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INTERVIEW DER WOCHE

Deutscher Sauerbraten – das ist doch das Erlebnis!

Claus D. Hübsch geht den etwas anderen Weg und setzt auf deutsche Küche

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2005/13 vom 2. April 2005

Herr Hübsch, sagen wir es einmal so: Was Oswald Kolle für das deutsche Sexualleben, das waren Sie vor über 20 Jahren für die deutsche Gastronomie, als sie mit ihren Konzepten „Pupasch“ und „Pflaumenbaum“ die Leute scharenweise vom Sofa in die Kneipe lockten. Diese Konzepte sind mittlerweile Auslaufmodelle. Als studierter Kommunikationswissenschaftler sind Sie aber ihrerseits unheilbar vom Gastronomie-Virus infiziert worden. Was machen Sie heute?

Claus D. Hübsch: Ja, damals in Goslar habe ich für mich entdeckt, dass Gastronomie mein Leben ist. Gastronomie ist hochgradige Kommunikation. Aber Papst und Erfinder der Erlebnisgastronomie? Heute werde ich schon mal Kneipenflüsterer genannt. Aktuell führe ich je eine „Ständige Vertretung“ in Hannover und Hamburg und habe vor einer Woche das „Plaza“ in Hamburg-Wandsbek eröffnet. Ein Wahnsinnsobjekt mit dem größten Rückbüffet Deutschlands mit 1200 Flaschen bestückt, in hochfrequentierter Lage an der größten Bus- und U-Bahn-Umsteigestation. In fünf Wochen eröffne ich ein historisches Objekt, das Restaurant „Trude“ mit riesigem Biergarten in Barmbeck.

Der Kater lässt offensichtlich das Mausen nicht?

Hübsch: Nein! Aber ich widme der Gastronomie nur noch 80 Stunden im Monat, denn ich bin Vater eines zweijährigen Sohnes und mit einer Frau verheiratet, die schwerbehindert ist und im Rollstuhl sitzt. Sie ist die Investorin und ich kümmere mich um meine Schwerpunkte. Wie zum Beispiel Marketing und all die betriebswirtschaftlichen Dinge, die von den meisten Gastronomen eher vernachlässigt werden.

Ständige Vertretung, Biergarten – das klingt urdeutsch. Die junge Generation schaut sich in der ganzen Welt um und versucht, Konzepte, die in New York oder anderen Metropolen erfolgreich sind, auch bei uns zu etablieren. Warum setzen Sie auf deutsch?

Hübsch: Weil 67 Prozent der Konzessionen in Hamburg in Händen von ausländischen Kollegen sind. In Nürnberg sind es gar 80 Prozent. Deutsche Gastronomiekultur und deutsche Speisen – das muss schon als Nische betrachtet werden. Es gibt auf der ganzen Welt kein Land, wo einheimische Gastronomie durch ausländische substituiert wird. Deutscher Sauerbraten, deutsches Schnitzel und als Getränk Bier statt Wein – das ist das große Erlebnis, aber wer bietet das noch? Apropos: Meine Mutter hat mir als Kind oft Makkaroni vorgesetzt, da wusste ich noch gar nicht, wo Italien liegt. Pasta ist also auch ein deutsches ProduktBezeichnung für am Markt angebotene Wirtschaftsgüter .
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und heißt bei uns Nudeln. Wissen wie die Gäste ticken, das ist ein wichtiger Erfolgsfaktor und ein Vorteil, wenn man ein wenig Psychologie und Soziologie studiert hat. Das sollte Pflicht für jeden Gastronomen werden. Darüber habe ich aber schon in dem Buch geschrieben, das ich 1993 zusammen mit dem AHGZ-Verlag gemacht habe. Aber das hat wohl niemand gelesen oder keiner kapiert.

Die Fragen stellte Gundula Marx


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