, hätte sie ihre Gaststätte behalten können, zumal die Region durch die geplante Eröffnung des neuen Keltenmuseums im Oktober 2010 an Attraktivität für Ausflügler gewinnen werde. Heinsch ist beileibe kein Einzelfall. Julius Wagner, Hauptgeschäftsführer des DEHOGA Hessen, bestätigt diesen Eindruck. „Mir sind einige Beispiele bekannt, bei denen der Gastronom nach meiner Einschätzung alles richtig gemacht hat und ihm dennoch von seiner Bank keine Kreditwürdigkeit attestiert wurde.“

Bei der KfW-Bank hingegen stehen Mittel bereit, die gar nicht abgerufen werden. „Unserer Einschätzung nach sind die Hilfen aus den Konjunkturprogrammen der Bundesregierung noch nicht bei den Unternehmen angekommen. Eine Ursache dafür ist die Unwissenheit der über die verschiedenen Förderprogramme“, sagt Stefanie Heckel vom DEHOGA Bundesverband. Auf die Hotellerie wirke sich jedoch inzwischen die Mehrwertsteuersenkung hinsichtlich der Kreditvergabe positiv aus.

Ulrich Linser, Gastgewerbe-Berater aus Wiesbaden, hat die Erfahrung gemacht, dass Existenzgründer noch mehr als laufende Betriebe von einer Verschlechterung der Kreditsituation betroffen sind. „In mindestens 50 Prozent der mir bekannten Fälle wurde die mit nichtssagenden Begründungen abgelehnt“, erläutert er. „Bei Erweiterungs- oder Modernisierungsfinanzierungen mussten Hoteliers und Gastronomen häufig kleinere Abstriche oder schlechtere Konditionen hinnehmen.“

Helmut Binz vom Hotel Mack aus Mannheim kann ein Lied davon singen. Seine Hausbank, die Dresdner Bank, teilte ihm nicht nur mit, dass Kredite für Hotels und Gaststätten künftig kein strategisches Feld mehr seien und Verlängerungen von Krediten daher nicht mehr gewährt würden. Sie kündigte auch sein Renovierungsdarlehen. Inzwischen konnte er es bei einer anderen Bank verlängern.

Jens Bomke vom Hotel Bomke in Wadersloh hatte Glück im Unglück. Er musste im Mai nach einer Kreditklemme mit seinem Betrieb Insolvenz anmelden. Nach einer Umstrukturierung des F&B-Bereichs und dem erneuten Anschluss an die Kooperation Ringhotels konnte Bomke den Betrieb halten.

Etwas Gutes für die Mittelstandshotellerie hat die Kreditklemme aber doch: Viele Projekte internationaler Ketten liegen mangels Eigenkapital der Investoren auf Eis. Die Konkurrenz lässt so noch auf sich warten.

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Leser-Kommentare zum Artikel (1)

Erhard Stammberger FCSI, Oldenburg
Erhard Stammberger FCSI, Oldenburg

06.03.2010 um 11:58

Betreff: Banken mauern?

Gleichzeitig mit der AHGZ vom 6.3.2010 erhielt ich die von AHGZ und Internorga in Auftrag gegebene Studie "Hotelinvest 2010". Danach (Seite 26) sind nur 1,4 % der befragten Hoteliers der Meinung, dass die Banken der Branche gegenüber skeptisch seien. Und etwa gleich viele Hoteliers berichteten von leichteren Kreditvergaben wie und erschwertem Zugang zu Kreditmitteln. Ich meine: Nachvollziehbare Zahlen (selten genug vorhanden), gute und marktfähige Konzepte und kaufmännische Basics ebnen nach wie vor den Zugang zu Kreditmitteln. Allerdings muss man bei der Auswahl des Finanzierungspartners häufig flexibler sein, weil manches Kreditinstitut vor allem in Tourismusgebieten auf Grund der seit einigen Jahren geltenden Regelungen zur Streuung der Kreditrisiken (MA Risk) keine Hotels mehr beleihen darf. Diesen wichtigen Aspekt klammert der Artikel leider völlig aus. Zu pauschalem Bankenbashing besteht jedoch kein Anlass.

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