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Franchisees kämpfen um Wienerwald

Riskantes Management verursacht Insolvenz der Kette / Jahn-Schwiegersohn will die Marke kaufen

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2007/15 vom 14. April 2007
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MÜNCHEN. Die Achterbahnfahrt ist zu Ende. Nachdem das Unternehmen zum dritten Mal Insolvenz beantragt hatte (Seite 8), steht der Markenname nun zum Verkauf. Der Grund: In den vergangenen Monaten hatte die Wienerwald AG eine aggressive Expansionsstrategie ohne entsprechende finanzielle Ausstattung betrieben. Alfons Buhr, seit 1998 Vorstand der Hähnchenkette, hatte gehofft, die Verbindlichkeiten über Anleihen aus privater Hand zu decken. Gegenüber der AHGZ gibt er zu: „Ich habe mich zu weit aus dem Fenster gelehnt.“

Derzeit prüft Insolvenzverwalter Wolfgang Ott aus München, wie die Geschäftssituation aussieht. Im Zentrum des Verfahrens stünden die Markenrechte und die sechs unternehmenseigenen Restaurants, sagt Buhr. Das vom Mutterkonzern unabhängige Franchisesystem sei nicht in Gefahr. Die Betreiber der Wienerwald-Filialen halten mit den Lieferanten eigene Verträge. Der größte Franchisebetreiber, Wiesn-Wirt Günter Steinberg, will die Marke kaufen. Außer dem Hofbräukeller und dem Hofbräuzelt betreibt er vier Wienerwald-Filialen. Er ist mit der Tochter des Wienerwald-Gründers Friedrich Jahn verheiratet. Steinberg gegenüber der AHGZ: „Ich will die Marke in die Familie zurückholen.“ Er ärgert sich über die finanzielle Misere. „Das Geschäft der Franchise-Betriebe unter dem Markennamen muss weitergehen“, betont Steinberg.

Wienerwald hatte große Pläne. Pünktlich zum 50jährigen Bestehen der Marke war im Herbst 2005 das zweite Insolvenzverfahren abgeschlossen. Zehn Filialen der jungen Franchise-Marke Wienerwald Express wurden 2006 eröffnet, weitere 24 waren für 2007 geplant. Das verjüngte Fastfood-Konzept mit Chicken-Burger und frittierten Hähnchenstücken war eine Konsequenz aus der Insolvenz im Jahr 2003. Doch die Expansion ging schief, einige Filialen mussten nach kurzer Zeit schließen.

Dennoch klammerte sich Vorstand Alfons Buhr an seine Pläne und trieb die Expansion voran (AHGZ vom 20. Januar 2007). Seit vergangenen Dezember versuchte die Wienerwald AG eine Schuldverschreibung von mehr als 5 Mio. Euro über Anleihen zu finanzieren. Wienerwald wollte Kleinanleger ansprechen, in der Hoffnung, dass sie der Traditionsmarke weiterhin vertrauten. Denn Banken, Fonds und Privatinvestoren hatten sich nicht mehr für eine Finanzierung gewinnen lassen. Kein Rating, verteidigten potenzielle Geldgeber ihre Absage. Sogar der Pivate-Equity-Investor Alcaton half nicht. 2001 hatte der Düsseldorfer Finanzdienstleister die Reste der Wienerwald-Kette von der Bank Austria gekauft. Heute ist die Wienerwald AG eine hundertprozentige Tochter der DÖ Beteiligungs GesmbH, Wien. Diese ist wiederum hundertprozentige Tochter des Düsseldorfer Unternehmens. Die Anleihen hatten allerdings nur 125.000 Euro eingebracht, die dritte Insolvenz folgte.

Seit vielen Jahren glich die Situation von Wienerwald einer Achterbahnfahrt. Zu starken Zeiten zählte das Unternehmen 1200 Restaurants und 20.000 Mitarbeiter. 1982 kündigten die Banken Friedrich Jahn die Kredite. Seit 1998 leitet Alfons Buhr das Unternehmen, 2003 war Wienerwald zum zweiten Mal zahlungsunfähig.

Noch sind alle Filialen geöffnet, auch die der Wienerwald AG. Ihre Zukunft steht in den Sternen, sollte sich ein Investor für die Reste des Konzerns interessieren. Der Beirat der Fanchisenehmer, Horst Jirgl, begrüßt, dass Günter Steinberg die Marke kaufen will. Der Name ist nach der Insolvenz von 2003 noch verpfändet. Werden die ausstehenden 800.000 Euro nicht bezahlt, kann Steinberg zuschlagen. Alexandra Lindinger

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