Branche aktuell
Die Branche denkt grün
Umweltschutz rückt ins Bewusstsein des Gastgewerbes / Ökologie hilft Kosten sparen
BERLIN. „Es gibt keinen anderen Weg mehr als den grünen“, so das Fazit beim ITB-Hospitality Day (HD). Dabei sei es wichtig, zwischen nachhaltig ökologischen Konzepten und oberflächliche Marketingaktionen zu unterscheiden. Letztere werden im Fachjargon „greenwashing“ genannt.
Energie-Gewinnung in südlichen Ländern stellt sich relativ einfach dar - nicht nur durch Solarenergie. Klimaanlagen von Hotels in Meeresnähe können mit Meerwasser gekühlt werden. Anhand eines Strohhalm-Prinzips wird dabei sechs Grad Celcius kaltes Wasser aus dem Meeresgrund ins Hotel gesaugt. Dort kommt es mit einer Temperatur von 16 Grad an, wird mit etwas warmer Luft vermischt und kühlt dann mit etwa 18 bis 20 Grad die Klimaanlage.
Skihalle auf Eis gelegt
Das Thema hat auch die arabischen Länder erreicht. Tony Williams, Vice President Resorts & Projects bei Emirates, berichtete von einem ersten Hotel mit Solarenergie. In Dubai sei der Bau einer weiteren, mit herkömmlicher Energie betriebenen Skihalle zurück gestellt worden. In Australien wird Emirates ein Resort auf einem 4000 Hektar großen Gelände eines Reservates bauen. Das Hotel wird lediglich 1 Prozent der Gesamtfläche einnehmen, auf dem restlichen Gelände werden vom Aussterben bedrohte Tierarten ausgesetzt.
Dietmar Müller-Elmau, Eigentümer von Schloss Elmau bei Garmisch-Partenkirchen, heizt sein Hotel seit kurzem mit einer Holzverbrennungsanlage. Durch ihren Einsatz spart er 200.000 bis 300.000 Euro im Jahr. Die Investitionssumme für die Anlage belief sich auf 1,2 Mio. Euro. Das Holz stammt aus der Region und kann in kurzer Zeit geliefert werden. Der Rat des Hoteliers: „Baut neue Resorts nur dort, wo ihr die Energie dafür selbst gewinnen könnt.“
Michael Hartmann, Manager der Abteilung Hospitality Solutions bei Siemens in München, sieht Ansätze zur Nachhaltigkeit vor allem beim Neubau. „Mit Elektronik von heute kann man den Energiekonsum von Zimmern messen,“ erklärte er. Siemens hat Finanzierungsmodelle entwickelt, die den Einsatz von umweltfreundlichen Technologien erschwinglich machen. Sie garantieren dem Bauherrn Einsparungen und Siemens erhält später das Geld, das eingespart wurde.
Wo nicht neu gebaut wird, kann der Umwelt auch Gutes getan werden. Beispiel: „The Leading Initiative“ von The Leading Hotels of the World. Für jede Nacht, die der Gast über www.lhwgreen.com bucht, wird ein Betrag an die Umwelt-Organisation Sustainable Travel International (STI) gespendet. Hilton Hotels Worldwide führte 2005 das Programm „We care“ ein. Es konzentrierte sich zunächst auf Energie und Wasser, die Kosten hierfür wurden um 10 Prozent gesenkt.
Gäste würden mehr ausgeben
Würden Gäste für umweltfreundliche Konzepte mehr bezahlen? „Eine Umfrage des Instituts JD Powers ergab, dass sie bis zu 10 Prozent mehr für eine Reise bezahlen würden, wenn das Umweltkonzept stimmt,“ so Welf J. Ebeling, Vice President und COO bei Leading. Manfred Stock vom Institut für Klimafolgenforschung in Potsdam stimmte dem zu: „10 Prozent sind aber die Schmerzgrenze“, betonte er. Susanne Stauss

