Diese Woche
Die Allrounderin
Stefanie Bürger ist im Arosa Kulm Hotel & Alpin Spa in der Schweiz nur für die Gäste da. Sie geht mit ihnen auf Wanderschaft, kümmert sich um den Nachwuchs, betreut Künstler, und sie erfüllt – heimlich – Wünsche
Im schicken Dress sieht man Stefanie Bürger nur selten. Ihre übliche Dienstbekleidung fällt etwas rustikaler aus – Wanderstiefel, Baumwollhose, T-Shirt und Rucksack. Fast jeden Morgen sammelt sie in diesem Outfit wanderlustige Gäste des Arosa Kulm Hotel & Alpin Spa um sich, um mit ihnen die traumhaft schöne Bergwelt rund um den Graubündener Erholungsort zu entdecken. Stefanie Bürger ist Gästebetreuerin in dem traditionellen Schweizer Luxushotel.
Kinder und Künstler
Die täglichen kostenfreien Wandertouren gehören sommers wie winters zu ihren Aufgaben. „Nebenbei“ ist sie für die tägliche Morgenpost zuständig, die die Gäste auf dem Frühstückstisch finden, sie knüpft Kontakte zu Künstlern und betreut diese, wenn sie im Kulm musizieren, lesen oder ausstellen. Bürger macht mit den Gästen Wassergymnastik, weiht sie in die Geheimnisse von Tai Chi und Qigong ein, und auch für die Veranstaltungen im hauseigenen Kindergarten trägt die Gästebetreuerin die Verantwortung.
Nicht nur für Bürger ist ihre Arbeit ein Traumjob, auch das Hotel hat mit ihr einen guten Fang gemacht. Denn wer von den anderen Mitarbeitern kann schon einen so engen und intensiven Gästekontakt aufbauen?
Auf langen Wanderungen entsteht er ganz von allein, Stefanie Bürger erfährt im wahrsten Sinne des Worte im Vorübergehen, was die Gäste bewegt, was ihnen gefällt, und wo es noch etwas zu verbessern gilt. Sie hört von individuellen Vorlieben und manchmal auch von heimlichen Wünschen. Wenn diese dann – wie von Geisterhand – erfüllt werden, steckt nicht selten die Gästebetreuerin dahinter, die wieder mal „gepetzt“ hat.
„Dass es einen Mitarbeiter für Veranstaltungen gibt, ist in einem Luxushotel nichts Besonderes“, sagt Direktor André Salamin. Doch eine Gästebetreuerin, die gleichzeitig Wanderleiterin und salopp gesagt Mädchen für alles ist, dürfte wohl eher die Ausnahme sein. „Eine Investition, die sich aber für alle Seiten auszahlt“, ist Salamin überzeugt. Denn der Service trage nicht unwesentlich dazu bei, „dass aus manchem Zufallsgast ein Stammgast wird“.
Dass sie mal in einem Hotel arbeiten wird, hat sich die 49-Jährige vor ein paar Jahren nicht träumen lassen. Die Deutsche, geboren in Hamburg und aufgewachsen im Rheinland, hatte ihr Leben viele Jahre dem Feldhockey verschrieben. Als Mitglied der Deutschen Nationalmannschaft holte sie 1981 in Buenos Aires sogar den Weltmeistertitel nach Deutschland. Und Hockey wollte sie als künftige Journalistin auch zum beruflichen Lebensmittelpunkt machen. Sie studierte Stefanie Bürger Sport, Englisch und Deutsch und machte ein Volontariat bei der Deutschen Hockey- und Tenniszeitung.
Doch bald schon merkte sie: Das ist nicht ihr Ding, nur über ihren Sport zu schreiben. So wurde sie Feldhockeytrainerin – erst im Schwabenland, dann in Paris und später in der Schweiz. Zugleich beendete sie eine Ausbildung als Sporttherapeutin. Mit 40 Jahren sagte sie dem Hockey ade und vertiefte ihre im Studium erworbenen Kenntnisse in Tai Chi und Qigong. Bald merkte sie, „dass mich das ein Leben lang begleiten wird“. Die Einheit von Körper und Geist, die Verbundenheit mit der Natur, das war es, was sie immer stärker faszinierte. Mehr zufällig fand sie 2002 in Arosa den Ort, der für sie ideale Bedingungen bot, und im noblen Kulm Hotel fand sie für einige Wochen in der Sommersaison eine Anstellung.
Sagenhafte Geschichten
Den Rest des Jahres lebte und arbeitete sie als Sporttherapeutin in Zürich. „Doch immer, wenn ich von Arosa weg musste, hatte ich Entzugserscheinungen“, sagt Stefanie Bürger und lacht bei der Erinnerung. „Ich wollte ganz dorthin, suchte nach einem Job – auch im Winter.“ Die Stelle bekam sie 2007 im Kulm, ihre Wohnung fand sie in Langwies, nur wenige Kilometer von Arosa entfernt. Ein kleines Holzhaus aus dem Jahr 1939, mitten in der Natur, wo Bürger Inspiration und Kraft findet.
Hier lernte die Gästebetreuerin auch den Einheimischen Walter Engel kennen. Er weiß von den alten Sagen und Mythen der Region. Oft sitzt Stefanie Bürger mit Engel zusammen, hört seine sagenhaften Geschichten und gibt sie auf ihren Wanderungen an die Hotelgäste weiter.
Viele Kulmgäste ziehen auch deshalb Tag für Tag mit ihr los. Und versprechen beim Abschied, dass dieses Hotel mit seinen sagenhaften wanderbaren Angeboten für den nächsten Urlaub bereits gebucht ist. Heidi Diehl
