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Aussichtsreich: Die Herrentoilette des Restaurants Felix im Peninsula Hotel in HongKong Foto: Hotel

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Design auf dem stillen Örtchen

Immer mehr Restaurants und Clubs setzen mit aufwändig gestalteten Toiletten auf Überraschungseffekte / Spielerischer Umgang mit gesellschaftlichen Tabus

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2007/2 vom 13. Januar 2007
von  

STUTTGART. Eigentlich ist die Toilette ein intimer Ort, an dem die meisten Menschen ihre Ruhe haben wollen. Eine schlichte, gern auch stilvolle Einrichtung, aber auf das Notwendigste beschränkt. Dies und absolute Sauberkeit sind völlig ausreichend, um die menschlichen Bedürfnisse zu befriedigen.

Längst aber beziehen trendorientierte Gastronomietempel die Toiletten in die Gesamtinszenierung mit ein. Sie beschäftigen sich zunehmend mit der Idee der Toiletten- und Waschräume als Kommunikationsort und Erlebnisraum. Dabei wird mit ungewöhnlichem Design ebenso gearbeitet wie an gesellschaftlichen Tabus gekratzt. So etwa im Amsterdamer Supper Club, wo die ganz in Schwarz gehaltenen „toilettes noires“ nicht mehr in „Damen“ und Herren“ unterteilt sind, sondern in „Homo“ und „Hetero“ und von den Geschlechtern gemeinsam benutzt werden.

Irritationen am Waschtisch

Manchmal sind es allerdings auch schlichte Notwendigkeiten, die derart unkonventionelle Lösungen schaffen. Wie im Design-Hotel Tres in Palma de Mallorca. „Die beschränkten Platzverhältnisse in dem Palazzo aus dem 16. Jahrhundert ließen einfach gar nichts anderes zu, als für den öffentlichen Bereich gemeinsame Toiletten zu schaffen“, erläutert Svenn Rudow, der schwedische General Manager. „Das führt schon mal zu Irritationen. Aber generell ist es kein Problem“, sagt Rudow.

Er kann mit dieser Lösung sehr gut leben. Verwechslungsgefahr besteht indessen bei den gleich gestyltenToiletten im „Pan Asia“ in Berlin. Einst zeigten asiatische Schriftzeichen auf dem Fußboden an, wo es für Männlein und Weiblein entlang geht. Aber die sind inzwischen von tausenden Toilettengängern abgetreten worden.

Also tritt der neue Gast auf Verdacht durch eine der beiden Türen. Die Vorräume der Damen- und Herrenklos sind identisch und nur durch eine große Glasscheibe voneinander getrennt, so dass man in den anderen Bereich sieht. Zumindest einen Effekt hat dieses Design: Die „stillen Örtchen“ im Pan Asia gelten als Attraktion, über die man spricht – ein angenehmer Werbeeffekt.

Ein zumindest für Damen witziges WC mit Durchblick befindet sich im Pacha Ischgl, einem der angesagtesten Clubs der Alpen. Die Damen- und Herrenbereiche sind zwar räumlich getrennt, dank einer cleveren Spiegelkonstruktion können die Damen den Männern aber beim Pinkeln vom Bauchnabel an aufwärts zuschauen. Das findet nicht jeder lustig. Es steigert aber den Unterhaltungs- und Tratschfaktor auf der Damenseite erheblich.

Das männliche Geschlecht findet dafür im trendigen Club Stern in Graz eine ungewöhnliche „Urinier-Location“ vor. Die erinnert stark an einen Operationssaal: mit Leuchten, an denen echte Röntgenaufnahmen hängen, Edelstahlbecken und den typischen Armaturen, die die Ärzte nur mit dem Ellenbogen bedienen.

Thron und Blumenwiese

Die beste Aussicht genießen Männer allerdings in den Toiletten des von Philippe Starck edel designten Restaurants Felix im 28. Stock des Peninsula Hotel HongKong. Wenn sie schließlich an den Becken stehen, fällt der Blick durch eine riesige Glasfront auf den Hafen und die Skyline der Megacity.

Aber nicht nur Design, sondern auch „Kunst am Klo“ liegt im Trend. Wobei die Grenzen so fließend sind wie die schon in vielen WCs vorzufindenden Wasserwände oder Wasservorhänge. Hinter einem solchen befinden sich auch die großzügig angelegten WCs im Restaurant Steirereck im Wiener Stadtpark. Die Vorgabe des Bauherrn Heinz Reitbauer – Motto: „AAAAA. Alles anders als alle andern“ – verlangte dabei eine berührungsfreie Bedienbarkeit aller wasserführenden Elemente: Die Spülung wird beispielsweise durch einen Sensor ausgelöst, außerdem wird auf sichtbare Armaturen komplett verzichtet. Daher gleichen die Sanitärobjekte wie Waschtisch, Pissoir, Seifenspender und Handtuchhalter modernen Skulpturen, bei deren Entwurf Architekt Wolfgang Brenner die Pflanzenwelt zitierte.

Alle Objekte wurden von einem Bootsbauer eigens aus glasfaserverstärktem Epoxidharz gefertigt. So auch das auf einem vorgesetzten und hinterleuchteten Wandschild montierte WC, das die Wirkung eines „Throns“ hervorrufen soll. Im Steirereck wird der Gast also spätestens auf der Toilette zum König. Uwe Lehmann

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