AUSZEICHNUNGEN Wenn Hoteliers und Gastronomen für ihren Ruhm bezahlen (müssen)
Der Preis ist heiß – und manchmal hoch
Preise und Auszeichnungen sind das Salz in der Suppe. Und ein Pfund, mit dem sich bestens wuchern lässt. Allein die gute Leistung reicht dabei oftmals nicht. Doch der Weg zum Preis ist kürzer als manche denken. Findige Veranstalter haben längst das richtige Konzept ersonnen.
Star unter den weltweiten Preisen ist wohl der „International Star Diamond Award“, den die 1989 gegründete New Yorker „The American Academy of Hospitality Sciences“ alljährlich vergibt. Ihr Präsident Joseph „Joe“ Cinque hätte den Award auch selbst verdient: Für erfolgreiche Geschäfte rund um den von ihm kreierten Award.
Die Kosten sind nicht ohne
Cinques Konzept basiert darauf, Luxushotels und Sterne-Restaurants, inzwischen auch Kreuzfahrtschiffe, Fluglinien und sogar Fleischproduzenten (Flavor-Beef) mit einem Star Diamond Award auszuzeichnen. Man kann sich selbst bewerben oder sich von einem anderen Preisträger oder „Trustee“ der Academy – zum Beispiel Heinz Winkler oder Karl-Heinz Hauser – vorschlagen lassen.
Ganz billig ist das Vergnügen indes nicht. Heinz Horrmann, Deutschland-Repräsentant der „Academy“, beziffert die „Fee“ auf eine Summe zwischen „12.000 und 25.000 Dollar“. Keineswegs für den Preis, sondern allein für dessen Vermarktung, erklärt Horrmann. Also für Mitarbeiter-Anstecknadeln, Plaketten sowie die weltweite Vermarktung per Katalog, Magazin und auf der Website der Academy.
„Es war uns lange nicht klar, dass dies ein bezahlter Preis ist“, erinnert sich ein Spitzenkoch. Er habe sich ob seiner Kür so geehrt gefühlt. Zu spät habe er realisiert, dass die diamantene Ehre mit erheblichen Kosten verbunden ist. Zudem musste er zähneknirschend ein zweites Jahr „mitmachen“, obwohl er vom Nutzen keineswegs überzeugt war. Der Diamond-Star – und damit auch der Beitrag – verlängert sich automatisch, wenn er nicht rechtzeitig gekündigt wird.
„Joe Cinque hat es über Jahre geschafft, mit den Eitelkeiten unserer Branche erfolgreich Geschäfte zu machen. Dazu kann man ihm nur gratulieren“, lobt ein bekannter Grandhotelier, der ungenannt bleiben will. Auch wenn mancher Hotelier den Preis „zumindest fragwürdig“ findet, ist das Ansehen in der Branche, bei Medien und Gästen recht hoch. In den USA hat der Diamond Award zudem einen guten Klang, was wohl an der Namensähnlichkeit mit dem AAA Five Diamond Award liegt, den die „American Automobile Association“ (AAA) vergibt. Eine von der Academy wohl nicht ganz unbeabsichtigte namentliche Nähe zum angesehenen Verband.
Der Marketingberater Hans-Jürgen Hautmann arbeitet mit seinem „Gastro-Star“ nach ähnlichem Konzept. Als Idee der Münchner Event-Agentur Kiwi geboren, wurde der Award 1999 erstmals vergeben. Das Konzept: Hoteliers oder Gastronomen beteiligen sich in einer oder mehreren Kategorien. Für die erste Kategorie zahlt man 300 Euro, für jede weitere 100 Euro. Dafür wird der Betrieb anonym getestet, im Internet und im Award-Magazin vorgestellt und zur Gala der Preisträger (Teilnahme rund 90 Euro pro Person) geladen. Bei rund 200 bis 300 teilnehmenden Gastronomen pro Bundesland und bis zu 30 Kategorien mit jeweils drei Gewinnern stehen die Chancen für einen Preis ziemlich gut.
Eine Frage der Ehre
Egal, ob amerikanischer Diamond Award oder hessischer Gastro-Star: Eine Gala mit Glamour gehört hier wie dort dazu. Das Ego der Teilnehmer muss gestreichelt werden. Während Cinque langbeinige US-Schönheitsköniginnen im Dutzend einfliegen lässt – zu seinen Galas im Adlon oder auf der Privatyacht „Christina O“ –, werden die hessischen Gastro-Awards bodenständiger vergeben. „Ein sehr schönes Fest“, erinnert sich Sabine Kogge an das Branchenevent in den Weyberhöfen, bei dem ihr Höerhof unter 75 teilnehmenden Restaurants den ersten Preis in der Kategorie „Beste Terrasse“ einheimsen konnte. Sie findet das Feedback durch die Testberichte „sehr gut“. Dies gebe einem die Möglichkeit zu Verbesserungen. Veranstalter Hautmann sieht die Aufgabe seiner Testerriege nicht darin, Restaurants „zu verreißen“, sondern „wohlwollend und aufmerksam das Positive herauszustellen und das Negative anzusprechen“.
Hotelchef Steffen Waitz freut sich über zwei erste Plätze und lobt „die gastronomisch überaus kompetente Jury“. Auch die Lokalpresse greift das Thema gern auf. Der Gastro-Star Hessen wird schnell zum „Qualitätswettbewerb der Hotellerie und Gastronomie“ und gar als eine „der höchsten Auszeichnungen der deutschen Gastronomie und Hotellerie“ bejubelt. Wie auch immer eine Auszeichnung zustande kommt: „Jeder Preis ist eine große Motivation für die Mitarbeiter“, bilanziert Sabine Kraiger von ArabellaSheraton. Die Mitarbeiter der Hotelgruppe trugen stolz die goldenen Diamond-Award-Pins am Revers. Als sie diese nach Auslaufen des Vertrags abnehmen mussten, „waren viele Mitarbeiter richtig enttäuscht“, erinnert sich Kraiger. (Seite 1)Barbara Goerlich
