zwei essen – einer zahlt
Ein Volk von Abzockern?
D as Anti-Diskriminierungsgesetz erregt aktuell die Gemüter. Dabei zeichnet sich schon die nächste Gesetzeslücke in Form des Anti-Abzocke-Gesetzes ab. Ob das allerdings je ein Politiker aufs Tapet bringen wird, ist eher unwahrscheinlich. Vater Staat und seine Diener scheinen zu den Abzockern großen Stils zu gehören.
Aber auch der kleine Mann beherrscht bei solchen Vorbildern diese Fähigkeit ganz gut. Mancher Gastronom weiß bei der Suche nach Arbeitskräften ein Lied davon zu singen. Dem Gros der Arbeitslosen erschien es bis dato nicht erstrebenswert, sich für einen unwesentlich höheren Lohn als sein Arbeitslosengeld in die heiße Küche zu stellen. Ein gut gemeintes System, das soziale Härtefälle verhindern sollte, konnte die Abzocke zu vieler nicht verkraften und drohte zu kollabieren. Nun ist mit Arbeitslosengeld II Schmalhans Küchenmeister.
Auch bei der Euro-Einführung wurden sofort die Abzock-Chancen erkannt. Dieses Mal waren die Gastronomen am Zug. Mit dem Resultat, dass die Gäste Kneipen- und Restaurants umgehend die kalte Schulter zeigten. Die so meist selbstverschuldet in die Bredouille geratene Gastronomie reagierte mit „Specials“ und versuchte die Preise wieder zu normalisieren. Eurotoques will jetzt durch die Aktion „Gibt es sie noch – Menüs zu D-Mark-Preisen?“ den Gästen die „ehrlichen Umrechner unter den Gastronomen“ präsentieren. Ein bisschen spät, aber der gute Wille zählt ja bekanntlich.
Das Euro-Teuro-Gefühl der Gäste gab einer Marketing-Idee aus den Vereinigten Staaten ungeheuren Auftrieb: dem Couponing. In Kurzform: Zwei essen – einer zahlt. Aber Vorsicht: da wird der Gast in seiner Vermutung bestätigt, dass der Gastronom einen Gewinn von 40 bis 60 Prozent macht. Ausgerechnet die Abschaffung des Rabattgesetzes läutete die nächste Runde zum Abzocken ein. Schade, dass da wieder eine gute Idee kollabiert. „Gutscheinbücher – nein, danke“, sagt nun der Gastronom, obwohl es gut gemachte Gutscheinbücher gibt, die das Ziel, neue Gäste zu generieren, durchaus erfüllen.
Der nächsten Abzock-Welle droht zur Fußball-WM. Da will der DEHOGA, wie kürzlich an dieser Stelle Hauptgeschäftsführer Ehlers verkündete, allerdings einen Riegel durch die Vermarktung von Hotelzimmern in eigener Regie vorschieben. Deutschland – einig Volk von Abzockern? Das käme nicht gut an, wenn die „Welt zu Gast zu Freunden“ ist. Vielleicht sollten wir uns einmal den Kommentar eines ARD-Moderators zum aktuellen Börsengeschehen durch den Kopf gehen lassen: „Arm ist nicht der, der nichts hat, sondern der, der immer mehr will.“

