Ein guter Wein braucht ein gutes Glas
Nirgendwo haben Trinkgefäße einen so hohen Stellenwert wie hierzulande / Auch Bier und Wasser profitieren vom Glas
Deutschland und Österreich gelten als die besten Getränkeglasproduzenten der Welt. Kaum ein SommelierBerufsbezeichnung für Mitarbeiter, der in einem Restaurant den Inhaber und die Gäste hinsichtlich des Weinangebots des Hauses berät.
weiter mit Mausklick... wird da widersprechen. Wird deshalb nirgends so verbissen über die Qualität der Trinkgefäße diskutiert? An Rüdiger Meyer, Regionalsprecher für Süddeutschland der deutschen Sommelier-Union, perlt diese Debatte inzwischen ab. Er ist sie leid.
Form bringt Qualität
Ein gutes Glas könne einen mittelmäßigen Wein nicht aufwerten. Dafür blühe ein guter Wein darin erst richtig auf. Basta. „Bei einem Lokal, das nur sporadisch irgendeinen Wein ausschenkt, muss der Wirt nicht die teuersten Gläser kaufen. Da kommt man mit zwei Euro schon hin. Aber weniger sollte es nicht sein“, sagt der Gastronomie- und Weinberater. Noch lieber wäre es ihm natürlich, wenn der Gastronom in die Qualität des Produkts investieren würde.
Andererseits sei er neulich bei einem hervorragenden Winzer in Italien gewesen, der wirklich feine Tropfen in eher bescheidenen Gläsern anbot. „Wie hätte er erst in einem richtig guten geschmeckt“, fragten sich er und seine Kollegen während der Weinprobe. Eigentlich schade, der Winzer verschenke dadurch einen echten Wettbewerbsvorteil.
Die Qualität ist eine Frage der Form und der Zusammensetzung des Rohmaterials. Ein hoher Anteil an Bleioxyd gilt als Qualitätsmerkmal, so Meyer. Dadurch werde die Oberfläche mikroskopisch aufgeraut. Der Wein pralle nicht an der Innenwand ab, sondern schließe sich daran weiter auf, erklärt der Experte. Und je dünner, desto schneller temperiere sich der Wein. Alle Glashütten, seien es Schott Zwiesel, Nachtmann, Eich, Santo, Spiegelau oder Riedel, lieferten hervorragende Qualität. Es müsse dennoch nicht immer das teure Bleikristall sein. Schott Zwiesel verwendet eine bleioxydfreie patentierte Tritan-Technologie. Viele seiner Kollegen und die Top-Restaurants vertrauten der Enoteca-Serie von Zwiesel mit 24Gläsern. „Sie sollen jedem Wein zu seiner individuellen Entfaltung und Präsentation dienen“, heißt es bei Zwiesel. Die Wandstärke ist jeweils auf die ideale Temperatur verschiedener Sorten abgestimmt. Die Serie umfasst sieben Rotweingläser, vier Weißweingläser und verschiedene Gläser für Prosecco, Sekt, Champagner (Leseprobe und weitere Informationen zum Buch "Champagner") und Wasser.
Und beim Bier? Der Experte beobachtet zu seinem Bedauern einen gewissen Trend zum rustikalen Krug. „Die Haptik am Mund ist unangenehm, das Material am Rand zu wulstig“, sagt Meyer. Ein gutes Bier brauche ein gutes Glas. Das hat man sich auch bei Spiegelau gedacht und ein neue Serie mit Biertulpe, Pilsstange, Helles-Glasund Weizenbierglas entwickelt, um mit dem dünn geblasenen robusten Glas gegen den groben Krug anzutreten. Am besten kämen die Gläser – ähnlich wie beim Wein -, dort zur Geltung, wo wirklich ehrliche Braukunst im Gerstensaft stecke.
Gläserpflege ist wichtig
Auch das Wasserglas ist in den vergangenen Jahren in den Fokus des Interesses gerückt. Mit einem nach oben offenen Glas ohne Rollrand ist schon viel erreicht. „Dadurch verteilt es sich beim Trinken schneller im Mundraum. Wasser muss man nicht vorn auf der Zunge aufschließen, weil es nicht so aromatisch wie Wein ist“, sagt Meyer. Noch viel wichtiger sei allerdings, wie die Gläser gespült würden. Sie können Fremdgerüche annehmen, wenn sie in der Maschine mit Speiseteller oder Besteck gereinigt werden. Auch die falsche Lagerung, zum Beispiel in Kartons im feuchten Keller, wirke sich nachteilig aus. „Manchmal wird auch zuviel Spülmittel verwendet. Auch das beeinträchtigt den Geschmack“, so der Fachmann. mia


