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Der Autor ist freier Gastronomie-Journalist in Mainz

Gastkolumne

Die Winzer haben gelernt

Von Günter Schenk

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2008/23 vom 7. Juni 2008

Strauß- und Besenwirtschaften boomen. Fast täglich registrieren die Suchmaschinen im Internet Neuzugänge von Direktvermarktern. Von Weinbaubetrieben, die ins gastronomische Geschäft einsteigen. Doch vorbei sind die Zeiten, als die Winzer mit zwei Flaschen durch ihre Lokale streiften, einen herben Wein in der rechten und einen milden in der linken Hand. Zum Einheitspreis wurden die ausgeschenkt, meist in großen Schoppengläsern. Heute sind die Gläser in den Straußwirtschaften kleiner und feiner, ist die Weinauswahl größer.

Aber nicht nur Gastronomen, auch Hotels machen die Strauß- und Besenwirtschaften mehr und mehr Konkurrenz
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. Viele Weinbaubetriebe haben sich mit staatlich geförderten Fremdenzimmern auf Gäste eingestellt. Tausende von Übernachtungen kommen so zusammen, die in keiner amtlichen Statistik auftauchen. Denn die statistischen Landesämter erfassen Übernachtungsbetriebe gewöhnlich erst ab acht Betten.

Von den Gastronomen haben die Winzer gelernt. Mancherorts lockt man so mit speziellen Rabatten – wie an Ruwer, Saar und Mosel, wo es einen eigenen Straußwirtschafts-Pass gibt, der jedem Gast nach Einkehr im achten Betrieb ein Weinpräsent garantiert. Hinzu kommt ein immer größer werdendes Veranstaltungsangebot, vom Hoffest bis zur musikalisch umrahmten Weinprobe, vom Krimi-Abend bis zur Dichterlesung.

Inzwischen hat man ganz Neues im Visier: Hochzeiten, Geburtstage, Kommunion, Nikolaus- und Weihnachtsfeiern, Betriebsfeste und Jubiläen sollen künftig statt im Dorfgasthaus beim Winzer gefeiert werden. Besonders in Rheinland-Pfalz, wo das Platzangebot in den Straußwirtschaften nicht wie in anderen Bundesländern auf 40 Plätze begrenzt ist, sucht der Weinbauer nach neuen Märkten. Steuermillionen, die die Landesregierungen im Rahmen landwirtschaftlicher Existenzsicherung in ihre Weinbauregionen pumpen, beflügeln diesen Trend.

Offiziell will die Politik so den ländlichen Raum mit Leben füllen, Arbeitsplätze auf dem Land sichern. Nicht nur Winzer aber haben das Recht, ein Dorfgasthaus zu führen. Deshalb braucht die Gastronomie die gleichen Fördermöglichkeiten wie die Landwirtschaft. (Seite 25)


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