Erfolgreiche Hotellerie Die Kleineren (4)
Ein Königreich für Events
Nico Döring und Andreas Otterbein sind ins kalte Wasser gesprungen. An ihren Erfolg haben die meisten Mitbewerber nicht geglaubt. Doch ihr Konzept ging auf. Die beiden Gastgeber gehen im Hotel Schloss Romrod seit 2004 erfolgreich neue Wege
ROMROD. Ihr Perfektionismus kommt den beiden Pächtern des Hotel Schloss Romrod zugute. Entgegen ihrer ursprünglichen Profession führen der Marketingfachmann Nico Döring und der Ökotrophologe Andreas Otterbein heute ein Hotel mit Restaurant und Bar, sechs Seminarräumen und 25 Zimmern. Beide sind Quereinsteiger und haben einen hohen Anspruch. „Klassische Hotellerie und Gastronomie ist uns zu langweilig“, sagt Nico Döring und verweist auf das ganzheitliche Konzept des Hauses. In der mittelhessischen Region rund um das kleine Örtchen Romrod hat es zweifelsohne einen Trend gesetzt.
Unter ganzheitlich verstehen Döring und Otterbein vor allem den allseits umworbenen Gast. Die verkehrsgünstige Lage des Hauses, eine Stunde von Frankfurt entfernt und direkt an der Autobahn gelegen, sei prädestiniert für eine attraktive LocationMeist außergewöhnlicher Ort für Feste, Filmaufnahmen sowie sonstige Veranstaltungen bzw.
weiter mit Mausklick... mit maßgeschneiderten Angeboten für Privat- und Firmenkunden. Die beiden Pächter haben aus diesem Vorteil ihr Eventschloss entwickelt, in dem man nicht nur gut speisen und in ursprünglich belassenen Gemäuern übernachten, sondern an die 100 unterschiedliche und teilweise verrückte Events buchen kann. Ein eigens dafür eingestellter Veranstaltungskaufmann betreut die Kunden mit den besonderen Wünschen und plant Attraktionen wie Krimi-Dinner, Quadfahren, Salsakurse, Outdoortrainings oder rustikale Ritteressen.
„Die Region hier hat lange geschlafen“, sagt Andreas Otterbein. Deshalb habe man die jungen Unternehmer mit ihrer frischen Art zunächst auch misstrauisch beäugt. Doch den beiden wurde sehr schnell bewusst, dass das von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz für 15 Mio. Euro sanierte Objekt nicht klassisch vermarktet werden kann. Deshalb gingen sie mit ihren kreativen Ideen auch zielstrebig ans Werk.
Weitere Investitionen
Wenn zunächst auch etwas blauäugig, dann aber doch mit Respekt vor dieser Aufgabe. „Vieles war ein Lernprozess. Wir haben anfangs nicht einmal gewusst, wie viel PersonalIn der Hotellerie und Gastronomie haben diese durch den Kontakt zu den Gästen einen wesentlichen Einfluss auf die vom Gast wahrgenommene Dienstleistungsqualität.
weiter mit Mausklick... wir benötigen. Dann sind wir schnell an unsere finanziellen Grenzen gestoßen. Auch, weil wir Existenzgründer waren.“ Mittlerweile aber wird das herrschaftliche Objekt, das alte wie auch moderne Architektur in sich vereint, vor allem von Gästen aus dem Ausland und aus dem nahen Rhein-Main-Gebiet genutzt. „Das hat unsere Situation stabilisiert, sodass wir sogar Rücklagen bilden konnten und nun Stück für Stück weiter investieren werden“, berichtet Nico Döring.
Denn es hat sich herumgesprochen, dass sich in dem ehemaligen Jagdschloss des Erzherzogs von Hessen eine erstklassige Adresse etabliert hat. Vor allem als Tagungsresort erfreut sich Schloss Romrod eines ausgezeichneten Rufes. Im Kanzleiturm und Herrenbau mit Gewölbekeller und Rittersaal finden Firmen mit modernster Medientechnik ausgestattete Seminarräume für bis zu 120 Personen. Die selben Räume werden auch für Bankette oder Familienfeiern genutzt.
Für die Ausstattung der Feiern beschäftigen Döring und Otterbein sogar ein eigenes Dekoteam und haben zwei Kindermädchen für die Betreuung der kleinsten Gäste rekrutiert. „Der Gast muss nach seinem Besuch auf Schloss Romrod überzeugt sein, dass alles gepasst hat.“ Dazu zählt nicht nur die Abwicklung seiner Veranstaltung, sondern auch das Ambiente und die gastronomische Betreuung. „Ohnehin sind wir überzeugt davon, dass man ohne eine gute Küche heute überhaupt nicht mehr anzutreten braucht“, sagt Otterbein. Deshalb gebe es auch keine Kompromisse bei der Qualität von Speisen und Getränken. Regionale Gerichte und internationale Speisen stehen auf der Karte, die Weinkarte im Restaurant Mathilde ist ebenso erlesen wie die Cocktailkarte in der Havanabar 2059.
Nicht zuletzt geben die beiden Jungunternehmer ihrem Führungspersonal kreativen Spielraum, erwarten aber auch absolute Professionalität. „Wir leben diese Philosophie vor und sind auch nicht die Chefs, die irgendwann mit einem großen Wagen vorfahren“, sagt Otterbein. Vor allem eine gute Kinderstube sei gefragt. „Die Mitarbeiter sollen respektvoll mit dem Gast umgehen und eine hohe Dienstleistungsbereitschaft mitbringen.“
Sich selber verlangen die beiden Chefs ebenfalls viel ab. „Wir werden uns ständig an neue Gegebenheiten anpassen und Gästewünsche akzeptieren. Fragebögen sind ein absolutes Muss. Wir sind verrückt nach FeedbackJede Art von Rückmeldung, die anzeigt, ob eine andere Person ein bestimmtes Verhalten oder eine sprachliche Äußerung verstanden hat und darauf reagiert.
weiter mit Mausklick... und lieben Veränderungen. Schon deshalb wird der Gast immer wieder etwas Neues bei uns entdecken“, so Otterbein. Silke Liebig-Braunholz

