Editorial
Berlin braucht die Hotellerie
Von Hendrik Markgraf, Chefredakteur
Berlin ist ein großer Salon. Wer auf sich hält, feiert, tagt oder repräsentiert in der Hauptstadt. Das zieht sich quer durch alle Branchen, sei’s nun die Welt der Kultur, der Werbung oder die der Hotellerie und Gastronomie.
Man umgibt sich gern mit dem Weltstadt-Flair der Metropole, doch für ihr wirtschaftliches Wohlergehen engagiert man sich kaum. Das Geld wird an anderen Standorten verdient. Anders das Gastgewerbe: Hotellerie und Gastronomie als eine tragende Säule des Tourismus bringen dem ansonsten armen Berlin etwas ein: Steuereinnahmen, Gäste aus aller Welt.
Insofern wundert es nicht, dass Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit dem DEHOGA jüngst wieder seine Aufwartung machte: beim großen Branchentag im Maritim-Hotel (Seiten 3, 6). Nicht nur er weiß um die Wirtschaftskraft der Branche. Das zeigten auch die Auftritte von Wirtschaftsminister Michael Glos sowie der Oppositionsführer Guido Westerwelle (FDP) und Fritz Kuhn (Bündnis 90/Die Grünen): Sie verließen eigens die aktuelle Haushaltsdebatte im Bundestag, um vor den rund tausend Hoteliers und Gastronomen zu sprechen.
Vor allem Glos sparte nicht mit anerkennenden Worten: Das Gastgewerbe stehe für die Bedeutung des gesamten mittelständischen Unternehmertums; anders als die großen Konzerne, baue es nämlich im Lande nicht Arbeitsplätze ab, sondern auf. Doch gerade darin sähen sich Hotellerie und Gastronomie behindert, kritisierte DEHOGA-Präsident Ernst Fischer die Politik der Großen Koalition. Hie und da versprach der Wirtschaftsminister Besserung. Der DEHOGA wird der Politik weiterhin Dampf machen.
Übrigens erwies der Berliner Bürgermeister schon am Vorabend des Branchentages der Hotellerie die Ehre – bei der Eröffnung des exlusiven Hotel de Rome. Tout Berlin kam und feierte bis in die Nacht. Tags darauf ging’s weiter im Maritim. Berlin: Ein großer Salon.

