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Diese Woche

Deutschlands Hoteliers stöhnen

Gastgewerbe protestiert gegen noch kürzere Ferienzeiten / Hotels und Gasthäuser befürchten drastische Überbuchungen

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2008/26 vom 28. Juni 2008
 Stefanie Reinhardt

STUTTGART. Hoteliers und Gastronomen laufen Sturm. Statt den Ferienkorridor zu verlängern, hat die Kultusministerkonferenz die Schulferientermine für die Jahre 2011 bis 2017 sogar noch enger gefasst (AHGZ.de berichtete). Der Schulferienkorridor beträgt derzeit 87 Tage, ab 2011 im Schnitt nur noch 82 Tage. Im Jahr 2014 sind es sogar nur 73 Tage. Das sind zwei Wochen weniger als in diesem Sommer. Die Tourismusbranche befürchtet Verluste in Millionenhöhe, überbuchte Hotels und Staus auf den Autobahnen.

„Meine 45 Zimmer könnte ich in der Ferienzeit gleich doppelt belegen“, betont zum Beispiel Alexander Borchard, Chef des Hotels Borchard's Rookhus am See. Das Romantik Familotel liegt in der Urlaubsregion der Mecklenburgischen Seenplatte. Von Mitte Juli bis Ende August stehen die Urlauber an der Rezeption Schlange. Doch Borchard kann gar nicht alle Urlauber unterbringen. „Die ganze Gegend ist komplett ausgebucht“, weiß Alexander Borchard.

In der vergangenen Woche sind die Bundesländer Hessen und Rheinland-Pfalz als erstes in die Sommerferien gestartet. Für Hotelier Borchard beginnen damit 87 Tage Hochsaison. So lange dauert der Korridor vom ersten bis zum letzten Ferientag der 16 Bundesländer in diesem Jahr. Mit ihrem Beschluss für die Jahre 2011 bis 2017 haben die Kultusminister die Wünsche der Wirtschaft ignoriert. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA
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) in Berlin kritisiert die Entscheidung der Kultusminister scharf. Eine verkürzte Hochsaison führe zu einer schlechteren Auslastung in Hotellerie und Gastronomie. Zudem hemme das hohe Verkehrsaufkommen in der Hauptreisezeit den Tourismus. Gemeinsam mit dem Hotelverband (IHAAbk. für Hotelverband Deutschland.
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) fordert der DEHOGA deshalb, den Korridor für die großen Sommerferien auf 82 bis 86 Tage auszuweiten.

Außerdem sei nicht nachvollziehbar, warum bevölkerungsreiche Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg oft zeitgleich in die Schulferien gehen. Der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) hält sogar einen Korridor von 92 Tagen für notwendig. Eine zu kurze Hochsaison führt laut BTW zu hohen Preisen, Staus auf Autobahnen und Warteschlangen an Flughäfen und auf Bahnhöfen. „Familien mit Kindern zahlen viel drauf, denn sie sind auf die Ferienzeit angewiesen“, sagt Klaus Laepple, Präsident des BTW. Viel Geld verliere jedoch auch die Tourismusbranche. In der Vorsaison bleiben viele Ferienbetten leer. In der kurzen Hochsaison könnten Zimmer dagegen gleich doppelt oder dreifach belegt werden. Der Branche entgehe durch den zu kurzen Ferienkorridor „rund 1 Mrd. Euro“. Von einer akzeptablen Lösung spricht dagegen Annegret Kramp-Karrenbauer, Präsidentin der Kultusministerkonferenz: „Mit unserer Entscheidung tragen wir den schulorganisatorischen Anforderungen RechnungJede Urkunde, mit der ein Unternehmer oder in seinem Auftrag ein Dritter eine Lieferung oder sonstige Leistung gegenüber einem Leistungsempfänger abrechnet, gleichgültig, wie diese Urkunde im Geschäftsverkehr bezeichnet wird .
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und berücksichtigen die Interessen der Familien bei der Gestaltung gemeinsamer Urlaubszeiten.“

Familien mit schulpflichtigen Kindern zählen in der Sommerzeit zum Kerngeschäft vieler Hoteliers und Gastronomen in Deutschland, zum Beispiel auf der Ferieninsel Spiekeroog. Jochen Bossmann, Wirt des Restaurants Dünenklause auf der Nordseeinsel, erlebt im Sommer einen regelrechten Ansturm auf sein Restaurant. Auch Alexander Borchard, Chef des Hotels Borchard's Rookhus am See in Mecklenburg-Vorpommern, ist den ganzen Sommer über ausgebucht. Viele potentielle Gäste finden nicht einmal mehr Ferienzimmer. Die Folge: Sie reisen in andere Regionen oder verbringen die Nächte in den Stadthotels. Seit zwei Jahren beobachtet Borchard noch eine andere Entwicklung: In sein Hotel kommen immer mehr Familien mit kleinen Kindern. Sie bleiben länger als früher, nämlich etwa eine Woche. Alexander Borchard hat sich darauf eingestellt. Seit zwei Jahren gehört sein Haus zu Familotel, einer Kooperation familienfreundlicher Hotels.

Der Hotelier bestätigt einen Trend: Das eigene Land steht bei den Deutschen wieder hoch im Kurs. Laut einer repräsentativen Umfrage der Europ Assistance Group planen 29 Prozent der Deutschen in diesem Jahr einen Sommerurlaub im eigenen Land. Außerdem verreisen sie länger. Rund zwei Wochen bleiben sie an ihrem Urlaubsort. Im Ferienkorridor könnte es sich also in Zukunft noch stärker ballen. (Seite 7) Stefanie Reinhardt


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