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Mehrwertsteuer

Editorial

Bloß keine Neiddiskussion

Von Hendrik Markgraf, Chefredakteur

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2009/47 vom 21. November 2009

Die Tourismusbranche wird ernst genommen. Das hat sie nun sogar schwarz auf weiß. Denn im Koalitionsvertrag ist ein eigener Passus dem Tourismus gewidmet, freute sich jüngst in Berlin Klaus Laepple, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW).

Vor allem zwei Passagen aus dem Papier sprechen dem BTW-Präsidenten aus dem Herzen: „Uns geht es darum, Mobilität zu erzeugen und nicht zu behindern. Wir werden den Tourismusstandort Deutschland stärken und zusätzliche Wachstumspotenziale der Tourismuswirtschaft als Jobmotor der Zukunft freisetzen.“

Einer der ersten Schritte in diese Richtung ist die Entscheidung, die für Übernachtungen in Hotels und Gasthöfen zu senken. Nun hat gerade diese Entlastung auch Kritik provoziert und nachgerade eine Neiddiskussion herbeigeführt.

So als würden die Hoteliers demnächst durch Tricksereien noch mehr herausschlagen, in Saus und Braus leben und nichts Dringenderes zu tun haben, als sich von dem Geld einen Ferrari zuzulegen. Eine absurde Vorstellung, die an der Realität des Hotelmarkts vorbeigeht.

Denn der ist kleinbetrieblich und mittelständisch strukturiert. Fast ein Drittel der Beherbergungsbetriebe setzt weniger als 100.000 Euro im Jahr um. Fast 60 Prozent weniger als 200.000. Ab 500.000 Euro Umsatz wird es dann dünn. Und gerade mal 7 Prozent der Betriebe erwirtschaften mehr als eine Million Euro.

Entsprechend dürftig sind auch die Erträge. Immer mehr Gasthöfe machen dicht. Der deutschen Gasthof-Kultur droht der Tod. Mittelständische Familienbetriebe kämpfen um ihr Überleben. Selbst erste Adressen kommen in Nöte. Die reduzierte Mehrwertsteuer entlastet sie, sichert Arbeitsplätze, schafft kleine Spielräume für Preisnachlässe und für Investitionen, die wettbewerbsfähig machen. (Seite 9)

All dies stärkt den Tourismusstandort Deutschland. Der hinkt nun nicht mehr hinter 22 EU-Mitgliedstaaten her, die allesamt längst den ermäßigten Mehrwertsteuersatz haben. Da ist es politisch nur konsequent, ihn auch für die Gastronomie zu fordern. (Seite 2)

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