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Lebensfreude pur: Für Anna Sgroi sind Hobby und Beruf eins

© Restaurant

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Die Charakterstarke

Anna Sgroi gehört mit ihrer unverfälschten italienischen Küche zu den vier Spitzenköchinnen in Deutschland. Die Sizilianerin hat sich ihre sternwürdige Kunst selbst beigebracht

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2008/24 vom 14. Juni 2008
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Anna Sgroi verlässt sich auf ihre Intuition, experimentiert und probiert. Inspiration holt sie sich nur von Italiens erstem 3-Sterne-Koch Gualtiero Marchesi – in einem 3-tätigen Crashkurs in Mailand. „Mein Stil ist leichte mediterrane Küche, reduziert in den Produkten, mit raffiniertem Geschmack“, betont Anna Sgroi. Mit Passion und Ausdauer hat sich die ehemalige Coiffeuse in die Beletage der Branche gekocht.

Puristisch und erlesen

Die zierliche Frau mit den dunklen Locken strahlt Energie und Warmherzigkeit aus. Ihre dunklen Augen funkeln, wenn sie lacht. Der warme Klang ihrer Stimme verstärkt ihren italienischen Akzent. „Ich stehe seit zwanzig Jahren am Herd und koche immer noch mit großer Leidenschaft“, sagt sie.

1990 zeichnete der Michelin die Wahlhamburgerin als erste italienische Köchin in Deutschland mit einem Stern aus. Rasch eroberte sie sich die Anerkennung professioneller und privater Feinschmecker. Sie hat aber nie auf einen Stern hingearbeitet, Berechnung ist ihr fremd. Das Geheimnis ihrer gerühmten Küchenalchimie? Erlesene, schmackhafte Grundprodukte, Lebensmittel der Saison, frische Kräuter und hochwertiges Olivenöl. Aber es gibt auch kritische Stimmen. „Einige Gäste erkennen nicht die Raffinesse, die in meiner klaren, leichten Küche liegt“, sagt die 49-Jährige. Und bekennt: „Ich habe eine Sahneallergie.“

Sgrois reduzierter Kochstil und das klare edle Ambiente ihres Ristorante ergänzen sich: helle Wände, Marmorfußboden, warme Brauntöne von Leder und Hölzern vereinen sich zu einer wohltuenden Harmonie. Die Spitzenköchin eröffnete das Sgroi 2002 im quirligen Hamburger Stadtteil St. Georg. Die 13 Tische – abergläubisch ist sie nicht – sind jeden Abend gut besetzt, lebhafte Gespräche erfüllen den Raum. Ein Auszug aus der Speisekarte: gebratene Seezunge, gefüllt mit Lardo di Colonnata und Kräutern, mit jungen Artischocken, ausgelöste Bresse-Taube mit Rotweinrisotto und Knoblauch in Camicia oder Ravioli von Piemontesischer Fonduta mit Lardo di Colonnata. Ihre Ravioli fehlen nie auf der Karte: Sie sind begehrt und gelten als die zartesten der Stadt.

Auch über dem Sgroi leuchtet ein Michelin-Stern. Das genaue Datum muss die Köchin in der Sammlung ihrer roten Gourmetführer erst nachlesen. „Seit 2004“, füllt sie lächelnd die Wissenslücke. „Man verliert die Zeit.“

Nicht vergessen hat sie die Höhen und Tiefen in den 90ern. In Hamburg-Eppendorf eröffnete sie 1988 mit ihrem Freund, einem Musiker, das Ristorante Anna e Sebastiano. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Doch er hatte seinen PreisTransaktionspunkt zwischen Angebot und Nachfrage eines Produkts bzw.
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. Die Beziehung zerbrach. Die Köchin ging nach zehn Jahren – ohne auch nur ein Kochmesser. Veränderungen schrecken Anna Sgroi nicht. „Ich bekomme keine Panik, wenn ich kein Geld in der Tasche habe.“ Sie hat trotzdem das Leben genossen: „Ich glaube an mich selbst und schaue, dass es mir gutgeht“, sagt sie. Ihr Charakter sei ihre Stärke.

Reisen in die Heimat

Hobby und Beruf sind für die Köchin eins. In ihrer freien Zeit kocht sie gern für Freunde. Dann genießt sie bei der Zubereitung ein Glas Weißwein, den sie mit ihrem Lebensgefährten Mirko Vollstädt auf ihren Reisen in der Heimat einkauft. Ebenso italienische Delikatessen und sizilianische Keramik für ihren Laden „Alimentari“. Irgendwann möchte sie am Meer leben. „Aber wer weiß, wo die Welle des Lebens mich hinträgt“, sagt Anna Sgroi. Elke Birke


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