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Charme-Offensive frei Haus
Russisch, Arabisch, Chinesisch: In Hotels und Restaurants werden nicht alltägliche Fremdsprachen immer wichtiger
STUTTGART. Anruf beim Bad Hotel zum Hirsch in Baden-Baden: Eine freundliche Frauenstimme meldet sich und fragt mit einem kaum hörbaren slawischen Akzent in fehlerfreiem Deutsch nach dem Anliegen. Es ist die Stimme der russischstämmigen Anna Born, die an der Rezeption des Hotels tätig ist, das zu der russischen Hotelkette Heliopark gehört.
Für den stellvertretenden Hoteldirektor Dieter Reuss war es kein Problem, Mitarbeiter wie sie mit den gewünschten Sprachkenntnissen zu finden – in der größten russischen Enklave außerhalb Russlands gibt es viele deutschstämmige Russen und Spätaussiedler, die infrage kommen. Der Einsatz von Russisch sprechendem Personal ist angesichts der Gästestruktur des Hotels eine Notwendigkeit und vom Headoffice in Moskau explizit gewünscht.
Russisch auf der Zugspitze
Nicht ganz so leicht ist es andernorts für Hotels und Restaurants, Mitarbeiter mit speziellen Sprachkenntnissen zu finden. Pech hatte man zum Beispiel bei der Bayerischen Zugspitzbahn in Garmisch-Partenkirchen. Die hätte von Ende Dezember bis Mitte März händeringend Russisch sprechendes Personal für die Gastronomiebetriebe auf der Zugspitze und das Café Kandahar gebraucht. Doch man hatte sich zu spät auf die Suche gemacht, und niemand meldete sich.
Etwas leichter hat es der Reindl’s Partenkirchener Hof in Garmisch-Partenkirchen. Rund 1500 Room- nights, die auf das Konto von Gästen aus Russland gehen, hat das 5-Sterne-Hotel im vergangenen Jahr verzeichnet – mit steigender Tendenz. Für Direktor Michael Holzinger, der seit 1998 im Rahmen einer Kooperation mit einem Berliner Agenten gezielt den russischen Markt anspricht, kommen die Russen nach Deutschen, Amerikanern und Briten mittlerweile an vierter Stelle. Für den Hotelier hat es sich daher als Glücksfall herausgestellt, dass sich seine heutige Chefbuchhalterin und deutschstämmige Russin Tanja Pfeifer für eine Lehre zur Hotelkauffrau bei ihm beworben hatte. Sie unterstützt ihn bei Bedarf an der Rezeption im Umgang mit den russischen Gästen.
So wie Dieter Reuss und Michael Holzinger greifen viele Hoteliers im Hinblick auf die neuen Tourismusmärkte bevorzugt auf Muttersprachler zurück, die die gewünschten Sprachkenntnisse – meist Russisch oder Arabisch – mitbringen. Hotelangestellte auf Sprachkurse zu schicken, lohnt sich kaum, zumal es wenig praxisnahe Angebote gibt. Volkshochschulkurse und vereinzelte Angebote der IHKs in Russisch, Arabisch oder Chinesisch unterstützen Teilnehmer bei dem Aufbau eines Grundwortschatzes und bereiten auf Alltagssituationen vor, werden jedoch kaum von Touristikern besucht. Die Hoteliers, so scheint es, behelfen sich lieber mit ihren vorhandenen Personalressourcen. Vor allem die Hotels größerer Ketten können besonders flexibel auf den spezifischen Bedarf zu Spitzenzeiten reagieren: Im Hotel Westin Grand München Arabellapark gehört Sherif Asad in den Sommermonaten zu den gefragtesten Kräften. Der gebürtige Ägypter ist Mitarbeiter im Room Service und spricht fließend Arabisch. In der Küche arbeiten ein Libanese und eine Tunesierin, die zudem für die arabische Speisekarte verantwortlich sind.
Im Hilton Munich Park teht ein Guest Relations Manager zur Verfügung, der neben Hocharabisch auch verschiedene Dialekte spricht. Auf einer hausinternen Liste sind dort außerdem die Sprachkenntnisse aller Mitarbeiter aufgeführt, sodass dort bei Bedarf meist jemand die Rolle eines Übersetzers übernehmen kann.
Wertschätzung steigt
Ob durch Improvisation oder gezieltes Recruiting – die Hoteliers haben ihre eigenen Strategien entwickelt, um ihren Bedarf an besonderen Sprachkenntnissen zu decken. Für den Baden-Badener Hotelier Reuss, der sich von seinen Mitarbeitern einige Brocken Russisch hat beibringen lassen, gehört das zu seinem Selbstverständnis als Gastgeber: „Wenn ich mich mit meinem Gast in seiner Landessprache unterhalten kann, bringe ich ihm auch meine Wertschätzung entgegen.“ Nathalie Kopsa

