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EDITORIAL
Gelebte Vorbildfunktion . . .
Würde die von Regierung und den Gewerkschaften so vehement geforderte Ausbildungsabgabe Realität, müssten die Arbeitnehmerorganisationen wohl umgehend das Scheckbuch zücken oder noch besser: gleich einen Dauerauftrag einrichten. Ihre Ausbildungsbereitschaft ist nämlich sehr bescheiden um nicht zu sagen mies und jämmerlich.
Die Lehrergewerkschaft GEW, die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten und die Gewerkschaft der Polizei bilden überhaupt nicht aus. Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di – ein riesiger Apparat mit noch viel größeren Ansprüchen – soll gerade einmal 16 jungen Menschen (oder 0,3 Prozent der dort Beschäftigten) Starthilfe in eine berufliche Karriere geben und die IG Metall hat nach meinen Informationen 24 Lehrlinge (Ausbildungsquote: 0,9 Prozent) unter Vertrag. Die IG Bau legt mit 0,5 Prozent in dieser so wichtigen Disziplin auch nicht eben viele Fundamente für berufliche Karrieren. Da steht der DGB mit 19 Auszubildenden bei insgesamt 840 Mitarbeitern schon besser da, sein Berufsfortbildungswerk hat dagegen bei über 3000 Beschäftigten gerade einmal 5 Lehrlinge.
Das nenne ich gelebte Vorbildfunktion – ich fasse es nicht, aber ich rechne schon mal nach, was die Ausbildungsplatzabgabe die Gewerkschaften kosten könnte. Danach sollen Betriebe mit einer Ausbildungsquote von weniger als 6 Prozent mindestens 5000 Euro für jede fehlende Lehrlingsstelle pro Jahr hinblättern. Eine rühmliche Ausnahme bildet hier nur die ehemalige Eisenbahnergewerkschaft Transnet. In den letzten 5 Jahren wurden dort die Ausbildungsplätze verdoppelt. Jeder sechste Beschäftigte war im vergangenen Jahr ein Azubi. Da wünsch ich weiter gute Fahrt.
