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„Unter den Vertriebspartnern gibt es viele, die nur auf eine schnelle Mark aus sind“ Hans Jürgen Rüffert, Revway

Thema der Woche

Das Internet ist auf dem Vormarsch

Hotelzimmer werden immer häufiger online verkauft / Chancen, aber auch Risiken für den Hotelier / Auswahl der Vertriebspartner entscheidend

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2006/24 vom 17. Juni 2006

Die Buchung per Brief gibt es heute kaum noch: Gerade 2,1 Prozent aller Zimmerreservierungen flatterten den Hotels im vergangenen Jahr auf diese Weise ins Haus, das ergab eine Umfrage unter den Mitgliedern des Hotelverbands Deutschland IHA (siehe Tabelle). Mehr noch: Hält die Entwicklung an, die Vertriebsspezialisten seit Jahren beobachten, sind auch Telefon und Fax bald Schnee von gestern. Die elektronischen Buchungswege sind auf dem Vormarsch.

In den Stadthotels, insbesondere in denen, die einer Kette angehören, dürfte der Anteil der Internetbuchungen heute bereits bei 40 Prozent liegen, meint Hotelberater Hans Jürgen Rüffert, Inhaber der Dinslakener Agentur Revway.

Diesem Trend, so scheint es, kann sich kein Hotelier auf Dauer entziehen: Wer im Wettbewerb bestehen will, muss über die Möglichkeit einer schlichten Reservierungsanfrage hinaus auch einen Verfügbarkeits-Check und eine Buchungsmöglichkeit in Echtzeit anbieten. Technische Lösungen gibt es viele: Angefangen bei der eigenen, mit einer Buchungsmaschine ausgerüsteten Hotelhomepage, über webbasierte Buchungsplattformen bis hin zum Vertragsabschluss mit einem Vertriebspartner. Von denen gibt es nach Angaben der Frankfurter Vertriebsspezialistin Bianca Spalteholz in Deutschland mittlerweile mehr als 50.

Keine einfache Aufgabe für den Hotelier, aus der mittlerweile unüberschaubaren Flut von Vertriebspartnern den Besten für das eigene Haus herauszufischen. Doch das ist ausschlaggebend für den Erfolg im World Wide Web. Es gilt, Konditionen und Geschäftsmodelle genau zu prüfen. Aus der Praxis kennt Berater Rüffert Fälle, in denen gerade kleine und mittelständische Hotels dieser Herausforderung kaum gewachsen sind. „Es gibt unter der Vielzahl von Vertriebspartnern jede Menge Hinterhof-Firmen, die nur darauf aus sind, eine schnelle Mark zu machen.“ Oft versprächen diese das Blaue vom Himmel, weiß Rüffert. „Irgendwann sitzt der unschlüssige Hotelier dann mit 10 oder 20 Einzelverträgen da, aber noch immer ohne Buchungen.“

Auch Gabriele Schulze, Geschäftsführerin von Best Western Deutschland, warnt vor solch unseriösen Vertriebspartnern (AHGZ vom 8. April). „Nur wer die Geschäftsmodelle kennt, kann sich vor schwarzen Schafen schützen“, so Schulze. Sie fordert die Hoteliers deswegen eindrücklich auf, nicht akzeptablen Provisionsmodellen eine Absage zu erteilen. Schulze: „Ein Hotel muss nicht auf allen Vertriebsplattformen präsent sein.“

An einem Internetportal kommt heute dennoch kaum ein Hotelier vorbei: Der HRS Hotel Reservation Service, der 1972 in einem umgebauten Gemüseladen in Köln an den Start ging, listet heute mehr als 180.000 Hotels weltweit. Zumeist zu unschlagbar niedrigen Preisen, von denen die Kölner auch noch 10 Prozent als Provisionsgebühr einbehalten. HRS-Chef Robert Ragge hat sich mit diesem Geschäftsmodell freilich nicht nur Freunde gemacht. „Wir sehen einige HRS-Vertriebsmodelle, vor allem bei Firmenkunden, sehr kritisch“, erklärte denn auch Rob Hornman, damals noch in seiner Funktion als Geschäftsführer der Accor Dorint Smard GmbH, gegenüber dem Handelsblatt. Dennoch treffe man sich auf Augenhöhe. „Wir machen ein gutes Geschäft mit HRS, und Robert Ragge verdient seinen Euro mit Accor.“ Laut IHA-Umfrage gilt HRS derzeit als Marktführer unter den Hotelportalen mit einem Marktanteil von 53,9 Prozent (2003: 57,3 Prozent). Doch die Konkurrenz schläft nicht: Wettbewerber hotel.de konnte rasant zulegen. Im vergangenen Jahr lag der Buchungsanteil von hotel.de bereits bei 16,4 Prozent, nach 9,6 Prozent im Jahr 2003. Der Markt für Internetportale in Deutschland werde somit zunehmend von zwei Unternehmen dominiert, folgert der IHA. Der Verband will dem Wettbewerb deswegen seit dem Jahr 2004 mit einem eigenen Hotelportal (www.hotellerie.de ) auf die Sprünge helfen. Auffällig: Der Trend geht immer mehr zur Preisgestaltung unabhängig vom Vertriebsweg. Noch im Jahr 2003 gaben rund 70 Prozent der Hoteliers an, die unterschiedlichen Vertriebskanäle auch zur Preisdifferenzierung zu nutzen. Nur zwei Jahre später erklärten jedoch 83,5 Prozent der Befragten, dies nicht mehr zu tun.

Ohnehin ist bei dieser Art der Preisgestaltung kaum je logisches Muster erkennbar. So gaben im Rahmen der IHA-Umfrage 15,8 Prozent der Hoteliers an, „Walkins“ erhielten bei ihnen den günstigsten Zimmerpreis; bei 31,6 Prozent musste diese Klientel dagegen den höchsten Preis berappen.

Auch im Internet variieren die Preise eines Hotels häufig von Plattform zu Plattform. Der Hotelchef registriert dies oft nicht, denn allzu häufig entscheiden die Betreiber der Internetportale über die Höhe des Zimmerpreises. „Die Hoteliers geben so die Preisgestaltung und damit ihren Ertragshebel Nummer eins in die Hände Dritter“, beschreibt Gabriele Schulze die Gefahr (AHGZ vom 8. April). Auch der IHA warnt: Im Internet werden dem Gast die Folgen einer inkonsequenten Preispolitik in den einzelnen Distributionskanälen besonders krass vor Augen geführt. (Seiten 1,8) Karin Schröder

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