Diese Woche
Das Reisejahr wird spannend
Deutsche buchen ihren Urlaub kurzfristiger / Commerzbank sieht eine Erholung für 2010 / Deutschland bleibt Trendziel
STUTTGART. Neues Jahr, neues Glück? Für Deutschlands Reisebranche war 2009 kein einfaches Jahr. Da Geschäftsreisen hierzulande ein wichtiges Standbein im Tourismus sind, hatten unter den Folgen der Wirtschaftskrise vor allem Businesshotels zu leiden. Wacker geschlagen hat sich dagegen die Ferienhotellerie. Nun hofft die Branche auf 2010. Die Reiseforscher haben die Urlaubspläne der Deutschen bereits unter die Lupe genommen. Ganz einig sind sie sich in ihren Ergebnissen nicht, aber die guten Prognosen überwiegen.
So erwarten die Volkswirte der Commerzbank für das laufende Jahr steigende Urlaubsausgaben und -einnahmen. Davon wird ihrer Meinung nach gerade Deutschland als Reiseziel profitieren. Der Trend, dass die Deutschen die Ferien zunehmend im eigenen Land verbringen, werde sich fortsetzen. Preissicherheit, Planbarkeit und kurze Anreise treffen die Bedürfnis der Urlauber. Die Hotellerie muss sich im Gegenzug flexibel zeigen. Denn die Deutschen wollen immer spontaner verreisen – eine Herausforderung für die Branche.
Auch Martin Lohmann von der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) sieht Deutschlands Urlaubsorte weiter auf der Gewinnerseite. Die ersten Ergebnisse der jährlichen FUR-Reiseanalyse sprechen für eine stabile Urlaubsnachfrage. Dabei geht Lohmann davon aus, dass von der Wirtschaftskrise persönlich Betroffene zwar weniger reisen, aber andere dafür mehr Geld für Urlaub ausgeben. Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) verweist in ihrer aktuellen Untersuchung zwar auf eine niedrigere Zahl bereits geplanter Reisen. Allerdings sieht auch die GfK noch Aufholpotenzial im weiteren Jahresverlauf.
Das Krisenjahr 2009 hatte auch die Reisekonjunktur gebremst. Die Ausgaben der Deutschen für Ferien im Ausland fielen im Vergleich zum Vorjahr um 2,25 Prozent. Noch heftiger fiel das Minus bei den Einnahmen durch Auslandsgäste in Deutschland aus: Sie brachen um 9,5 Prozent ein – ein Verlust in solcher Höhe wurde zuvor noch nicht festgestellt. In ihrer bei der Reisemesse CMT in Stuttgart vorgestellten Studie nehmen die Volkswirte der Dresdner Bank, die mittlerweile von der Commerzbank übernommen wurde, jedes Jahr die Reiseausgaben unter die Lupe. Betrachtet werden dabe sowohl die Ausgaben deutscher Urlauber im Ausland als auch die Einnahmen durch ausländische Touristen in Deutschland.
Die Autoren führen den starken Verlust auf die große Bedeutung der Geschäftsreisen im deutschen Reisemarkt zurück. Gerade dieses SegmentNach dem Prozess der Aufteilung des relevanten Markts in Marktsegmente erhält man einzelne Segmente, die eine möglichst homogene Abnehmergruppe zusammenfassen.
weiter mit Mausklick... hatte im Zuge der Wirtschaftskrise starke Einbußen verzeichnet. Allerdings konnte ein Plus bei den deutschen Reisenden die Verluste aus Auslandsmärkten zum Teil wettmachen. Das trifft laut Studie vor allem auf die deutschen Feriengebiete an Küsten und Seen zu, die 2009 oft besser abschnitten als im Vorjahr.
Auch der Städtetourismus entwickelte sich von den Besucherzahlen her nicht schlecht. Dass dabei Freizeittouristen günstige Angebote nutzten, die durch die fehlende Nachfrage der Geschäftsreisenden begründet waren, drückte allerdings auf die Umsätze. Hier sehen die Volkswirte eine Gefahr für den Tourismusstandort Deutschland: Die niedrigen Margen in der Hotellerie könnten mittelfristig zu einem schädlichen Investitionsstau führen.(Seite 3)
