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Bustouristik unter Druck

Gastgewerbe leidet unter schwachem Osterausflugsverkehr / Branche setzt dennoch auf Deutschland als Urlaubsziel

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2008/12 vom 22. März 2008

BERLIN. Der Kurztrip per Bus wird immer weniger nachgefragt. Das bekommen nun auch Hoteliers und Gastronomen in Deutschland zu spüren. Profitierten sie in früheren Jahren vor allem an Feiertagen von Busausflüglern, sehen ihre Prognosen für das Osterfest düster aus. „Die Gruppen-Osterreise erlebt in diesem Jahr in vielen Destinationen einen Einbruch“, so Ralf Hummel, Marketingleiter der Akzent-Hotels aus Goslar. Aber nicht nur zu Ostern, auch sonst seien viele Busse inzwischen nur noch halbvoll.

Laut Konjunkturumfrage des Bundesverbandes Deutscher Omnibusunternehmen aus Berlin kämpfen viele Betriebe ums Überleben. Fast 50 Prozent blicken pessimistisch in die Zukunft. Beinahe jedes zweite Busunternehmen verzeichnete 2007 einen Gewinnrückgang. Besonders negative Tendenzen zeichnen sich aufgrund günstiger Flugpreise im Fernverkehr ab. Aber auch der Ausflugsverkehr ist trotz insgesamt stabiler Reisezahlen innerhalb Deutschlands rückläufig.

Darauf reagiert das Gastgewerbe mit unterschiedlichen Maßnahmen. So kompensierte das Akzent Hotel Frankenbrunnen in Walldürn im Odenwald die negative Entwicklung im Busreiseverkehr im vergangenen Jahr durch eine Steigerung im Geschäftsreisemarkt. Dennoch generiert das Hotel rund 65 Prozent seines Umsatzes durch Busgruppen.

Marena Holzhäuser, Inhaberin vom Landgasthof bei Kleins in Löhnberg, erweiterte ihren Betrieb vor einigen Jahren. Ziel war es, ihn interessanter für Vereins- und Betriebsausflüge zu machen. Der erhoffte Ansturm allerdings blieb aus. „Wenn ich sehe, wie massiv alle Kollegen um Ostergäste buhlen, dann weiß ich, dass es ihnen nicht besser geht“, so Holzhäuser. Sie hofft jetzt auf die Fußball-Europameisterschaft, die sie mit Food-Aktionen zu den Spielen begleiten will.

Auch Adam Pokorny vom Restaurant Wiesbach-Stube in Nehren wünscht sich mehr Busse und macht einen Schuldigen für den rückläufigen Ausflugsverkehr aus: Kaffeefahrten, bei deren Verkaufsveranstaltung „arme Reisende übers Ohr gehauen werden“. „Das schadet dem Image der Busbranche und kostet sie Kunden.“

Bei den Ramada Hotels in Deutschland kommt man Busreiseveranstaltern entgegen, sieht jedoch ihr Verhalten auch kritisch. „Die aktuelle Zielgruppe ist internetaffiner als die Vorgänger-Generation. Vielen Anbietern fehlen noch die technischen Voraussetzungen, um beispielsweise einen festen Sitzplatz zu garantieren oder online eine Buchungsbestätigung zu übermitteln“, so Sprecher Rolf Nieländer. Ramada hat außer einem Gruppenreise-Katalog und einer Gruppen-Nettopreisliste unter www.ramada.de/tourstravel ein Webportal für die Zielgruppe eingerichtet. Um Veranstalter zu unterstützen wurden die Stornofristen bei Gruppenreisen verkürzt. In Einzelfällen wird die Mindestteilnehmerzahl auf unter 20 reduziert, ohne dass der Gruppentarif gefährdet ist. Auch Akzent hat für Organisatoren von Gruppenreisen eine Datenbank im Internet mit Informationen für die Planung und Durchführung der Reise wie Details der Hotels.

Die Neue Dorint AG glaubt ebenfalls an die Zukunft von Busreisen und legt zur Saison 2008/09 einen neuen Katalog für die Zielgruppe auf. Offenbar mit Aussicht auf Erfolg. Denn laut Internationalem Bustouristik Verband (RDA) in Köln macht die Bustouristik nach wie vor 9,3 Prozent des Gesamtreisemarktes aus. Der RDA blickt deshalb optimistisch in die Zukunft: Busreisen seien umweltfreundlich, außerdem würden bereits heute 25 Prozent aller Kulturreisen und 35,9 Prozent aller Studienreisen per Bus veranstaltet. RDA-Präsident Richard Eberhardt: „Innovative und individuelle Angebote kommen an. Darüber hinaus zeigt sich, dass es keine Branchenkonjunktur mehr gibt, sondern nur noch eine Unternehmenskonjunktur. Das heißt im Klartext, einigen Unternehmen geht es gut, während andere Rückgänge verzeichnen.“

Insgesamt kann die Branche auf den Inlandstourismus setzen. Denn die Zahl der Reisen in Deutschland nimmt eher noch zu. Susanne Stauß

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