Diese Woche
Die flotte Managerin
Dagmar Woodward eröffnet im Sommer als General Manager das erste deutsche Haus der Dubaier Hotelgruppe Jumeirah. Das Jumeirah Frankfurtim Palaisquartier wird 200 Zimmer sowie 240 Mitarbeiter haben
Noch sitzt die zierliche Person im kessen Schottenrock mit Assistentin und Marketingdirektor in einem Raum des Voreröffnungsbüros. Doch das Team des künftigen Jumeirah Frankfurt wächst täglich. Die ersten Bewerber für das neue Frankfurter 5-Sterne-Hotel werden interviewt. „240 Mitarbeiter für
200 Zimmer“, kündigt Dagmar Woodward an, die als General Managerin an der Spitze des Hotels steht.
In der oberen Liga spielen
Woodward muss nicht nur ein neues Haus im Markt positionieren, sondern auch eine hierzulande weitgehend unbekannte Marke. Die Ziele sind hoch gesteckt. Das Jumeirah Frankfurt soll in der Liga von Adlon, Vier Jahreszeiten Hamburg und Mandarin Oriental München spielen.
Für die erfahrene Managerin keine leichte Aufgabe, aber doch eine, die sie zweifellos mit Bravour erledigen wird. Sie kann das, war in ihrer Karriere häufig die erste: als F&B-Direktorin, als erster weiblicher General Manager der InterConti-Gruppe, als erste Preisträgerin des „European Hotel Manager of the Year Award 1999“ und so weiter.
Ihr Leben begann im beschaulichen Sternenfels, zwischen Bruchsal und Pforzheim. Das Einzelkind hieß damals noch Dagmar Frank und sollte das elterliche Gasthaus übernehmen. Sie absolvierte eine Kochlehre im InterContinental Frankfurt und die Hotelfachschule Bad Reichenhall.
Doch ihr Herz schlug für etwas anderes: Sie wollte Schauspielerin werden, ging nach Paris, besuchte eine Schauspielschule und jobbte am Empfang im Bristol und im George V.
Sternenfels war weit, ihr Appetit auf die Sterne der Hotelwelt wuchs. Sie schmiss die Schauspielschule und machte die Hotelwelt zu ihrer Bühne.
Dagmar Frank ging nach London und war bei der Eröffnung des Hyde Park InterConti dabei, wo sie zum
F&B-Manager aufstieg und von ihrem damaligen Küchenchef den Rat erhielt: „Mädle, du musst weiblich bleiben.“
Genau das hatte sie sich angesichts der männlichen Dominanz in den Führungsetagen der Top-Hotellerie ohnehin schon vorgenommen. Die flotte Dagmar wechselte als F&B-Direktorin ins Meurice nach Paris. Und die Karriere nahm ihren Lauf. Für InterConti ging sie ins Willard nach Washington DC und ins Barclay in New York, wo sie zum Resident Manager aufstieg. Als erste Frau innerhalb der InterConti-Gruppe wurde Dagmar Woodward zur Generaldirektorin des Portman InterConti London ernannt, es folgte die Versetzung ins Castiglione InterConti Paris: „Das schönste und mein liebstes Hotel.“
Im Herbst 2005 übernahm Westin ihr geliebtes Castiglione, Woodward verließ InterContinental und wurde Boss im Royal Monceau, das in dieser Zeit mehrere Eigentümerwechsel durchmachte.
Hier kam Woodward erstmals in Kontakt zu Jumeirah, die sich für die Immobilie interessierten. Schnell hatten die Jumeirah-Leute Dagmar Woodward als ideale Besetzung für den GM-Posten ihres Frankfurter Projekts ausgeguckt. Sechs Monate arbeitete sie sich in Dubai in Philosophie und Kultur der Gruppe ein und bezog im Sommer 2009 ihr Voreröffnungsbüro in Sichtweite ihres künftigen Hotels in Frankfurt.
Von Jumeirah ist sie schwer beeindruckt. Nach dem oft recht schwerfälligen Apparat der etablierten Ketten findet Woodward es „erfrischend“, in einer kleinen, expansiven Firma zu arbeiten. Die Wege sind kürzer, dazu modernste Technik: „In so einer Company ist man gut aufgestellt.“
Zurück in Frankfurt
„Jetzt bin ich auf meine alten Tage wieder in Frankfurt gelandet“, kokettiert die Frau vom Jahrgang 1953. Immerhin hatte sie all die Jahre eine Wohnung im Frankfurter Haus der Großeltern. Von dort aus erkundet sie jetzt die Stadt, am liebsten zu Fuß.
Als Ausgleich macht sie Yoga, mit Golfspielen hat sie angefangen. Woodward reist gern, am allerliebsten nach Paris, der Stadt ihres Herzens. Seit vielen Jahren geschieden, bezeichnet sich Dagmar Woodward als „alleinstehend, aber fest liiert“. Sie ist eine leidenschaftliche Gastgeberin und kocht am liebsten französisch. Gelernt ist eben gelernt.

