Gastkolumne
Die halbe Welt gehört den Frauen
Von Barbara Goerlich
Buchstabieren sich die „drei K“ im traditionellen Frauenbild heute anders? Hat sich zum klassischen „Kinder, Küche, Kirche“ als viertes K die „Karriere“ gesellt? Es mag so scheinen. Denn Frauen sind Sterneköchinnen, nehmen Führungspositionen in der internationalen Hotellerie ein und leiten Hotels. Das sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Realität nicht ganz so rosig – oder weiblich – aussieht. Die wenigen Frauen, die international bedeutende Hotels leiten oder es zu Exzellenz in der Küche gebracht haben, sind eben noch immer eher die Ausnahme als die Regel. Ganz im Gegensatz zum branchenprägenden Mittelstand.
Obwohl es keine exakten Zahlen gibt, liegt der Anteil weiblicher Führungskräfte und Selbstständiger in Gastronomie und Hotellerie zweifellos über dem etwa bei Banken und Versicherungen. Der Grund liegt auf der Hand: Die Struktur der Branche. Die Frau als Chefin, Führungskraft und Unternehmerin ist in Gastronomie und Hotellerie seit langem eine Selbstverständlichkeit. Frauen sind Identifikationsfigur und Vorbild für den Nachwuchs, gleich welchen Geschlechts.
Denn „Chefin sein“ klappt im eigenen Betrieb noch immer am schnellsten: Ob selbst gegründet, ererbt oder mit dem Partner. In unzähligen inhaber(innen)geführten Betrieben ist die Welt längst aufgeteilt. Frauen sind keineswegs nur „Die Frau an seiner Seite“, sondern als Mit-unternehmerin oder Inhaberin für den Betriebsablauf verantwortlich. Sie können dort das ausleben, was, so sagt man, dem entgegenkommt, was Frauen ohnehin besonders gut können: das im Betriebsalltag erforderliche Multi-Tasking, ihr Händchen fürs Atmosphärische und so fort.
Tatsache ist: Die Hälfte der Welt gehört den Frauen. Genau genommen, sogar mehr: Denn nach ihrem Anteil an der Weltbevölkerung sind Frauen sogar in der Überzahl. Man – und frau – muss es sich nur immer mal wieder klar machen.

