MEHR ALS FÜNF MILLIONEN SIND OFFIZIELL OHNE ARBEIT
Die im Dunkeln sieht man nicht
Von Ulrich Jungk, Chefredakteur
Vorbei die Zeit der Dunkelziffern vom Arbeitsmarkt, jetzt kommt die ganze Wahrheit auf den Tisch – so hatte Bundeswirtschaftsminister Clement noch am vergangenen Wochenende getönt und irgendwie klang so etwas wie Erleichterung durch. Das Nürnberger Millionenspiel – die erste Arbeitslosenstatistik seit dem Start von Harz vier. Endlich Schluss mit der Verschleierung – das pure Elend des Arbeitsmarktes auf den Tisch, Zahlen lügen nicht. Aber sie dienen der Wahrheit auch nur bedingt. Denn nach Expertenmeinung lag die Zahl der registrierten und verdeckten Arbeitslosen zusammen schon im vergangenen Jahr bei etwas mehr als sechs Millionen und seit 1991 sei nie die Marke von fünf Millionen Erwerbslosen nennenswert unterschritten worden.
Mehr als 1,6 Millionen verdeckte Arbeitslose im Gleichschritt mit dem tristen Fünf-Millionen-Heer. Die im Dunkeln sieht man nicht – man zahlt, aber zählt bislang nicht offiziell. Vorzeitige Ruheständler, Teilnehmer an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen wie Weiterbildungskursen, Ich-AGler, Kurzarbeiter und jener Personenkreis, der Leistungen von der Bundesanstalt für Arbeit empfängt, aber als arbeitsunfähig gezählt und gelistet wird. Vom einstigen Wahlversprechen, die Arbeitslosigkeit zu halbieren, ist man weiter entfernt denn je. Im Herbst 2006 wird erneut gezählt – weil gewählt.
In Nürnberg wird aber nicht nur das Elend der Arbeitswelt verwaltet, dort sitzen mit der GfK Marktforschung auch jene Klimaforscher, die jedes sich regende Konsumlüftchen akribisch messen. Alles spricht dafür, dass sich die Stimmung der Verbraucher in Deutschland deutlich aufhellt. Es sind nur einzelne Signale, zart-positiv nur und noch so verletzlich, dass einige wenige Pessimisten sie zerreden und zertreten können – aber immerhin. Die Einkommenserwartung im Lande verbessert sich, die Anschaffungsneigung steigt, dafür hat die für dieses Land typische Sparneigung eine deutliche Delle abbekommen. Deutschland atmet tief durch und stellt erleichtert fest: Es gibt durchaus ein Leben nach Hartz vier und die letzte Stufe der Steuerreform macht zwar nicht unbedingt reich, aber sich doch bei den meisten im Portemonnaie und auf dem Konto positiv bemerkbar. Kleinvieh macht vielleicht doch noch Binnen-Konjunktur?

